Horst Heller | Nadine Klimbingat

„Ich bin da“

Ein Sonnenstrahl durchbricht die Wolkendecke und reflektiert sich auf einem See.
Foto: Davide Cantelli/unsplash.com

Horst Heller | Nadine Klimbingat

Mose und der geheimnisvolle Gottesname

Der Religionsunterricht wird die Fragen nach Gott nie erschöpfend beantworten können. Das macht das Gottesthema zu einer höchst anspruchsvollen Herausforderung für Lehrende und Lernende. Doch weist die Bibel selbst didaktische Lernwege für den Unterricht. Die folgende Unterrichtsidee schlägt vor, dass Schülerinnen und Schüler das Tetragramm JHWH kennenlernen, es deuten und dem geheimnisvollen Gottesnamen themenübergreifend immer wieder begegnen.

Zwei wichtige Vorbemerkungen
Die Bibel spricht vom Heiligen nicht in der Sprache systematischer Theologie. In der Bibel überwiegt die Perspektive glaubender, zweifelnder und betender Menschen und ihrer Gotteserfahrungen. Ihre Geschichten, Gedichte und Gebete verwenden Metaphern, Bilder und Symbole. Diese wiederum haben Künstlerinnen und Künstler aller Epochen zu eigenen Ausdrucksformen angeregt.
Gott ist nach jüdisch-christlicher Überzeugung dem Menschen nah und seiner Schöpfung zugewandt. Zugleich ist er aber unverfügbar. Diese Spannung zwischen der Selbstoffenbarung und der Verborgenheit Gottes prägt auch die Exodusgeschichte. Gott rettet sein Volk und begleitet es, aber die Distanz zu den Menschen bleibt bestehen. Allein Mose darf sich ihm einige Male ein Stück weit nähern. Ihm offenbart Gott seinen geheimnisvollen Namen, bestehend aus den vier hebräischen Schriftzeichen JHWH. Nun kennt Mose den Namen Gottes, doch dadurch wird das Geheimnis, das den Heiligen umgibt, nicht gelüftet. Für Mose, der in Ex3  – und danach immer wieder die Stimme Gottes hört, bleibt Gott das „Geheimnis der Welt (E. Jüngel). Nur eine Gewissheit hat Mose hinzugewonnen: Gott ist da, immer. Das aber ändert alles.
Exegetische Einsichten: „Ich werde sein, der ich sein werde.
Mose, Sohn einer israelitischen Mutter und Schwiegersohn des midianitischen Priesters Jitro hat in der Wüste eine Gotteserscheinung. Er sieht einen brennenden Dornbusch, doch als er näher hinzutreten will, hört er zusätzlich zu der Vision eine Stimme. Sie fordert ihn auf, Abstand zu halten und die Schuhe auszuziehen. Denn im Dornbusch sei der Heilige, Gott selbst, gegenwärtig. Träte er nun doch näher, müsste er unweigerlich sterben.
Es ist also Gott selbst, der zu ihm spricht. Gott gibt sich ihm (erstens) als der zu erkennen, den schon die Patriarchen Israels Abraham, Isaak und Jakob verehrten. Aber die Geschichte Gottes mit seinem Volk geht weiter. Er hat nämlich (zweitens) das Elend der Israeliten wahrgenommen. Er sieht und hört ihr Leiden. Und er beauftragt (drittens) Mose, sein Volk in die Freiheit zu führen. Die Nähe des Heiligen und der ungeheure Auftrag ängstigen Mose verständlicherweise. Doch Gott sagt (viertens): „Ich will mit dir sein (Ex 3,12). Dieser Satz ist nicht nur exegetisch von zentraler Bedeutung, sondern auch didaktisch.
Als Mose nach dem Namen Gottes fragt, erhält er eine kryptische Antwort. Sie enthüllt das göttliche Geheimnis nicht, aber sie lässt ihn wissen, was er wissen muss. Die Antwort aus dem Dornbusch lautet im hebräischen Wortlaut: (gesprochen ehjeh ascher ehjeh). Die Lutherbibel übersetzt diese Worte mit „Ich werde sein, der ich sein werde. Das Tetragramm (wörtlich: „Die vier Buchstaben) ist von diesem hebräischen Satz abgeleitet. Die vier Schriftzeichen sind der geheimnisvolle Name Gottes. Dies ist Ausgangspunkt der folgenden didaktischen Überlegungen und der anschließenden Unterrichtsideen.
Didaktische Überlegungen: „Ich bin da.
Eine korrekte philologische Übersetzung der Antwort Gottes in hebräischer Sprache ist wichtig. Aber in den Ohren von Kindern und Jugendlichen klingt das Ich werde sein, der ich sein werde wie eine Tautologie ohne Aussageninhalt. Eine philosophische Wahrheit vermögen sie kaum in diesem Satz zu entdecken. Es ist also erforderlich, den Gottesnamen JHWH zu didaktisieren. Die biblische Erzählung bietet dafür eine Steilvorlage: Gott wird Mose zum Pharao...

Friedrich+ Religion

Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Jetzt weiterlesen mit Friedrich+ Religion!

  • Digitaler Vollzugriff auf die Inhalte der Zeitschriften Religion 5-10 und entwurf
  • Umfassendes Archiv mit über 300 didaktischen Beiträgen, Unterrichtseinheiten, Arbeitsblättern, Grafiken, Filmen, Aufgaben, Differenzierungsmaterial, Methodenkarten, Spielen  u. v. m.
  • Jährlich über 100 neue Beiträge mit Unterrichtseinheiten zu lehrplanrelevanten Themen

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Religion

Fakten zum Artikel
aus: Entwurf Nr. 1 / 2020

Gott

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 3-6
  • Thema: Mensch, Gott
  • Autor/in: Horst Heller und Nadine Klimbingat