Martina Steinkühler

„Gott – kannst du [nicht] helfen?“

Mose führt sein Volk aus Ägypten. (Die neue Erzählbibel. Das Bild ist auf Seite 54.)
Mose führt sein Volk aus Ägypten. (Die neue Erzählbibel. Das Bild ist auf Seite 54.), Bild: aus: Martina Steinkühler (Autorin)/Barbara Nscimbeni (Illustratorin), Die neue Erzählbibel, Seite 54 © Gabriel Verlag in der Thienemann-Esslinger Verlags-GmbH, Stuttgart, 2015

Martina Steinkühler

Religionspädagogische Begleitung beim Umbau des Gotteskonzepts

Lernsituation
Aus der Grundschule kommen die Schülerinnen und Schüler in eine neue Schulsituation. Sie fangen nach einer Zäsur von vorn an, in neuen Gruppen, mit neuen Lehrerinnen und Lehrern, in einem neuen Umfeld und mit neuen, erweiterten Anforderungen. Aus dem Grundschul-Religionsunterricht bringen sie, zumindest nach dem, was die Lehrpläne aussagen, einen „Grundkurs Religion, Gott, Jesus, Bibel mit, haben über den Menschen vor Gott, über Gemeinschaft, Schöpfung, Hoffnung jenseits des Todes gesprochen, christliche (und andere) Antworten gehört. Ein „Weiter so mit Geschichtenerzählen und kreativen Gestaltungen des Gehörten wünschen sich nicht alle. Der äußere Übergang geht mit einem inneren einher. „Mit der Bibel sind wir jetzt durch, sagt Anna.
„Mit der Bibel sind wir nie durch, sage ich. „Ich bin schon 50 Jahre alt und frage mich immer noch: „Wer ist bloß dieser Gott?1 Da will mir die Gruppe gern helfen Sie zitieren „Halte zu mir, guter Gott, erzählen vom Hirten, vom Licht und von der festen Burg. „Er ist immer bei uns, so wie eine große Hand, sagt Bene. Ich hätte große Lust gehabt, dieses Gespräch aufzugreifen und fortzuführen. Hier sei angeknüpft und nach der langen Lücke auch neu angesetzt.
Entwicklungspsychologisch gedeutet ist die Abwehr von Bibelgeschichten in dieser Phase mehr als das Gefühl, die Grundschulzeit hinter sich gelassen zu haben, oder ein gewisser Überdruss an einer ausgereizten Methodik: Die Schülerinnen und Schüler beginnen mit dem Umbau ihres Gotteskonzepts und ebenso ihres Weltbilds. Aus einem erfahrungsbezogenen Misstrauen gegenüber Erzählungen wenden sie sich verstärkt dem Sichtbaren und Beweisbaren zu und Gott hängt auf einmal buchstäblich in der Luft.2 Neben der Unsichtbarkeit Gottes sind es auch Erfahrungen seiner Untätigkeit (Warum greift Gott nicht ein, wenn ein Unschuldiger leidet?), Unerreichbarkeit (Warum antwortet Gott nicht, wenn ich rufe?) und vermeintliche Unvereinbarkeit mit dem modernen Weltbild, die das Unbehagen schüren. Gerade in der ganz intimen Beziehung, dem Gebet, erfahren Kinder, dass sie nicht so, wie sie es sich vielleicht vorgestellt haben, erhört werden. Es bedarf großer Sensibilität, in dieser Phase, die bei jedem Kind individuell abläuft, weder auf dem, was nicht mehr ist, zu beharren, noch das, was noch nicht ist, heraufzubeschwören und dennoch das Gespräch zu suchen und Begleitung und Orientierung anzubieten, wie immer sie benötigt wird. Denn das Umbauen ist schmerzhaft und mag unbegleitet leicht dazu führen, zusammen mit den Erzählungen auch Gott aufzugeben.3
Thematischer Schwerpunkt
Im Mittelpunkt der Einheit steht aus oben genanntem Grund das Gebet bzw. die Art und Weise, wie Gott mit menschlichen Erwartungen umgeht. Die Schülerinnen und Schüler entdecken biblische Theologie: einen Gott, der aus guten Gründen nicht tut, was Menschen von ihm erwarten; der sich z.B. nicht mit Gewalt, sondern mit Liebe durchsetzt, der nah ist, zugleich unverfügbar; der Menschen die Entscheidung überlässt, wie weit sie gehen im Dienst des Lebens. Jesus in der Wüste und in Getsemane zeigt beide Seiten: wie Gott ist und wie ein Mensch sich im Ringen mit sich und Gott bewährt. Die gewählten Texte mögen zu groß und zu schwer für die Zielgruppe erscheinen; sie sind jedoch so gestaltet, dass sie elementare Zugänge ermöglichen; und darüber hinaus zum „Hineinwachsen gedacht wie ja auch die Fragen nach Gott so groß sind, dass sie anfänglich und dann ein Leben lang bearbeitet werden. Der unmittelbare Lernerfolg ist gewährleistet, wenn es den Schülerinnen und Schülern gelingt, probeweise im Gebet zu formulieren, welchen Raum sie Gott in ihrem Leben geben und welche Hoffnung sie damit verbinden.
Anforderungssituation
Der Apostel Paulus dargestellt als „jedermann bzw. „jedefrau erzählt, welche Mühen er auf sich nimmt, um das zu tun, von dem er...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 39 / 2020

Warum an Gott glauben?

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 5-6
  • Thema: Bibel, Gott
  • Autor/in: Martina Steinkühler