Neil MacGregor:
Leben mit den Göttern
Verlag C.H.Beck, München 2018, 542 Seiten mit 245 farbigen Abbildungen. ISBN 978-3-406-72541-8, € 39,95.
2010 machte der damalige Direktor des Britischen Museums in London durch die Veröffentlichung seines Buches A History of the World in 100 Objects (dt.: Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten, München 2011) mit einem Schlag auf sich aufmerksam. In bestechender Weise machte er damals die Methode exemplarischen Lernens für eine universale Sicht auf Kunst- und Weltgeschichte nachvollziehbar. Vier Jahre später folgte in derselben methodischen Anlage der Katalog einer Ausstellung, mit der MacGregor den Briten Deutschland nahezubringen versuchte: Germany: Memories of a Nation, 2014 (dt.: Deutschland. Erinnerungen einer Nation. München 2015). Dies war dann auch Anlass, den Autor in das Dreierdirektorium des entstehenden Berliner Humboldforums im wiederaufgebauten Schloss zu berufen.
Nun legte er im vergangenen Jahr in einem dritten Schritt einen Band vor, in dem er nach derselben Methode eine universale Religionsgeschichte mit einer ebensolchen Religionsphänomenologie verbindet. Ausgehend von einzelnen Objekten, die er überwiegend in den Beständen des Britischen Museums findet, entfaltet er vor allem erzählend die Geschichte und Herkunft des Objekts und benutzt dabei die Deutung, um grundlegende Einsichten der Religionswissenschaft zu thematisieren.
Seine Leitfrage heißt: Was können gemeinsame religiöse Überzeugungen im öffentlichen Leben einer Gemeinschaft oder einer Nation bedeuten? „Mit der Entscheidung, wie wir mit unseren Göttern leben wollen, entscheiden wir auch, wie wir miteinander leben. Dabei leitet ihn die Überzeugung, dass „Glaubensnarrative und [das] Zugehörigkeitsgefühl, das sie verschaffen können, heute attraktiver, einflussreicher und gefährlicher [sind] als noch vor einer Generation. Und er fragt, ob „die Menschheit heute in der Lage [ist], ein pluralistisches globales Narrativ zu finden. „Wer ist ‚Wir? das ist die große politische Frage unserer Zeit, und dabei geht es im Kern um das, was wir glauben.
In sechs Teilen entfaltet er in 30 Kapitel diese Welt des Glaubens. Mit den ältesten Funden der Religions- und Kulturgeschichte, dem „Löwenmenschen und der Flöte aus dem Hohlefels der Schwäbischen Alb setzt er ein und fährt mit Feuer, Wasser, Licht und Ernte fort. Tod, Gebet, Gesang folgen. Unter der Überschrift „Theater des Glaubens verhandelt er heilige Orte, Opfer, Pilgern und Feste. Im Teil IV, „Die Macht der Bilder, in dem er „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner spirituellen Reproduzierbarkeit reflektiert, zeigt er im Vergleich zwischen westlicher und der östlicher orthodoxen Tradition den unterschiedlichen Umgang mit Bildern am Beispiel der Deutung der Passion Jesu und stellt dies gleichzeitig in ein Verhältnis zur Tradition buddhistischer Betrachtung des Buddha. Auch die neuere Diskussion um Monotheismus und Polytheismus werden ebenso eingebunden wie Religionskritik, Atheismus und Säkularismus. Das alles aber immer an sichtbaren Objekten und in konkreter Erzählung festgemacht und darin in vorbildlicher Weise das Exemplarische mit dem Elementaren verbindend. Der Kunsthistoriker hat hier die grundlegenden Anforderungen der Religionspädagogik vorbildlich eingelöst. Wer sich dieses Buch aneignet, wird es als Vademecum für seinen Religionsunterricht nicht mehr missen wollen.
Eckhart Marggraf
Reza Aslan
Gott. Eine Geschichte der Menschen
Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2018.
ISBN 978-3-579-08716-0, € 22,00
Nachdem der US-amerikanische Associate Professor of Creative Writing und Wahrheitssucher Reza Aslan mit seinem 2013 erschienenen Buch „Zelot nicht nur im eigenen Land eine gewisse Popularität („Fox News) erlangt hatte, wagt er sich mit seinem vier Jahre später veröffentlichten Skriptum „Gott. Eine Geschichte der Menschen ein weiteres Mal auf theologisches Terrain.
Auf rund dreihundert Seiten unternimmt Aslan in...

Friedrich+ Religion

Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Jetzt ganz einfach mit F+ weiterlesen

  • 30 Tage kostenloser Vollzugriff
  • 5 Downloads gratis enthalten

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Religion

Fakten zum Artikel
aus: Entwurf Nr. 1 / 2020

Gott

Friedrich+ Kennzeichnung Hintergrund Schuljahr 1-13