Annegret Südland

„Gott hat sein Volk besucht“

Eine offene Tür empfängt den Besucher
Eine offene Tür empfängt den Besucher, Foto: © Seksun Guntanid/shutterstock.com

Annegret Südland

(Adventliche) Unterrichtsideen zu Lukas 1,68

Besuch kennt jeder aber Besuch von Gott? Lk 1,68 spricht davon. Hierzu gehört die Geschichte von Zacharias und Elisabeth. Darin finden sich Parallelen zu Abraham und Sarah. Auch dort kommt Gott zu Besuch. Dieses Motiv greift die vieldeutige Ikone von Rubljow auf und regt dazu an, über das Geheimnis des unverfügbaren Gottes nachzudenken. Bei Abraham geht es um den verheißenen Sohn Isaak. Auf den Lobgesang des Zacharias folgt die Geburt Jesu in Lk 2. Durch ihn besucht Gott sein Volk und beschenkt die Menschen so mit versöhnter, offener Gemeinschaft. Deshalb betont das christliche Gottesverständnis Jesus, den besonderen Sohn.

Gott als Besucher
Viele Jugendliche sehen sich nach Autonomie und Selbstentfaltung bzw. nach individuellem Rückzug. Der Gedanke an einen Besucher, der nur zeitweise Aufmerksamkeit und Lebensraum beansprucht, kommt diesem Freiheitsbedürfnis entgegen. Zudem verweist die Rede von einem, der nur vorübergehend greifbar präsent ist, auf die geheimnisvolle Unverfügbarkeit des heiligen Gottes.
In der antiken Literatur ist der unerkannt wandernde Gott, der als Gast einkehrt, ein häufiges Motiv, etwa in der griechischen Erzählung von Philemon und Baucis.1 Auch Lukas spricht von einem Besuch Gottes. So heißt es im Lobgesang des Zacharias in Lk 1,68: „Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk. Das griechische επεσκέψατο (epeskepsato), das häufig mit „besuchen übersetzt wird, findet sich ebenfalls in Lk 7,16.2 Dort geht es um die Auferweckung des Jünglings zu Nain.3 Beide Verse klingen recht ähnlich, beziehen sich auf befreiende, lebensstiftende Erfahrungen und sind erfüllt von dankbarem Lob gegenüber Gott. Der jeweilige Kontext macht klar, dass Gott hier die Menschen durch Jesus besucht.
Lebendige Zukunftshoffnung
Für Jugendliche ist der Blick auf eine hoffnungsvolle Zukunft mitunter verstellt. Eine Auseinandersetzung mit der Erfahrung, dass Gott Menschen in solchen Situationen aufsucht, kann helfen, neue Lebensperspektiven zu entfalten.
Dazu passt die Geschichte in Lk 1: Zacharias und Elisabeth werden als alt und unfruchtbar beschrieben. Ohne Kind setzt sich für sie das Leben nicht fort. Darin gleichen sie Abraham und Sarah im AT. Beiden Paaren verspricht Gott in hohem Alter einen Sohn. So bekommen die einen Isaak, die anderen Johannes. Mit diesen Kindern sagt Gott jeweils dem ganzen Volk eine verheißungsvolle Zukunft zu. Die Versprechen Gottes an Abraham erwähnt Zacharias in Lk 1,71-75. Zu seinem eigenen Sohn prophezeit er in Lk 1,76f.: „Und du, Kindlein, wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest. Demnach werden Menschen erkennen, was für sie heilsam ist, und werden das los, was sie belastet.4 Der Auftrag des Täufers, dem Herrn den Weg zu bereiten, zeigt sich besonders in Lk 3,22. Dort wird Jesus bei seiner Taufe von einer Stimme aus dem Himmel mit „lieber Sohn bezeichnet. Dieser Sohn aber bringt durch seine Auferstehung (vgl. Lk 24) in einzigartiger Weise neue Lebenshoffnung.
Gerade die, die da „sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, sehnen sich danach, dass das Dunkle weicht und neues Leben durchbricht. Lk 1,78f. verspricht hierzu, dass „uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe. Solche Sprachbilder können neuen Lebensmut wecken. Zur Texterschließung aber brauchen einige Jugendliche sicherlich kleinschrittige Hilfen. Dabei sollten Lehrkräfte im begleitenden, theologisierenden Gespräch flexibel auf geschenkte Lichtblicke achten, damit die alten Verheißungen für die Lernenden lebendig und bedeutsam werden.
Gottes Gemeinschaftsbund
Die besondere Zuwendung Gottes durch Jesus erhellt sich weiter durch den Kontext des Bundes Gottes mit seinem Volk.5 Dieser wird Abraham in 1. Mose 17 versprochen. Dabei geht es nach V. 7 darum, „dass ich dein und deiner Nachkommen Gott bin. Diese Selbstbindung Gottes an sein Volk Israel klärt,...

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Fakten zum Artikel
aus: Entwurf Nr. 1 / 2020

Gott

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 8-9
  • Thema: Bibel, Gott
  • Autor/in: Annegret Südland