Horst Heller

Die Zehn Gebote

Horst Heller

Mit Imo Quero-Lehmann über den Dekalog nachdenken

Die Zehn Gebote sind ein historisches Dokument und zugleich biblische Grundlage einer gegenwärtigen christlichen Ethik. Der Weg zu einer persönlichen Aneignung ihrer Werte und Normen führt über die Übersetzung ihrer Anliegen in lebensnahe Kontexte. Der vorliegende Unterrichtsvorschlag arbeitet mit Bilden der Künstlerin Imo Quero-Lehmann, mit Hilfe derer Schülerinnen und Schüler eigene Geschichten erzählen.

Warum beschäftigen wir uns mit dem Dekalog im Unterricht?
Untersuchungen zeigen, dass Religionslehrpersonen bemüht sind, die Urteilsfähigkeit ihrer Schülerinnen und Schüler zu fördern. Diese Form ethischen Lernens, die sich mehr mit den Wegen ethischen Urteilsbildung als mit materialer Ethik beschäftigt, ist ohne Zweifel ein unverzichtbarer Auftrag (auch) des Religionsunterrichts. Andererseits wollen Unterrichtende auch werteerziehend wirken. Deshalb sind jüdisch-christliche Normen und Gebote, wie sie sich in beiden Testamenten finden, auch selbst Inhalt des Unterrichts. Aber moralische Bildung vollzieht sich nicht eindimensional als Werteübertragung. Deshalb lässt der Religionsunterricht letztlich offen, ob und auf welche Weise Schülerinnen und Schüler christlich-jüdische Normen übernehmen.
Für die Entwicklung eines eigenen Wertesystems der Schülerinnen und Schüler ist es andererseits wichtig, dass sie überhaupt normative Ansprüche kennenlernen. Hier kommen die Zehn Gebote ins Spiel. Ein historisierender Zugang, der den Dekalog als Gesetzessammlung eines antiken Volkes einführt, ist der falsche Zugang und nimmt den Schülerinnen und Schülern die Chance, sich von seinem Geltungsanspruch herausfordern zu lassen. Als Normensammlung des Christentums und der Kirche verlangen die Zehn Gebote aber für manche tröstlich, für andere provozierend auch gegenwärtig Achtung und Befolgung. Der Dekalog will universale und zeitlose Normen setzen.
Welchen Weg geht diese Unterrichtsreihe?
Die Bilder von Imo Quero-Lehmann (siehe Beilage bei diesem entwurf-Heft) erschließen sich auf den ersten Blick nicht. Aber sie erzählen Geschichten. Was hat der Protogonist auf dem Bild „Stiehl nicht! in seine Jackentasche gesteckt? Was reden Eltern und Sohn auf dem Bild „Ehre deinen Vater und deine Mutter miteinander? Diese Unterrichtsreihe schlägt vor, dass Schülerinnen und Schüler in Zweiergruppen einzelne der Szenen deuten. Ihre Ergebnisse tragen sie in eine Wortwolke ein, die sie mit Hilfe der Tools auf www.wortwolken.com gestalten und präsentieren.
Wer ist Imo Quero-Lehmann?
Imo Quero-Lehmann (*1942) hat jüdische und christliche Wurzeln und lebt in Baden-Baden. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren immer wieder mit alttestamentlichen Themen und setzt sie künstlerisch um. Ihr Hauptanliegen ist es, zum Frieden zwischen den Religionen beizutragen.
Der Bilderzyklus „Die Zehn Gebote
Die 10 Bilder sind kolorierte Zeichnungen, die die Gebote künstlerisch auslegen. Der Protagonist, ein junger Mann, begegnet uns auf allen Bildern in unterschiedlichen Kontexten. Seine Mimik und seine Körperhaltung sind zu beachten: Mal ist er im Begriff, gegen eines der Gebote zu verstoßen, manchmal scheint er das Gebot gerade erfüllen zu wollen. Jedes der Bilder deutet ein Geschehnis an, das von Schülerinnen und Schülern nacherzählt werden kann. Die Vielsprachigkeit der in jüdischer Zählweise angeordneten Gebote in deutscher, französischer, englischer und hebräischer Sprache steht für ihre universale Geltung. Die Signatur der Künstlerin besteht jeweils aus hebräischen und stilisierten lateinischen Buchstaben sowie der Jahreszahl (2019).
Notizen und Fragen zu den Zeichnungen
Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Der Schreibtisch des Mannes ist voller Hinweise? Sind Pizza, Fußball und Co „Konkurrenzprodukte, die an die Stelle Gottes treten?
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen. Die rechte Hand mit drei Fingern ist zum...
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aus: Entwurf Nr. 2 / 2020

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Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "entwurf" Schuljahr 7-8