Horst Heller

Gute biblische Erzählvorlagen

Horst Heller

Woran erkennt man sie?

Häufig sind Unterrichtsbausteinen in Veröffentlichungen keine Erzählvorlagen beigefügt. Die Autoren empfehlen stattdesen Erzählvorlagen, z.B. aus Kinderbibeln zu verwenden oder eigene Erzählungen zu verfassen. Woran aber erkennt man eine gute Bibelerzählung? Eine unvollständige Kriteriensammlung:

  • Eine gute Bibelerzählung verwendet eine einfache Syntax, die sich an mündlicher Sprache ausrichtet. Hauptsätze und Nomen überwiegen. Nebensätze und Adjektive werden selten genutzt.
  • Eine gute Bibelerzählung veranschaulicht den biblischen Text nur dann, wenn die Erzählsituation ohne erklärende Anmerkungen unverständlich ist. So bedarf beispielsweise der Protest in Jericho („Bei einem Sünder ist er eingekehrt!, Lk 19,7) des Zusatzes: „Denn Zachäus war ein Betrüger.
  • Eine gute Bibelerzählung nutzt didaktische Impulse, die der Bibeltext selbst gibt. Die Evangelisten selbst sind gute Erzähler. So endet die Weihnachtsgeschichte nach Lukas mit dem Satz: „Maria aber dachte lange über die Worte der Hirten nach. (nach Lk 2,19) eine Steilvorlage für ein theologisches Gespräch mit Schülerinnen und Schülern über die Deutung der Botschaft der Engel an die Hirten.
  • Eine gute Bibelerzählung weckt Emotionen, ohne sie in den Mittelpunkt zu stellen. Der Satz „Und Petrus weinte bitterlich. (Mk 14,72) deutet nur an, was der Hahnenschrei in Petrus auslöst. Schülerinnen und Schülern aber fühlen mit dem Jünger und verbalisieren seine Scham. („Kopfkino).
  • Eine gute Bibelerzählung lässt Raum für Fantasie. Individuelle innere Bilder können entstehen. Ein Beispiel aus dem Erzählzyklus Abraham: „Lot dachte an die ganze Gegend am Jordan, und er sah, dass es dort Wasser gab, viel mehr Wasser als hier in der Wüste. (nach Gen 13,10). Die Gedanken wandern zu Palmen und fruchtbaren Oasen. Das Verführerische von Abrahams Angebot wird anschaulich.
  • Eine gute Bibelerzählung gibt keine Deutung vor, sondern regt zu eigenen Deutungen an. Ein Beispiel: Eine gute Erzählvorlage wird keine vorschnelle Antwort auf den verzweifelnden Ruf Jesu am Kreuz geben „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? (Mt 27,46)
  • Eine gute Bibelerzählung löst die Geheimnisse nicht auf, die in biblischen Geschichten enthalten sind: Die Ostergeschichten der Evangelien deuten das Geschehen in der Osternacht nur an, ausführlich hingegen erzählen sie von der Überraschung, vom Staunen, von der Angst und schließlich von der Freude, die die Begegnung mit dem Auferstandenen auslöste.
  • Eine gute Bibelerzählung arbeitet mit den Symbolen, die aus dem Bibeltext erschlossen werden können. Ein Beispiel aus dem Lukasevangelium: Kaum ein Mensch würde seinen Nachbarn in Not abweisen „Die Tür ist schon zugeschlossen, und meine Kinder und ich liegen schon im Bett. Mach mir keine Unruhe! Eine Erzählvorlage nimmt das Bild der Tür auf: „Wird Gott einem Menschen in Not nicht auch die Tür öffnen?
  • Eine gute Bibelerzählung ermöglicht Verknüpfungen. Ein Beispiel: „Jesus fragte Petrus zum dritten Mal: ‚Hast du mich lieb? Da wurde Petrus traurig. Es fiel ihm wieder ein. Vor wenigen Tagen hatte er einen großen Fehler gemacht. Nicht nur Petrus fällt die Geschichte der Verleugnung wieder ein. Auch die Schülerinnen und Schüler erinnern sich

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Fakten zum Artikel
aus: Entwurf Nr. 3 / 2017

Bibel erzählen

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 1-13
  • Thema: Bibel
  • Autor/in: Horst Heller