Karin Hank

„Wieso haben Bibeln so viele Geschichten?“

Bibeln für die Grundschule
Bibeln für die Grundschule

Karin Hank

Mit Grundschulkindern auf Entdeckungstour

„Wir suchen mit den Augen, entdecken mit den Händen und fühlen mit dem Herzen, was die Bibel uns erzählt …“ schallt das Lieblingslied der Klasse 4a durch den Klassenraum. Im Stuhlkreis liegt eine Auswahl an Kinderbibeln alle greifen zu und blättern in den Bibeln herum Stopp! In Klasse 3/4 das Thema „Bibel? Das war doch bisher ein Thema für die Sekundarstufe? Was steckt dahinter?

„Immer an der spannendsten Stelle hören Sie auf zu erzählen! Wie oft habe ich das schon von meinen Schülerinnen und Schülern gehört. Kinder mögen (biblische) Geschichten: Sie hören sie gerne und konstruieren auch eigene Geschichten. Die Bibel ist für sie ein altes, spannendes Geschichtenbuch aus einer fernen Kultur1. Durch die Neugier der Kinder ist eine erste Begegnung mit und Entdeckungstour durch die Bibel optimal denkbar.
Da der Religionsunterricht in der Grundschule narrativ geprägt ist, werden Inhalte erzählend präsentiert, Sachwissen wird häufig in Geschichten „verpackt.
„Ist das wahr?
Im Hinblick auf die Frage nach der/n Wahrheit/en spricht Horst Klaus Berg im Umgang mit der Bibel von einem „unreflektiert-normativen Gebrauch2, d.h. die Bibel wird als Autorität dargestellt und wenig Möglichkeit gegeben, dass die Schülerinnen und Schüler sich kritisch damit auseinandersetzen. Dies erfolgt oftmals unbewusst und daher unreflektiert.3
Dieser unreflektiert-normative Gebrauch der Bibel zeigt sich z.B. darin, dass eine biblischen Erzählung wie ein Tatsachenbericht dargestellt wird. Hanna Roose stellt dazu im Jahrbuch für Kindertheologie 2013 eine Unterrichtsstunde vor, in der die Grundschullehrkraft auf die Frage von mehreren Kindern, ob diese Geschichte (von Mose und dem Aufseher) „in echt so passiert ist, geantwortet hat: „Das war in echt so.4 Ein Wahrheitsversprechen, das langfristig bei Kindern, die die historische Glaubwürdigkeit anzweifeln, zu einem Glaubensverlust führen kann. Geschichten müssen mitwachsen: Rainer Oberthür rät den Lesenden seiner Kinderbibel nicht zu klein von sich zu denken, denn „ du wirst mit diesem Buch wachsen und groß werden!5
„Es wird erzählt …“
Martina Steinkühler verweist darauf, dass biblische Erzählungen Lebensgeschichten6 sind, Hanna Roose spricht von einem „lebendigen Zeugnis, das in eine bestimmte Weltsicht hineingegeben wurde und gleichzeitig auch für uns eine aktuelle Relevanz haben kann7. Stellen Sie Ihren Kindern auf die Frage „Ist das wirklich so passiert? eine Gegenfrage: „Warum wird das so erzählt?! Daraus ergibt sich eine sehr interessante Diskussion unter den Schülerinnen und Schülern und eine „andere Wahrheit kommt zum Vorschein. Martina Steinkühler empfiehlt explizit auf die Narrativität der Texte aufmerksam zu machen. Das kann mit Sätzen, sog. „Abstandshaltern wie „Es wird erzählt oder „So habe ich es gehört gelingen.8 Die Kinderlesebibel9 verwendet dafür z.B. die Formulierung „Lukas erzählt. Rainer Oberthür erklärt in seinen Verstehenshilfen zu den biblischen Erzählungen in Bezug auf die Rettung am Schilfmeer: „Die verschiedenen Fassungen der Geschichte, die es schon damals gab, machen deutlich  …“10.
„Steht in jeder Bibel die Weihnachtsgeschichte?11
Es geht im Religionsunterricht um einen Prozess, im Sinne einer konstruktivistischen Didaktik darum, Kindern zu ermöglichen ihre eigenen Gedanken und Fragen zu artikulieren und ihre Meinungsbildung voranzubringen. Dabei steht das Aufgreifen von ihren Fragen und die Diskussion darüber im Mittelpunkt, nicht die Vermittlung einer abschließenden Antwort. In gemeinsamen Gesprächen kommen individuelle Überzeugungen zum Tragen und werden unterschiedliche Antwortversuche diskutiert.
Durch das Erzählen von Geschichten erschließt sich das Weltbild der Schülerinnen und Schülern. Dabei erinnert das freie Erzählen an die ursprünglich mündliche Überlieferung der biblischen Geschichten. Durch Spannung und Anschaulichkeit...
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Fakten zum Artikel
aus: Entwurf Nr. 2 / 2020

Bibel

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "entwurf" Hintergrund Schuljahr 3-4