Mirjam Zimmermann

Kain und Abel (Gen 4,2-16)

Ausschnitt: Kain nach dem Mord an seinem Bruder Abel, Skulptur von Henri Vidal, 1896, Jardin des Tuileries, Paris
Ausschnitt: Kain nach dem Mord an seinem Bruder Abel, Skulptur von Henri Vidal, 1896, Jardin des Tuileries, Paris , Foto: © benoît strappazan/stock.adobe.com

Mirjam Zimmermann

Urmuster zwischenmenschlicher Konflikte in Kinderbibeln entdecken

Thematischer Schwerpunkt
„Kaum ein biblisches Motiv wurde in der Rezeptionsgeschichte so oft behandelt wie der Brudermord in Gen 41, während die kirchliche Theologie sich eher mit dem Sündenfall in Gen 3 beschäftigte und dem Brudermord weniger Beachtung schenkte. Dabei setzt die Brudermorderzählung eigentlich Gen 3 fort, denn auch sie erzählt von Versuchung und Sündenfall, allerdings der zweiten Generation. Auch hier finden sich eine Versuchung, ein Verhör, eine Leugnung der Schuld und eine Vertreibung des Täters. In der Erzählung selbst wird nichts darüber ausgesagt, dass der Beruf des Kain als Ackerbauer weniger wert ist als der des Abel (Viehzüchter). Auch wird im Gegensatz zur Darstellung in der Kinderbibel von Ursel Scheffler nicht gesagt, dass Kain schlechtere Gaben opfert oder Gott weniger gut gesinnt ist. Gesagt wird nur, dass beide bei ihrem Versuch, sich durch das Opfer Gottes Wohlwollen zu sichern, Konkurrenten werden. Der Konflikt entsteht durch die im Text geschilderte Reaktion JHWHs, vielleicht interpretiert aus dem Erfolg der Arbeit. „Wenn der Mensch glaubt, dass Gott das Gedeihen schenkt wie es die Bibel voraussetzt , dann ist Jahwes Zuwendung oder Abwendung rätselhaft.2 An diesem theologischen Problem setzen auch die Interpretationen in den Kinderbibeln an und bieten sehr unterschiedliche Lösungen. Scheffler initiiert den Tat-Folge-Zusammenhang, indem Kain faulige Früchte opfert. Oberthür lässt die Frage bewusst offen und thematisiert das Problem. Steinkühler weist Adam und Eva, also den Eltern, Verantwortung zu und unterlegt der Geschichte ihre Moral: „Um die Liebe kann man nicht kämpfen. Denn wenn man gewinnt, hat man die Liebe verloren. Klöpper/Schiffner legen den Ton auf die gefühlte Ungerechtigkeit Kains, die jedoch nicht das Recht gibt, „anderen etwas anzutun dann wirst du dich selbst verlieren!.
Grundsätzlich lehrt die Geschichte die eigentlich kaum erklärliche Botschaft, dass kein Mensch Gottes Gunst einklagen oder erzwingen kann und dass der Versuch fatale Folgen hat.
Lernsituation
(Abb. 3 ) Der Lernsituation kann man sich einerseits von der Frage nach dem Medium Kinderbibel, andererseits entlang des Problems von Geschwisterrivalität nähern. Die Bibelstudie von Gennerich/Zimmermann „Bibelwissen und Bibelverständnis bei Jugendlichen hat gezeigt, dass 49% der Jugendlichen noch eine und 16% mehrere Kinderbibeln besitzen. 5% sagen, dass ihnen Eltern oder Großeltern täglich daraus vorgelesen bzw. Geschichten frei erzählt haben, 19% zumindest einmal die Woche, 9% einmal im Monat, 44% selten, 22% nie. Kinderbibeln sind also als Medien in Deutschland durchaus verfügbar und fast stärker präsent als „richtige Bibeln. Einen kritischen Umgang mit diesem Medium zu fördern, der exemplarisch auch für hermeneutische Kompetenz bei Bibelausgaben steht, ist deshalb sinnvoll.
Hartmut Karsten schreibt zur Aktualität der Geschwisterrivalität: „Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass Rivalität (und damit verbundene negative Gefühle wie Eifersucht, Neid, Ablehnung, Aggression) zum Geschwisteralltag dazugehört, so wie Geschwisterliebe, -solidarität und -vertrauen. Viele Geschwisterforscher sind sogar der Meinung, dass das gleichzeitige Vorhandensein von positiven und negativen Gefühlen ein ganz wesentliches, universelles Merkmal aller Geschwisterbeziehungen ist.3 Insofern kann die Erzählung von Kain und Abel auch hier bei den Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler ansetzen. Gleichsam ist das Erleben von (unverdientem) Gelingen und Scheitern den Kindern und Jugendlichen vertraut und deren Bewältigungsstrategie gehört zu den Entwicklungsaufgaben dieser Altersphase.
Anforderungssituation/Lernimpuls
Die Frage nach der Textgrundlage der Erzählung von Kain und Abel für den Kindergottesdienst kann durchaus als Anforderungssituation dienen. Für Klassen, bei denen kaum Kindern der...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 34 / 2019

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