Wir brauchen eine geklärte Vielfalt!

von Felix Winter

Rede zur 2. Portfoliotagung in Obermarchtal 30.4. - 2.5.2004

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser 2. Internationalen Portfoliotagung. Wenn man das so sagt, klingt es etwas großspurig, eigentlich könnten wir auch sagen 2. Portfoliotagung im deutschsprachigen Raum, denn wir kommen aus Österreich der Schweiz und Deutschland.

Nein, ein bisschen internationaler sind wir doch noch, denn Betty Garner aus den USA ist bei uns ? ich begrüße sie herzlich.

Ich will heute versuchen, den Stand der Portfolioentwicklung einzuschätzen und Aufgaben umreißen, die meines Erachtens vor uns liegen.

Zu Erkennen, wie weit die Portfolioarbeit im deutschen Sprachraum gediehen ist, ist gar nicht so einfach. In Deutschland ist dies nicht nur wegen seiner relativen Größe schwierig, sondern auch deshalb, weil es hier vor allem einzelne Menschen sind, bei denen der Gedanke angekommen ist und gezündet hat. Und diese Menschen leben weit verstreut und wissen oft nicht voneinander. Häufig war es das sehr bekannte Konzept des Sprachenportfolios, das sie zuerst mit dem Portfoliogedanken bekannt gemacht hat. Daneben finden sich aber viele Einzelinitiativen von Menschen, die aus den USA oder aus der wachsenden pädagogischen Literatur zu diesem Thema von der Sache erfahren haben und damit arbeiten wollen. Das belegen Spuren im Internet, das weiß ich bzw. wissen wir aber auch von Anfragen zu Vortrags- und Fortbildungsveranstaltungen, zu denen dann in der Regel auch viele Menschen kommen. Man kann sagen, das Interesse an der Portfolioarbeit ist groß und in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen.

Allerdings kann und muss man auch feststellen, dass die Portfolioarbeit an den Schulen in Deutschland selten über Einzelinitiativen von Lehrern hinausgeht. Sie arbeiten dann in der Regel mit Portfolios in Projektarbeitsphasen oder in bestimmten Unterrichtsepochen. Der Schritt zur längerfristigen Einführung der Portfoliomethode auf der Ebene einer Schulstufe oder einer ganzen Schule ist offenbar schwierig. Das liegt zum Teil daran, dass man in den zuständigen Kultus- und Schulaufsichtsbehörden weitgehend noch schläfrig, zögerlich oder auch einfach unwissend ist, was die Portfoliomethode angeht und noch keine entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen hat. (Ein bisschen weiter ist man im Land Brandenburg) Es gibt also bislang vor allem Initiativen von unten. Besonders stark und auch besser koordiniert sind diese bei den Waldorfschulen. Die Waldorfschulen haben ja eine eigene Ausbildung, die für alle Schüler auf 12 Jahre angelegt ist und sie suchen seit langem nach geeigneten Prüfungs- und Dokumentationsformen für ihre Ausbildung. Wegen der sich abzeichnenden allgemeinen Verkürzung der Schulzeit auf 12 Jahre sind sie besonders daran interessiert, dass ihre Absolventen Anerkennung auch für ihre spezifischen Lernleistungen und Fähigkeiten finden. Ihre Hoffnung ist es, dass dies mit dem Portfolio gelingen könnte ? sei es offiziell oder auch informell.

Etwas anders als in Deutschland ist es in Österreich, dort gibt es seit längerem etliche genehmigte Schulversuche, in deren Rahmen wichtige Erfahrungen mit der Portfolioarbeit und ihrer Institutionalisierung gesammelt werden konnten. Man oder besser gesagt "Frau" hat in Österreich echte Pionierarbeit geleistet- insbesondere Ilse Brunner und Elfriede Schmidinger. Allerdings habe ich aus Gesprächen mit österreichischen Kolleginnen herausgehört, dass nicht sicher ist, dass die Portfolioarbeit über solche einzelnen Schulversuche hinausgehend ausgebreitet und verankert werden kann. Zwar nennt der neue Entwurf zum Lehrplan der Oberstufe das Portfolio ausdrücklich als eine Form der Leistungsdokumentation, aber es ist derzeit noch nicht absehbar, wie weitgehend die neuen Freiräume genutzt werden.

