Ingrid Sils

„Und siehe, es war sehr gut!“ (Gen 1,31)

Staunen über die Schönheit und Vielfalt der Natur
Staunen über die Schönheit und Vielfalt der Natur , Foto: © iStock.com/coldsnowstorm

Ingrid Sils

Menschen erkennen Gott in der Schöpfung damals und heute

Thematischer Schwerpunkt
Die Erschließung der ersten Schöpfungserzählung im Rahmen ihrer Entstehungsgeschichte bildet den Ausgangspunkt der Unterrichtseinheit. Die Einbettung verdeutlicht, dass die Erzählung als Schöpfungslob zu lesen ist. Dies wird innertextlich durch die Wiederholung von Formen des Verbs „sehen und des Lobes deutlich. Wichtig ist, dass das hebräische Wort tov, das in der Regel mit „gut übersetzt wird, in zweiter Bedeutung auch „schön, lieblich bezeichnet. Die Bewertung der Schöpfung aus der erzählten Perspektive Gottes beschreibt also auch ihren ästhetischen Charakter: Gott freut sich über die Schönheit der Schöpfung.
Diese Einsicht Israels verdankt sich einer kritischen und zugleich konstruktiven Auseinandersetzung mit der sozial und religiös desolaten Situation in der Verbannung. Dabei verwenden die Verfasser zeitgenössische naturkundliche Beobachtungen, deren Zusammenhang und Funktion sie als absichtsvolles Schöpfungshandeln des Gottes Israels deuten. Die Schöpfungsgeschichte hat daher pointiert widerständigen Charakter und zielt auf die Überwindung der Verzweiflung durch den Blick auf das globale Schöpfungshandeln Gottes. Insofern ist die Geschichte ein Narrativ des Lebensmutes und der Zukunftshoffnung.
Die Schülerinnen und Schüler nehmen selber die in den Schöpfungstexten erkennbare Sicht auf Schöpfung ein und vollziehen die Gründe für das Staunen der Verfasser nach. Zugleich nehmen sie wahr, dass die exakte Beobachtung der Welt und das Staunen über ihre Schönheit sich nicht widersprechen, sondern sich ergänzen. Durch diesen Perspektivenwechsel kann auch ihre eigene Naturerfahrung hin zu einer religiösen Deutung erweitert werden, die im Staunen über die Schöpfung auch heute noch Zuversicht und Lebensmut entdecken lässt.
Lernsituation
Schülerinnen und Schüler der fünften Klasse stellen bereits die Frage nach dem „Wahrheitsgehalt der Schöpfungsgeschichte. Wie dieser „Gehalt einzuordnen und zu bewerten ist, kann ihnen dadurch anschaulich werden, dass sie begreifen, in welchem Kontext die Geschichte entstanden ist und wie die Verfasser das zeitgenössische Wissen in ihrem Schöpferlob zur Geltung bringen.
Das Staunen über Schöpfung erfordert eine Fokussierung auf Natur, zu der Kinder dieser Altersstufe zumindest in städtischen Ballungsräumen immer weniger selbst eine erlebnisgeprägte Beziehung aufbauen können. Dabei spielen einerseits z.B. künstlich gestaltete Lebensräume, städtische Bebauung, Verdichtung des Verkehrs, industriell gefertigte Nahrung, die profitorientierte Verwertung natürlicher Ressourcen, standardisierte Spielplätze u.a.m. eine wichtige Rolle, andererseits verhindern aber auch gesellschaftlich praktizierte Grundhaltungen, wie Leistungsorientierung, naturwissenschaftlich-technische Zweckrationalität und Ökonomisierung aller Lebensbereiche, ein mußevolles Erleben von Natur und deren Auslegung als gute Schöpfung Gottes.
Eine konkrete Heranführung an Naturerfahrung ermöglicht in ersten Ansätzen einerseits eine Abgrenzung zu einer rein naturwissenschaftlichen Sichtweise und bildet andererseits eine Brücke zu einer bewussten religiösen Wahrnehmung der Natur als Schöpfung.
Lernimpuls
Als Lernimpuls dient ein szenisches Spiel, das als Konkretion um einen Psalm konzipiert wurde. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich in die Situation der Israeliten in Babylon versetzen. In Verzweiflung und Abgeschiedenheit von Zion erkennen die Israeliten Gottes Anwesenheit und seine Schaffenskraft in der Schöpfung, die sie um sich herum finden.
Lernarrangement
1. Unterrichtsschritt: Die Israeliten in Babylon
Zu Beginn der Sequenz wird vorn in der Klasse mit einem blauen Tuch ein Gewässer gelegt. Projiziert wird die Szenerie für ein Anspiel (M1 ) nach Ps 137, 1 – 4, das eine Klage der Gefangenen zu Babel enthält und eine emotionale Verhakung mit der Situation ermöglicht.
Zunächst...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 31 / 2018

Schöpfung – ist da Gott im Spiel?

Friedrich+ Kennzeichnung Projekt Schuljahr 5-6