Nele Rahlf

„Schön ist, was man mit Liebe betrachtet.“

Gottes Schöpfung ist schön!
Gottes Schöpfung ist schön!, © Vladimir Konstantinov/shutterstock.com

Nele Rahlf

Gottes liebevoller Blick auf seine Schöpfung

Thematischer Schwerpunkt
„Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Dieses Sprichwort macht deutlich, dass Menschen ganz unterschiedlich auf ein und dieselbe Sache blicken können. Was wir als „schön empfinden, liegt im Auge des Betrachters, und dieser oder diese fällt sein bzw. ihr Urteil vor ganz verschiedenen Hintergründen, denn Geschlecht, Alter und Sozialisation haben Einfluss darauf. Was für die eine schön ist, betrachtet der andere als schlimmen Kitsch die Liste verschiedener ästhetischer Vorstellungen ist erweiterbar. Dabei kann es sich um Personen, aber auch um Orte, Geräusche oder Erlebnisse handeln. Wenn das Herz besonders an etwas hängt, dann kann das vernichtende Urteil anderer Personen auch schmerzen, unabhängig davon, worauf es bezogen ist, wobei eine vernichtende Beurteilung in Bezug auf die eigene Person meist besonders verletzt und im schlimmsten Fall Schäden für das eigene Selbstbild zur Folge hat. Lebensweltlich relevant können Schülerinnen und Schüler deshalb lernen, dass man mit verschiedenen ästhetischen Vorstellungen auch sensibel und tolerant umgehen kann und muss.
Mit Zuspitzung auf das Thema „Schöpfung gibt es neben der subjektiv empfundenen Schönheit aus der Perspektive der christlichen Theologie auch die universelle Schönheit. Bezogen auf den Menschen, wird dies in der Ebenbildlichkeit deutlich. Der Mensch wird als Ebenbild Gottes erschaffen und Gott bezeichnet seine Schöpfung und den Menschen darin als „sehr gut (Gen 1,31). Auch in Psalm 139,14 wird der Mensch als „wunderbar gemacht bezeichnet. Die universelle Schönheit des Menschen entsteht in der Beziehung zu Gott. Sie ist deshalb auch nicht auf Äußerlichkeiten beschränkt. In Gen 1,31 heißt es: „Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Im hebräischen tov für „gut schwingt bereits mit, dass die gute Schöpfung auch schön ist. Auch Christian Morgenstern (1871 1914) bringt die Dynamik dieser Beziehung passend zum Ausdruck: „Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet.1 Gott betrachtet seine Schöpfung mit diesem liebevollen Blick. Für die Schülerinnen und Schüler kann es also in der Auseinandersetzung darum gehen, die Schönheit zu erkennen, die sich aus der besonderen Beziehung zu Gott ergibt. Damit leistet diese Unterrichtssequenz einen Beitrag zu einer positiven Selbstwahrnehmung, die die gesamte Schöpfung miteinschließt.
Lernsituation
Kinder in der Altersgruppe der Fünft- und Sechstklässler gehen mit dem Thema Schönheit einerseits offen und unbefangen um. Sie benennen in der Regel klar, wenn ihnen etwas gefällt oder auch missfällt. Schönheit ist meist noch kein Kriterium, über das Menschen beurteilt werden, wie es in der Pubertät und auch in der Welt der Erwachsenen stärker der Fall ist. Bilder, Geschichten, Schmuck, Autos, aber auch Mütter und Väter sind schön, aber die selbstreferenzielle Dimension ist meist noch wenig ausgeprägt. Andererseits werden Kinder in ihrer ästhetischen Wahrnehmung von Bezugspersonen und der sie umgebenden Kultur schon früh beeinflusst. „Schön sein ist eng mit anderen positiven Attributen verbunden: Schön sind Prinzessinnen und Prinzen in Märchen und Schönheit ist der Garant dafür, um auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen.
Dieses Phänomen spielt in vielen Filmen und Büchern, aber auch in der Werbung eine Rolle. Schöne Menschen haben Erfolg. Diese Logik kann Druck erzeugen, der sich mit Beginn der Pubertät deutlich steigert. Schülerinnen Schüler entwicklungspsychologisch etwas später beginnen, sich in diesem Alter intensiver mit der Frage zu beschäftigen, ob sie schön sind und was sie tun, sagen oder tragen müssen, um auf andere attraktiv zu wirken. Diese Fragestellung nimmt im Laufe der sechsten bis zur siebten Klasse einen immer größeren Raum ein. Je nach Lerngruppe und individueller Entwicklung beginnt diese körperbezogene Betrachtung und Beschäftigung mit der...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 40 / 2020

Schön und gut?

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht Schuljahr 5-6