Ethisches Lernen

Ethisches Lernen

Entwurf | Ausgabe Nr. 4/2016

Schülerinnen und Schüler sind heute mit einer Vielzahl von „ethischen Entscheidungen“ konfrontiert. Ethisches Handeln und Entscheiden hängen aber von „ethischem Lernen“ ab. Was sind die Werte, nach denen wir handeln, welche Rolle spielt das Gewissen, wie soll man sich in der Vielzahl der „Sinnangebote“ in unserer Welt zurechtkommen und eigene Wege finden? Wie also kann im Klassenzimmer „ethisch gelernt“ werden und was kann der Religionsunterricht dazu beitragen? 

Inhaltsverzeichnis
Biblisch-theologische Grundlegung des ethischen Lernens anhand des Deuteronomiums „Erzähle, Israel!“
Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13

Religionsunterricht kann, will und wird nicht ohne Ethik auskommen. Sie lässt sich thematisch nicht ausblenden, es sei denn, man wollte den Religionsunterricht um seine Handlungsdimension berauben. In der Sekundarstufe I liegt der Akzent zumeist auf einer biblisch grundgelegten, theologischen Ethik. Wie die Bibel selbst zum ethischen Lernen anregt, zeigt Marco Hofheinz exemplarisch am Deuteronomium.

Beherrscht die Ökonomie alle Lebensbereiche? Ökonomisierung als Problem für das gute Leben
Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13

Die These, dass eine zunehmende Ökonomisierung der Gesellschaft es den individuellen Gesellschaftsmitgliedern schwer oder sogar unmöglich macht, ein gutes Leben zu führen, wird nicht nur in öffentlichen Debatten häufig vertreten, sondern ist auch als wissenschaftliche Position schon recht alt. Was ist dran an dieser These? Warum sollte es so sein, dass diese Ökonomisierung es den Menschen schwer macht, ein gutes Leben zu führen, wie der hier gewählte Titel suggeriert? Christian Neuhäuser diskutiert beide Fragen.

Kritische Urteilsfähigkeit als Bedingung ethischer Kompetenz Ethisches Lernen im Religionsunterricht
Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13

„Ethisches Lernen im Religionsunterricht – ist dafür nicht ein verbindlicher Ethikunterricht viel geeigneter? Ist ein Religionsunterricht, in dem es um Ethik geht, eventuell sogar überflüssig?“ So in etwa lauten kritische Anfragen an den konfessionellen Religionsunterricht in Deutschland. Der religionspädagogische Diskurs zeigt sich im Blick auf die Beantwortung dieser Fragen äußerst facettenreich. 

Empathiefähigkeit einüben, Konflikte gemeinsam bearbeiten Was soll bei uns gelten?
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 1-4

Wer kennt diese Situationen nicht? Während und nach den Pausen kommen Kinder zu uns als Lehrkräften und benennen Übergriffe durch andere Kinder, Regelverstöße gegen die Schulordnung und Gemeinheiten untereinander. Um die Situation ganz schnell aufzuklären, finden dann aufgeregte Zuschreibungen statt, die die Sache aber meistens verkomplizieren als dass sie tatsächlich zur Klärung und zur Lösung der Konflikte beitragen: „Der hat … gemacht! Die hat angefangen!“ Die Unterrichtseinheit will helfen, Empathiefähigkeit einzuüben und Konflikte gemeinsam zu bearbeiten. 

Den „Wert eines Menschen“ mit Schülern bestimmen Was bin ich wert?
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 8-10

Warum wird das Leben eines toten Feuerwehrmanns über Millionen mal geringer bewertet als das eines getöteten Börsenmaklers? Warum erhalten die Angehörigen eines deutschen Flugzeugopfers weniger Entschädigung als die eines amerikanischen? Lohnt es sich, bei einem älteren Menschen noch ein neues Hüftgelenk einzusetzen? Warum rentiert sich der Sklavenhandel heutzutage mehr als der Drogenhandel? Hinter all diesen Fragen steht die Frage, ob sich der Wert menschlichen Lebens berechnen und in Geld aufwiegen lässt. 

Oder: Hilft Gott bei wichtigen Entscheidungen meines Lebens? Die Stimme hören
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 8-10

Es ist eine der großen Aufgaben des Religionsunterrichts, die Relevanz des Gottesglaubens für das Leben zu reflektieren. Für Kinder und Jugendliche ist es von existentieller Bedeutung, ob Gott auch in Entscheidungssituationen hilft oder nicht. Das Kernanliegen dieses Unterrichtsvorschlags ist es deshalb, mit Schülerinnen und Schülern der Frage nachzuspüren, ob Gott in solchen Situationen zu den Menschen spricht und ob seine Stimme vernehmbar ist.

Freiheit und Verantwortung „Das muss jeder für sich selbst entscheiden“
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 8-8

Viele Schülerinnen und Schüler verstehen Freiheit als eine Art Normalzustand, über den nicht weiter nachgedacht werden muss. Sie nehmen für sich das Recht auf eine freie Lebensgestaltung in Anspruch und glauben, Entscheidungen frei und unbehelligt treffen zu dürfen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Dennoch lohnt es sich nachzufragen, was sie eigentlich unter Freiheit verstehen und vor allem, ob und inwieweit sie mit ihrer Entscheidungsfreiheit reflektiert und verantwortlich umgehen. Die hier vorgestellten Unterrichtsideen wollen zum Nachdenken über Freiheit bzw. Entscheidungsfreiheit anregen und zur Erarbeitung tragfähiger Begründungen motivieren.

Vom Zusammenspiel der alten Gegensätze der Gesinnungs- und Verantwortungsethik Gesinnungslose Verantwortung oder verantwortungslose Gesinnung?
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 11-13

1919 formulierte Max Weber die bekannte Unterscheidung von Gesinnungs- und Verantwortungsethik. Lässt sich christliche Ethik einer dieser Pole zuordnen? Und wenn ja: Um welche Form christlicher Ethik handelt es sich dabei? Ausgehend von Webers Unterscheidung lernen die Schülerinnen und Schüler gängige philosophische wie theologische Begründungsformen ethischen Handelns kennen, reflektieren diese in einer evangelischen Perspektive und wenden sie an Beispielen an.

Ein neues Forschungsprojekt Professionalisierung des Religionslehrerberufs
Friedrich+ Kennzeichnung Methode & Didaktik Schuljahr 1-13

Die Frage nach der professionellen Qualität von Unterricht, einschließlich des Religionsunterrichts, und in Folge dessen auch nach der Professionalisierung von (Religions-)Lehrkräften findet derzeit starke Beachtung. Professionalität gilt als Schlüsselvoraussetzung von Unterrichtsqualität. Die Aufmerksamkeit richtet sich dabei in der Regel aber allein auf die individuelle Seite von Professionalisierung, im Sinne des Prozesses, in dem einzelne Personen in Studium, zweiter Ausbildungsphase oder in der Fort- und Weiterbildung die erforderlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten erwerben. Weniger Beachtung erhält hingegen die kollektive oder institutionelle Seite von Professionalisierung. Professionalisierung in diesem Sinne betrifft den historisch-institutionellen Prozess, in dem der Lehrerberuf seine spezifische professionelle Gestalt erst gewonnen hat.