Florian Schmitz | Gabriel Hund-Göschel

Eine biblische Ganzschrift im Religionsunterricht

Markusevangelium in der Ottheinrich-Bibel (1430 - 1530)
Markusevangelium in der Ottheinrich-Bibel (1430 - 1530), © imago/epd

Florian Schmitz | Gabriel Hund-Göschel

Anregungen zur Erarbeitung

Wie kann eine Auseinandersetzung mit einer biblischen Schrift unter regulären schulischen Bedingungen gelingen? Die Anregungen aus unserer eigenen Unterrichtspraxis nutzen wiederum das Markusevangelium als Beispiel (Verweise auf Materialien beziehen sich auf den Beitrag „Das unvollkommene Original in dieser Ausgabe).
Mit der Sache in Kontakt kommen
Es erweist sich als lohnenswert, vor Beginn der Arbeit im Unterricht sich selbst als Lehrkraft in den Blick zu nehmen und den eigenen persönlichen Bezug zum Lerngegenstand zu klären; für „Jesus Christus im Markusevangelium hieße das: Was ist meine Geschichte mit diesem Evangelium? Wann bin ich zum ersten Mal damit in Berührung gekommen? Was kommt mir alles in den Sinn, wenn ich daran denke? Was ist für mich das Besondere an Jesus Christus? Wie steht es um mein eigenes Bild von Jesus Christus? Wo fühle ich selbst mich mit der Sache verbunden, was irritiert mich, was stößt mich ab? Was verstehe ich nicht?
Was sich in unserem Unterricht bewährt hat: Wir nehmen uns Zeit, das ganze Markusevangelium in einem Zug zu lesen, anschließend ein zweites Mal. Die oben genannten Fragen bearbeiten wir schriftlich, denken dabei weniger theologisch als biografisch. Aus unseren Notizen heraus extrahieren wir unsere ganz eigene Kernidee der Sache: Was ist für mich persönlich das Besondere, der Clou an „Jesus Christus im Markusevangelium?
Unsere Kernidee machen wir dann im Unterricht den Lernenden gegenüber transparent, sodass Schüler und Schülerinnen sich herausgefordert fühlen, ihrerseits in Kontakt mit dem Lerngegenstand zu treten und sich über die je eigenen Beobachtungen mit Anderen und auch mit uns Lehrkräften auszutauschen.
Objektiv-sachorientiertes oder subjektiv-personenorientiertes Arbeiten?
Es gibt keine Kompetenz ohne Wissen, und es gibt ebenso keine Kompetenz ohne Motivation. Wir legen darum im Unterricht Wert auf fundiertes (theologisches) Lernmaterial und ersparen unseren Schülerinnen und Schülern nicht die Erarbeitung von sachlichen Zusammenhängen. Wollen wir ihnen allerdings zugleich einen eigenen motivierten Zugang zum Lerngegenstand ermöglichen, dann bedarf es möglichst viel Raum für qualifiziert subjektive Begegnung mit dem Bibeltext .
Was sich in unserem Unterricht bewährt hat: Wir ermöglichen sowohl „objektive als auch „subjektive Beschäftigung mit dem Text. Wir kombinieren das Erlernen von Fachwissen und halboffene Aufgaben mit offenen, persönliche Eindrücke und Einschätzungen einfordernden Arbeitsaufträgen (M2/2). Im Zweifelsfall geben wir Letzteren den Vorzug.
Tatsächlich der ganze Text?!
Das wunderbare Potenzial der Lektüre einer biblischen Ganzschrift liegt in der Chance, (annäherungsweise) ein ganzes biblisches Buch zu lesen und dessen literarische Dynamik zu erfahren. Dafür ist es wichtig, die Beschäftigung mit dem ganzen Buch nicht durch eine Auswahl einiger vermeintlich bedeutsamer Perikopen engzuführen. Zugleich mag die Vorstellung an eine Ganzschrift uns Lehrkräfte auch beunruhigen. Schließlich enthält jedes biblische Buch Stellen, die uns nicht liegen oder uns an die Grenze unseres theologischen Wissens bringen.
Was sich in unserem Unterricht bewährt hat: Wir geben den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, im Unterricht den ganzen Text des biblischen Buches zu lesen. Wenn wir Perikopen oder Abschnitte auslassen bzw. deren Lektüre freistellen, dann versuchen wir bei der Auswahl, Störungen der narrativen Spannungsbögen zu vermeiden. Den Schülern und Schülerinnen gegenüber legen wir offen, welche Texte uns selbst besonders nahestehen und welche nicht („Kernidee).
Die Rolle der Lehrkraft
Nicht alle Schüler und Schülerinnen müssen im Unterricht dasselbe zur selben Zeit tun. Dementsprechend wird im Unterricht nicht jeder Schritt vorgegeben, sondern die Lehrkraft wird als Gesprächspartner in einem idealerweise gleichwertigen Dialog mit den...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 33 / 2019

Wer ist Jesus für mich?

Friedrich+ Kennzeichnung Methode & Didaktik Schuljahr 5-10
  • Thema: Bibel
  • Autor/in: Florian Schmitz / Gabriel Hund-Göschel