In der Schweiz ist es wiederum etwas anders, denn hier herrscht eine richtige Kleinstaaterei in den Kantonen, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten pädagogisch durchaus produktiv für Reformbestrebungen genutzt wurde. Es gibt dort in etlichen Kantonen recht gut organisierte Bemühungen, die Portfolioarbeit in der Schule und in der Lehrerbildung fest zu verankern und man kann gespannt sein, was sich daraus entwickelt. Die bürokratischen Hürden jedenfalls scheinen hier geringer zu sein oder besser gesagt leichter zu überwinden.

Viel Nachfrage nach dem Portfoliokonzept und auch viel Initiative gibt es derzeit in der Lehrerbildung. In Deutschland ist in Folge der seit etlichen Jahren anhaltenden Diskussionen um eine Reform, infolge der zwangsweisen "Bachelorisierung" und "Modularisierung" ohnehin viel Wirbel und Umbruch, und man sieht sich nach neuen Konzepten um. Einige Hochschulen und Studienseminare haben beschlossen mit Portfolios zu arbeiten, meist allerdings ohne dass ihnen klar ist, worauf sie sich dabei einlassen. Trotzdem lässt sich sagen, dass hier ein interessanter Trend vorliegt und es besteht die berechtigte Hoffnung, dass Lehrerinnen und Lehrer, die selbst gute Erfahrungen mit dem Portfolio in ihrer Ausbildung gemacht haben, diese Methode später in ihre pädagogische Arbeit in den Schulen einbringen bzw. einfordern werden. Nun, hoffentlich machen sie gute Erfahrungen.

In der Schweiz haben die Lehrerbildungsinstitute im deutschsprachigen Raum allesamt die Portfolioarbeit in der Lehrerausbildung ins Auge gefasst, aber man gibt Ihr (typischerweise) recht unterschiedlichen Stellenwert. Und man ist - von einzelnen Ausbildungsgängen abgesehen ? auch dort noch ziemlich am Anfang.

Über den Stand der Sache in Österreich weiß ich zu wenig, um hier fundierte Einschätzungen abgeben zu können.

Thomas Häcker hat die verdienstvolle Initiative ergriffen, einen Austausch der Erfahrungen über eine Mailingliste und einen Newsletter zu organisieren.

Ein weiteres spannendes Feld für die Verbreitung der Portfoliomethode dürfte die berufliche Bildung werden. Viele intensiv ausbildenden Betriebe haben seit langem ein Interesse daran, dass für die sie besonders interessierenden Qualifikationsbereiche besser angemessene Formen der Leistungskontrolle, der Dokumentation und Prüfung gefunden werden. Sie signalisieren außerdem, dass sie sich auch was die Auswahl von Bewerbern angeht durchaus auf Portfolios als eine Informationsquelle einlassen werden. Ich freue mich deshalb auch besonders darüber, dass Herr Weidner von DaimlerCrysler zu dieser Tagung gekommen ist und wir Gelegenheit haben werden, mit ihm über diese Perspektiven der Portfolioarbeit zu sprechen.

So weit meine Einschätzungen. Sie lassen erwarten, dass es auch in den kommenden Jahren ein wachsendes Interesse an der Portfolioarbeit gibt. Außerdem werden sich die Felder, in denen mit Portfolios gearbeitet wird, sehr ausdifferenzieren. Man wird daher theoretisch-begrifflich ein gutes Instrumentarium brauchen um eine Verständigung über das, was man Portfolioarbeit nennt, herstellen zu und um Orientierungen für dieselbe erarbeiten zu können. Vor allem aber werden Menschen gebraucht, welche die Sache vorantreiben und anlegen können, dass mit Portfolios ertragreich gearbeitet werden kann. Vor einigen Jahren glaubte und hoffte ich auf einen schnellen Boom der Portfoliomethode. Diese Hoffnung wurde unter anderem genährt durch die Verunsicherungen und Suchbewegungen, die in Folge der PISA-Studie ausgelöst wurden. Aus meiner heutigen Sicht wäre ein schneller Boom eher ein Albtraum, aber darauf will ich gleich noch eingehen. Meine PISA-Hoffnungen haben sich recht bald schon zerstreut, als ich verfolgen konnte, dass die Hauptreaktion in einer verordneten Verschärfung von klassischen Prüfungsbedingungen, in der Vorbereitung neuer Testwellen und in der zunehmenden Zentralisierung der Leistungsüberprüfungen insgesamt bestand. Die m. E. vordringlichen Bemühungen um eine Unterrichtsreform sind demgegenüber schwach entwickelt. Ich habe versucht, dies in einer Karikatur zu verbildlichen.

