Andreas Reinert

Gott und die Götter

Andreas Reinert

Ein Beitrag zu einem Dialog der Religionen

„Der Eine und die Vielen so überschrieb der berühmte Ägyptologe Erik Hornung sein wohl wichtigstes Buch1, um darin u.a. anzudeuten, dass schon im Alten Ägypten die Frage nach dem Monotheismus, verkörpert durch Echnaton (zuvor Amenophis IV.), im Gegenüber zum Polytheismus eine Rolle spielte. Die Hochkulturen der damaligen Zeit (Ägypten, Assur, Babylon, Griechenland, Rom) gehören mitsamt ihren polytheistischen Religionen der Vergangenheit an. Heute jedoch bricht der alte Konflikt auf neue Weise auf in der Diskussion um die Gültigkeit oder Wahrheit der heutigen Weltreligionen mit ihren jeweiligen Gottesvorstellungen, wo auch mono- und polytheistische Vorstellungen sich gegenüber stehen.

Einführung
Wie kann von ‚Gott im Zusammenspiel und in der Auseinandersetzung zwischen den Religionen heute gesprochen werden? Es scheint nur auf den ersten Blick um eine Konfrontation mit ‚fremden Religionen und deren Vorstellungen von ‚Gott zu gehen, zeigt die alltägliche Erfahrung in der Schule doch, dass auch unsere ‚eigene Religion, das Christentum, den Schülerinnen und Schülern oftmals fremd geworden ist. Und unter ‚Gott stellen sich die Jugendlichen heute alles Mögliche vor, aber doch kaum mehr oder nur noch vereinzelt den persönlichen, trinitarischen Gott, wie ihn die christliche Theologie lehrt und die Bekenntnisse bezeugen.2 Vielleicht bietet diese Fremdheit nun aber auch die Chance, den Gottesbegriff der einzelnen Religionen unverbraucht (und kaum vorbelastet durch Wissen) neu aufzugreifen.3
Diese kurze Unterrichtssequenz setzt drei Schwerpunkte: Als Einstieg werden einige wichtige Begriffe mit Hilfe von Lernkarten geklärt und definiert (Baustein 1, Beihefter). Anschließend wird versucht, zunächst dem Begriff ‚Dialog der Religionen in einer Differenzierung zwischen Atheismus, Exklusivismus, Inklusivismus und Pluralismus näher zu kommen (Baustein  2). Ein dritter Schritt verdeutlicht den ‚Christlichen Wahrheitsbegriff und die Differenzierung zwischen Wirklichkeit und Wahrheit (Baustein 3).
Anmerkungen
1Erik Hornung: Der Eine und die Vielen. Ägyptische Gottesvorstellungen, WBG Darmstadt 1971, 4. Aufl. 1990, v.a. 180 –191.240 – 246.
2Vgl. die Shell-Jugendstudie 2019. Zusammenfassung unter https://www.shell.de/ueber-uns/shell-jugendstudie.html.
3Vgl. dazu Theo Sundermeier: Den Fremden verstehen. Eine praktische Hermeneutik, Göttingen 1996 sowie Rolf Heinrich (Art.): Fremde, in: LexRP Bd. 1, 432 – 638 und Claudia Gärtner (Art.): Hermeneutik des Fremden, WiReLex 2015, https://bit.ly/2Gw3kib.
4Hans-Martin Barth: Dogmatik. Evangelischer Glaube im Kontext der Weltreligionen, Gütersloh 2001; Werner Haußmann/Johannes Lähnemann (Hrsg.): Dein Glaube mein Glaube. Interreligiöses Lernen in Schule und Gemeinde, Theologie für Lehrerinnen und Lehrer, Thema 6, Göttingen 2005; Johannes Lähnemann (Art.): Dialog der Religionen: Entwicklung, Modelle, religionspädagogische Relevanz, in: WiReLex (https://www.wirelex.de), 2016.
5Lähnemann, Dialog der Religionen, S. 1.
6Immer noch lesenswert: Ökumenischer Rat der Kirchen (Hrsg.): Leitlinien zum Dialog mit Menschen verschiedener Religionen und Ideologien. Arbeitstexte der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Heft 19, Stuttgart 1979.
9Vgl. dazu Peter Schreiner/Ursula Sieg/Volker Elsenbast (Hrsg.): Handbuch interreligiöses Lernen, Gütersloh 2005; Friedrich Schweitzer: Interreligiöse Bildung. Religiöse Vielfalt als religionspädagogische Herausforderung und Chance, Gütersloh 2014. Monika Tautz (Art.): Interreligiöses Lernen, Gymnasium, in: WireLex (https://www.wirelex.de), 2018.
Unterrichtsbausteine
Baustein 1: Begriffsklärungen 1 Stunde
Baustein 1: Begriffsklärungen 1 Stunde
Als Einführung in die Unterrichtssequenz bietet es sich an, zunächst einige Begrifflichkeiten zu klären, die von SuS recht...
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Fakten zum Artikel
aus: Entwurf Nr. 1 / 2020

Gott

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "entwurf" Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 11-13