Dominik Wolff

Wer und was ist eigentlich schön?

Schönheitswettbewerb für Vorschulkinder in den USA – wer bestimmt, was schön ist?
Schönheitswettbewerb für Vorschulkinder in den USA – wer bestimmt, was schön ist?, Foto: © imago images/Everett Collection

Dominik Wolff

Eine biblische Spurensuche

Thematischer Schwerpunkt
Schönheit ist überall zu finden auch in der Bibel. Allerdings liegt Schönheit auch immer im Auge des Betrachters und ist historisch und gesellschaftlich geprägt, weshalb sich naturgemäß die biblischen Schönheitsvorstellungen von den unsrigen unterscheiden.
Moderne Schönheitsvorstellungen werden vor allem durch die Medien gespeist, sei es durch die Werbung, sei es durch soziale Medien, die die Notwendigkeit körperlicher Perfektion suggerieren. Für Erfolg im Leben, in der Arbeit, in der Gesellschaft gilt es, „schön zu sein. Ansehen wird wortwörtlich verstanden und mit äußerlicher „Schönheit kurzgeschlossen.
Insofern erscheint es lohnend, die modernen Schönheitsvorstellungen mit den biblischen zu vergleichen. Dabei sind die biblischen Vorstellungen selbst allerdings nicht einheitlich. Gerade das Neue Testament findet gegenüber dem Alten Testament zu einem eigenen Schwerpunkt. Wo das Alte Testament Schönheit vor allem mit Männlichkeit und Macht verbindet (und weibliche Schönheit nur als entweder machtlos gefährdet oder moralisch gefährdend versteht), kann das Neue Testament letztendlich aufgrund des Kreuzesgeschehens der Schönheit als solcher keinen besonderen Wert mehr zumessen.
In der Altersstufe der 5. und 6. Klasse, wo das eigene Aussehen nach meinen Beobachtungen in der Regel noch keine wesentliche Rolle spielt, lässt sich daher relativ unbelastet an das Thema „Schönheit herangehen und eigene Positionen lassen sich relativ unvoreingenommen bedenken.
Lernsituation
Kinder in der 5. bzw. 6. Klasse nehmen tagtäglich unbewusst viele Impulse zur Schönheit auf: Ältere Geschwister oder Schülerinnen und Schüler höherer Klassen stylen sich, die Eltern machen sich für den Beruf oder besondere Feiern „schick, auf TikTok werden anspruchsvolle Tänze mit hohem Perfektionsgrad vorgeführt, Fußballprofis zeigen sich mit neuen Frisuren, speziellen Trikots und coolen Torjubel-Gesten. Umgekehrt sind die Kinder selbst (eben als Kinder) noch nicht so weit, dies alles zu übernehmen geschweige denn bewusst zu reflektieren.
Als ich in den Klassen an meiner Schule eine anonyme Umfrage zum Thema „Schönheit veranstaltete, fand ich es bemerkenswert, dass nur ein Bruchteil des Doppeljahrgangs 5/6 angab, (außer der Haarpflege) etwas Besonderes für die eigene Schönheit zu unternehmen. Gefragt, wen bzw. was sie „schön finden, gaben die meisten an: „meine Familie. Dem folgte, abgeschlagen, die Angabe von Altersgenossen desselben Geschlechts. Vertreter des jeweils anderen Geschlechts wurden fast gar nicht (und dann höchst verlegen) genannt.
Ausgehend von diesem (obgleich nicht repräsentativen) Befund erscheint der Versuch angebracht, unsere gesellschaftlich geprägten Vorstellungen von Schönheit zu reflektieren und zu verbalisieren. Die relative Unbekümmertheit der Kinder in dieser Altersstufe hinsichtlich des eigenen und fremden Äußeren ist dabei eine Chance.
Gleichermaßen sind das allgemeine Interesse und die Offenheit für biblische Geschichten in diesem Alter eine Möglichkeit, über das Thema „Schönheit ins Gespräch zu kommen und die Bibel in dieses Gespräch einzubeziehen.
Lernimpuls
Diese Einheit setzt anhand eines Bildes eines Schönheitswettbewerbs für Vorschulkinder mit der Frage ein, was eigentlich „schön ist. Da, wie beobachtet, im Doppeljahrgang 5/6 ein ausgeprägtes Bewusstsein für das eigene Äußere erst noch im Werden ist, erscheint das Einnehmen einer Perspektive von Älteren angebracht. Wie können noch viel jüngere Kinder, die die Formen und Rollen von Erwachsenen-Schönheit übernehmen (müssen), als schön angesehen werden? Wer definiert dann, was „schön ist?
Lernarrangement
1. Unterrichtsschritt
Was ist eigentlich schön? (M1 )
Die Einheit beginnt mit dem Betrachten eines Bildes eines US-amerikanischen Schönheitswettbewerbs für Vorschulkinder (Aufgabe 1). Im Unterrichtsgespräch sollte deutlich werden, dass es vor allem die...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 40 / 2020

Schön und gut?

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht Schuljahr 5-6