Karikatur Nr. 1 zum Thema Portfolio Schule.
Karikatur Nr. 1 zum Thema Portfolio Schule.

Das sage ich - wie im Bild zu sehen - wiederum für Deutschland, aber in Österreich scheint es auch ein gewisses Roll-back betreffend Unterrichts- und Prüfungsreform zu geben. Für die Schweiz trifft dies so nicht zu. Ich will gar nicht sagen, dass aus den Bemühungen zur Findung und Umsetzung von Leistungsstandards nur rückwärtsgewandte Impulse für die Bildungsreform entspringen werden, ich fürchte aber, dass man sich bei der Suche nach Bildungsstandards nicht die Zeit nimmt, nach Kompetenzmodellen zu suchen, die wissenschaftlich fundiert sind und Entwicklungen abbilden können. Ich fürchte ? und dafür gibt es ja erste Hinweise ? man greift vorwiegend nach etwas aufgemöbelten Lehrplanforderungen, die gut zu prüfen sind. Sorge bereiten mir die drohenden Testwellen und v.a. weil sie die Gefahr mit sich bringen, einen normierenden Einfluss auf die Unterrichtsgestaltung auszuüben. Dabei gibt es ? verbunden mit dem Portfoliokonzept - eine gute Alternatividee für die aktive Rechenschaftslegung der Schulen. Indem Schülerportfolios dem sozialen Umfeld und auch den Aufsichtsbehörden präsentiert werden, können die Schulen öffentlich machen, was sie und ihre Schüler leisten; sie können aktiv und detailliert Rechenschaft ablegen über ihre Arbeit. Hier sehe ich eine erste Aufgabe unseres Kreises, diesen Gedanken einer alternativen Rechenschaftslegung in die Diskussion um Leistungsstandards einzubringen.

Ich möchte damit übergehen zu den hauptsächlichen Aufgaben, die ich für unsere kleine Portfoliobewegung sehe. Die gerade genannte Aufgabe mag aktuell sein, sie ist aber sicherlich nicht die wichtigste.

Ich habe zuvor gesagt, dass mir aus heutiger Sicht ein rascher Portfolioboom eher ein Albtraum ist und ich will deshalb die These erläutern, dass wir für die Portfolioarbeit ein langsames, "gesundes" Wachstum brauchen.

Durch die Entwicklung der Portfolioarbeit in den USA sind wir einerseits vielfältig inspiriert, aber gleichzeitig auch gewarnt. Ein rasches Wachstum birgt die Gefahr des raschen Kollapses, wenn die Sache sich im Rahmen einer Modewelle verbreitet.

· Die Beteiligten halten die damit verbundene intensive Arbeit nicht durch (auch weil sie ihnen zuvor nicht bewusst war).

· Die Rahmenbedingungen für die Portfolioarbeit werden nicht entsprechend geändert, was zu einer Stagnation und Rückbildung führen muss (tragischer Weise geschah dies bei dem großartigen Konzept der NYer Schulen).

· Portfolios geraten u.U. zu Instrumenten einer oberflächlichen Anpassung an vorgegebene oder erahnte Standards (d.h. sie werden glatt und unpersönlich, anstatt reichhaltig zu sein und das Besondere der Person zu zeigen).

Thomas Häcker hat in seinem Reisebericht aus den USA einige dieser Probleme prägnant beschrieben. Gerd Bräuer ? der ja eine Brückenfunktion zwischen den beiden Kulturbereichen übernimmt, hat eindringlich darauf hingewiesen, dass im deutschen Sprachraum die Schreibpädagogik (die ja eine starke Wurzel der Portfolioarbeit ist) noch schwach und unentwickelt sei. Dort wo die Schreibpädagogik wächst und die reflexive Praxis entwickelt wird, erhält die Portfolioarbeit erst ihren Unterbau, der sie gehaltvoll werden lässt.

