Michael Landgraf

„Wie die Ernte eines Feigenbaums“

Bibeldidaktik als Brücke zwischen Lebenswelt und Bibel
Bibeldidaktik als Brücke zwischen Lebenswelt und Bibel, © Foto: Michael Landgraf

Michael Landgraf

Zur biblischen Didaktik und Methodik

Die Bibel ist Basis des Christentums und damit das wichtigste Buch auch für den Religionsunterricht. Da ihre Texte für eine andere Zeit verfasst wurden, entsteht ein Vermittlungsproblem: Wie relevant sind die biblischen Texte für uns heute? Die Frage, wie man biblische Texte vermittelt, führte seit der Reformationszeit zu einer Vielfalt von bibeldidaktischen Entwürfen. Welche Richtungen sind aktuell erkennbar? Wie kann eine Verbindung zwischen der Lebenswelt heute und der Welt der Bibel hergestellt werden? Welche Wege gibt es, die Bibel nachhaltig und kreativ vielfältig zu vermitteln?

„Fürwahr kann man dem gemeinen Mann die Worte und Werke Gottes nicht zu viel oder zu oft vorhalten, wenn man gleich davon singet und saget, klinget und predigt, schreibt und liest, malet und zeichnet.1 Martin Luthers Worte zeigen, dass bereits lange schon die Notwendigkeit methodisch vielfältiger Zugänge zu und Vertiefungsmöglichkeiten von Bibeltexten gesehen wurde. Ein bibeldidaktisches Anliegen stand auch hinter seiner Forderung von Schulgründungen, die 1520 an den Adel und 1524 an die Ratsherren ging, denn „vornehmste und gemeinste Aufgabe der Schulen sei es, die Heilige Schrift zu vermitteln. Und wenn Luther beim Übersetzen der Bibel Männern, Frauen und Kindern „aufs Maul schaute, dann war auch dies ein bibeldidaktischer Vorgang und ein Vorbild für nachfolgende Übertragungen.2
Zwischen Norm und Relevanzlosigkeit
Aktuellen bibeldidaktischen Entwürfen spürt man ab, dass sie vor einer weiteren Aufgabe stehen, nämlich der Klärung der Relevanzfrage. Bibeldidaktik muss heute mehr denn je vermitteln. Einerseits ist dogmatisch der Anspruch erkennbar, die Bibel sei normierende Basis des christlichen Glaubens. Andererseits ist ein Relevanzproblem spürbar, wenn die zunehmende Unkenntnis biblischer Überlieferung, ein Desinteresse oder gar Vorurteile der Bibel gegenüber eine Auseinandersetzung mit ihr schwierig machen.3 Daher soll zur Bibel „motiviert werden (Gerd Theißen)4, damit Menschen darin „Lebensgeschichten (Martina Steinkühler)5 und Wege der „Lebensdeutung (Mirjam Schambeck), am besten „dialogisch (Christian Dern), entdecken6. Es gilt, „schwierige Bibeltexte (Michael Fricke)7 verstehbar zu machen, „Schlüssel zur Bibel (Peter Müller)8 und „Wege der selbstständigen Auslegung (Horst Klaus Berg)9 an die Hand zu geben und sie methodisch differenziert „kreativ erkunden (Michael Landgraf)10 zu lassen. Dabei sei die Bibel immer schon ein „Buch des Lernens (Ingo Baldermann)11 oder sogar ein „didaktisches Buch, eine „Lehrmeisterin und „Lebensbegleiterin, die in Kulturen und in Biographien Spuren hinterlassen habe (Mirjam und Ruben Zimmermann).12 Schließlich wird die kulturgeschichtliche, religionsphänomenologische und existentiale Bedeutung der Bibel in den meisten bibeldidaktischen Entwürfen hervorgehoben.13
Zwischen Welt der Bibel und der Lernenden
Die Aufgabe der Bibeldidaktik wird heute gerne mit einem Weg oder einer Brücke umschrieben, bei der die Lernenden auf der einen und die Bibel auf der anderen Seite dargestellt werden. Wie diese Brücke oder der Weg aussieht, ist abhängig von den beiden Enden, doch gibt es nicht (a.) den Bibellernenden und auch (b.) „die Bibel gibt es nicht an und für sich.14
a. „Was bringt mir die Bibel? Die Lernenden
Lernende werden heute immer differenzierter wahrgenommen. Wer im Zuge der Kompetenzorientierung formulieren will, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten sie am Ende im Blick auf die Bibel haben, der muss persönliche Lernvoraussetzungen und Milieus mit unterschiedlicher Bibelkenntnis und vielfältigen Einstellungen zur Bibel in die Überlegungen einbeziehen. Die Relevanzfrage stellt sich dabei recht unterschiedlich. Auf die Frage, wo kommt die Bibel in meinem Alltag vor, kann in der Primarstufe nach der Herkunft von Vornamen, von Jahresfesten und Redewendungen gesucht werden. In der Sekundarstufe...
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Fakten zum Artikel
aus: Entwurf Nr. 2 / 2020

Bibel

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "entwurf" Schuljahr 1-13