Andreas Reinert

Von David bis zum dritten Tempel?

Der Tempel in Jerusalem (Modell). Sog. „Herodianischer Tempel“ = der zweite, erweiterte Tempel in Jerusalem. Modell im Israel-Museum, Jerusalem
Der Tempel in Jerusalem (Modell). Sog. „Herodianischer Tempel“ = der zweite, erweiterte Tempel in Jerusalem. Modell im Israel-Museum, Jerusalem, Foto: Autor

Andreas Reinert

Die Geschichte Israels anhand der Tempel Jerusalems und wichtiger historischer Einschnitte

Schülerinnen und Schülern fehlt oft ein Verständnis für die größeren Zusammenhänge der Geschichte Israels. Die vorliegende Erzählidee spannt einen Bogen vom ersten, unter Salomon erbauten Tempel, über das Babylonische Exil, dem Wiederaufbau des Tempels nach dem Exil und der wechselvollen Geschichte Israels bis hin zur Neugründung des Staates Israel nach dem Zweiten Weltkrieg sowie den gefährlichen Bestrebungen einiger ultraorthodoxer Juden und evangelikaler Christen, auf dem Tempelberg einen dritten Tempel erbauen zu wollen.

Theologische Entscheidung: Warum erzähle ich, was ich erzähle?
Schon seit vielen Jahren wird von Religionslehrerinnen und -lehrern, aber auch von Kolleginnen und Kollegen anderer Fächer beklagt, dass den Schülerinnen und Schülern häufig ein „größerer historischer Zusammenhang fehlt. Islam und Reformation, Konstantinische Wende und Jesus, Luther und Mose, das war in der Vorstellung unserer SuS irgendwie alles etwa zur gleichen Zeit. „Äh, da steht halt alles drin, so von Mohammeds Geburt bis zu Luthers Kreuzigung1 lässt Tiki Küstenmacher in einer Karikatur einen auf den Inhalt der Bibel angesprochenen Schüler sagen, und ist damit nicht wirklich weit weg von der Realität. Biblisches Grundwissen ist im real existierenden Religionsunterricht Mangelware, die Bibel gehört nicht zu den Lieblingsthemen unserer Schülerinnen und Schüler. Deren Erfahrungsverlust im Umgang mit der Bibel korrespondiert häufig einem Relevanzverlust und, damit einhergehend, einem Interessensverlust am „Buch der Bücher2. Nach Jahrzehnten der Bibeldidaktik und Bibelhermeneutik, nach realkundlichem, rezeptionsgeschichtlichem und gestaltpädagogischem Bibelunterricht kann man die Experimente weitgehend für gescheitert erklären: Lehrerinnen und Lehrer sind der Bibel in der Schule mit einer großen Vielfalt an Erschließungs- und Auslegungsmodellen zu Leibe gerückt, haben den Einsatz von Bibellese-Tagebüchern und Bibel-Portfolios angeregt, den Einsatz von audiovisuellen Medien zur Bibel professionalisiert, mit bibliotherapeutischer, bibliodramatischer, bibliologischer Methodik den Weg gesucht letztlich ist das Interesse und das Wissen für und um die Bibel bei den Schülerinnen und Schülern bescheiden geblieben und hat sogar stetig abgenommen. 3 Den meisten Jugendlichen heute fehlt ein fundiertes biblisches Wissen. Punkt.
Nun hat die Klage über das bescheidene Wissen in Sachen Bibel noch nie wirklich geholfen, und trotz aller Bemühungen, den Inhalt auf neue Weise zu vermitteln4, machen wir in den weiterführenden Schulen immer wieder die Erfahrung, dass gerade die in der Grundschule erzählten Geschichten über Mose, Josef, David und Jesus eine viel nachhaltigere Erinnerung in den Köpfen unserer Schülerinnen und Schülern abruft als jeder „Sachunterricht zu Inhalten der Bibel. Wenn aber das Erzählen offenbar nachhaltiger wirkt als jeder Fachunterricht, dann sollten wir uns wieder häufiger trauen, zu erzählen. Deshalb hier ein neuer Versuch.
Didaktische Entscheidung: Wie und mit welchem Ziel erzähle ich?
Die Geschichte Israels im Alten Testament und das Geschick des Judentums bis in unsere Zeit werden von unseren Jugendlichen gedanklich häufig nicht verknüpft. Früher habe ich dazu lange Listen mit Daten und Ereignissen ausgeteilt, wie sie in einigen, das „Sachwissen Religion sammelnden Veröffentlichungen, angeboten werden.5 Die Überfülle an Informationen blieb bei meinen SuS jedoch nicht hängen, auch dann nicht, wenn ich besondere Ereignisse hervorhob und anstreichen ließ. Nach wenigen Tagen war alles vergessen. Deshalb erzähle ich heute die Geschichte Israels. Didaktisch „hänge ich die Geschichte Israels an den „Tempel in Jerusalem, er dient mir quasi als „Merkinsel (als „Eselsbrücke) für meine SuS, als Fokus (lat. „Herd), um den herum die Einzel-Geschichten (die 10 Abschnitte in der Geschichte...

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Fakten zum Artikel
aus: Entwurf Nr. 3 / 2017

Bibel erzählen

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 10-13
  • Thema: Bibel, Gott
  • Autor/in: Andreas Reinert