Dieser besonderen Bedingungen und Gefahren sollten wir uns bewusst sein, wenn wir daran gehen, hier gesunde Wachstumsbedingungen für die Portfolioarbeit zu schaffen. Wir stehen in vieler Hinsicht erst am Anfang, das ist eine schwierige, aber auch eine schöne Situation, denn wir können suchen und experimentieren. Wir können Neues aufbauen und dabei voneinander lernen. Einige Aufgaben, die ich an diesem Weg liegen sehe, will ich im Folgenden umreißen.

Suche nach guten Modellbeispielen

Wir brauchen im Moment vor allem gute, schön beschriebene Beispiele erfolgreicher Portfolioarbeit. Nach 25 Jahre Arbeit als Schulreformer bin ich mehr denn je überzeugt, dass von guten Beispielen eine große Kraft ausgeht. Das schöne deutsche Wort "Beispiel" trifft die Sache gut. Es ist kein Vorbild, keine Vorschrift, es hat etwas Spielerisches und soll dazu anregen, selbst ähnliches zu erarbeiten. Wir brauchen noch viele solcher Beispiele. Besonders dringend aus den Bereichen Mathematik und Naturwissenschaften und aus dem Sachunterricht. Aus den Bereichen Kunst, Musik und Geschichte ebenso wie aus fächerübergreifendem und fächerverbindendem Unterricht. Die relativ "starken" Positionen in den Fremdsprachen und in Deutsch müssen weiter ausgebaut und entwickelt werden. Wir brauchen mehr Beispiele aus allen Schulstufen.

Wir brauchen keine Vereinheitlichung und keine Normen für die Portfolioarbeit aber Orientierungspunkte

Ich denke es muss und kann eine große Vielfalt unterschiedlicher Portfolioarbeit an Schulen und Hochschulen geben. (Es geht im Moment eindeutig um mehr Vielfalt, denn oft muss man Lehrerinnen und Lehrern ja erst einmal deutlich machen, dass es noch andere Arten von Portfolios gibt, als das Sprachenportfolio, das ja eher einen Sonderfall als einen Prototyp darstellt.)

· Portfolios können recht unterschiedlichen Zwecken dienen.

· Die Stellung der Portfolios zum Unterricht und ihre Funktion darin können sehr verschieden sein.

· Portfolios können sich auf ganz unterschiedlich lange Unterrichtszeiträume erstrecken.

· Portfolios können sich in ihrem Gewicht für die Leistungsbewertung sehr unterscheiden.

All das gehört zum Reichtum der Portfolioarbeit und wir sollten dazu beitragen, die Möglichkeiten, die in der Methode stecken, deutlich zu machen. Gleichzeitig sollten wir aber darauf hinarbeiten, dass eine bewusste, eine geklärte Vielfalt von Portfolioarbeit entsteht. Das ist nicht zuletzt eine Frage der geklärten Begrifflichkeit und es geht darum, Orientierungspunkte für die Portfolioarbeit zu formulieren, also beispielsweise aufzuzeigen, welcher Unterricht, welche Leistungsbewertung, welche Prüfung und welche reflexive Praxis mehr oder weniger gut zu einer geplanten Portfolioarbeit passen.

Wenn ich hier einerseits die Vielfalt betone, meine ich gewiss nicht die Devise "anything goes". Wir sollten uns durchaus intolerant zeigen,

· gegenüber Versuchen, Portfolioarbeit von der reflexiven Praxis zu trennen;

· gegenüber der Vorstellung, man könne den Unterricht wie gehabt, traditionell gestalten und gleichzeitig Portfolioarbeit betreiben;

· gegenüber Versuchen, Portfolios in der Leistungsbewertung lediglich als Instrument einer zusätzlichen (Selbst-) Darstellung für besonders gute Schüler zu benutzen.

Die sieben Prinzipien, die ich einmal zur Beschreibung der Portfolioarbeit formuliert habe, gehören zusammen und nichts davon sollte abgespalten werden.

Wir sollten auch deutlich machen, dass die Portfolioarbeit eine besondere Haltung gegenüber den Schülerinnen und Schülern erfordert (und auch erzeugen kann). Eine Haltung, die sie als Mitgestalter des Unterrichts und als Hauptpersonen für ihre eigene Entwicklung betrachtet. Einer Entwicklung gegenüber der sich der Unterricht und die Schule letztlich in einer dienenden Rolle befinden. Die alte Vorstellung vom Schüler als jemand, dem der Stoff bloß rasch vermittelt werden muss, passt nicht zum Portfoliokonzept. Wer mit ihm arbeitet, sollte sich als jemand sehen können, der mit einem neuen Boot in See sticht, um Entdeckungen zu machen, Entdeckungen bezüglich seiner Schüler und Entdeckungen bezüglich seines Unterrichts.

Karikatur Nr. 2 zum Thema Portfolio Schule.
Karikatur Nr. 2 zum Thema Portfolio Schule.

Neben den beiden hauptsächlichen Aufgaben, gute Beispiele zusammenzutragen und Orientierungspunkte für die Portfolioarbeit auszuarbeiten, will ich noch einige weitere kurz beschreiben.

Fortbildungen organisieren

Für ein gesundes Wachstum der Portfoliobewegung ist es erforderlich, dass genügend Multiplikatoren mit eigenen (und fremden) Erfahrungen und mit guten Konzepten vorhanden sind. Angesichts der wachsenden Nachfrage ist diese Multiplikatorenrolle etwas, das prinzipiell auf alle hier Anwesende zurollt. Es ist nebenbei gesagt auch eine schöne Aufgabe. Um sie ausfüllen zu können, müssen wir uns austauschen über die Portfolioarbeit, aber auch über Fortbildungskonzepte.

Begleitforschung organisieren

Auch wenn es im Moment noch eher darum geht, mehr Versuche mit Portfolioarbeit in Gang zu bringen, erscheint es doch wichtig, die Effekte dieser Methode zu erforschen und zu dokumentieren. Zum Beispiel kann es darum gehen:

· Stellungnahmen von beteiligten Schülern, Lehrern und Eltern einholen und zu dokumentieren;

· die Leistungsentwicklung und das Selbstbewusstsein von Schülern bei klassischen Beurteilungsmethoden und im Portfolio zu vergleichen;

· Schulentwicklungsprozesse der Portfolioarbeit evaluieren;

· Auswirkungen der Portfolioarbeit auf die Selbstreflexivität und das selbständige Lernen der Schülerinnen und Schüler zu untersuchen.

Wirkforschung im engeren Sinne ist zwar schwierig und erfordert einen hohen Aufwand, aber längerfristig wird es nötig und möglich sein, auch solche Projekte in Angriff zu nehmen.

Bildungspolitische Aufgaben

Wesentlich für den Fortschritt der Portfolioarbeit an Schulen, Hochschulen und in der betrieblichen Ausbildung wird sein, dass die Rahmenbedingungen ? v.a. was die Erbringung und Bewertung von Leistungen angeht ? verändert werden. Hier muss man auch über das Schaffen von Versuchsspielräumen hinauskommen. Das ist eine große Aufgabe, die starke Bündnispartner in der Bildungsverwaltung, in der Politik, in Verbänden und Gewerkschaften, in den Medien und nicht zuletzt auch in der freien Wirtschaft braucht. Eine Aufgabe, die wir im Moment nicht in Angriff nehmen können, die aber geplant werden sollte. Konkret wird es darum gehen, in etwa zwei Jahren einen Kongress zu organisieren, der stärker an die Öffentlichkeit tritt. Dafür müssen jetzt Überlegungen angestellt und Initiativen ergriffen werden.

Wenn es uns gelingt, gute Beispiele zusammen zu stellen, Begriffe zu klären sowie Orientierungspunkte für die Portfolioarbeit zu formulieren und genügend Fortbilderinnen und Fortbilder zu finden, werden wir einen großen Schritt weiter sein und können auch die weiteren Aufgaben angehen, damit es zu einem gesunden Wachstum der Portfolioarbeit im deutschsprachigen Raum kommt.