Stefan Heusler, Susanne Heinicke, Alexander Pusch, Bianca Kramp, Birgit Giering und Daniel Laumann

Messwerterfassung am (eigenen?) Smartphone

Arbeitsblatt Messungen App Solarzellen
Arbeitsblatt (Aussschnitt) zu Messungen mit phyphox an einer Solarzelle, Quelle: http://physikkommunizieren.de/smart-for-science/

Stefan Heusler, Susanne Heinicke, Alexander Pusch, Bianca Kramp, Birgit Giering und Daniel Laumann

Ein Beispiel für eine digital angereicherte Lernumgebung zum Thema Elektromobilität

Smartphones im Unterricht nutzen – das klingt gerade für den Physikunterricht sehr verlockend. Alle Schülerinnen und Schüler haben ein Gerät zum Messen und zur Datenaufnahme wohl verstaut in ihren Rucksäcken schlummern, also raus damit und das Cassy bleibt im Schrank.
Befürworter vom Einsatz des eigenen Handys im Unterricht sehen gleich eine Fülle von Vorteilen (s. Abb. 1 links ), unbehaglich dagegen schaut der Skeptiker (oder die skeptische Seite im Enthusiasten selbst) auf dieses Konzept (s. Abb. 1 rechts).
Workshops zum Thema Elektromobilität
Im Rahmen des BMBF-Projekts „smart for science werden mit Smartphones vielfältige lernförderliche Apps für den MINT-Unterricht im Rahmen von Workshops (8./9. Jahrgangsstufe; Chemie, Mathematik, Physik) zum Themenkomplex Elektromobilität eingesetzt. Das Thema Elektromobilität wurde aufgrund seiner wachsenden gesellschaftlichen Bedeutung sowie seines großen Potenzials für den Einsatz von Smartphones im MINT-Unterricht ausgewählt.
Die Lernenden nutzen das Smartphone z.B. für Simulationen, mit denen sich Bedingungen für eine möglichst große Reichweite von Elektroautos identifizieren lassen (Chemie) oder für die Weiterentwicklung einer App zur Modellierung der Klimabilanz von Elektroautos (Mathematik). Im Rahmen des Physik-Workshops wird die nachhaltige Energieversorgung von Elektroautos durch regenerative Energien thematisiert.
Sämtliche Workshops sind so angelegt, dass sie sowohl im BYOD-Ansatz (s.a. dazu auch Kasten 1) als auch mit schuleigenen Geräten umgesetzt werden können.
BYOD „Bring your own device
BYOD „Bring your own device
Schülereigene Smartphones im Physikunterricht nutzen? Hierüber lässt sich in der Fachschaft, in der Klasse oder auf dem Elternabend viel diskutieren und Erfahrungen austauschen.
Eine repräsentative Umfrage bei über 1200 Schulleitern und Schulleiterinnen in Deutschland im Jahr 2019 hat ergeben, dass die Methode BYOD von ca. 50 % der Lehrer am Gymnasium durchaus genutzt wird, hauptsächlich wegen der hohen Verfügbarkeit der Smartphones und wegen fehlender Infrastruktur. Ob und wie die Nutzung schülereigener Smartphones Einfluss auf das Lernen hat, ist allerdings bislang wenig erforscht. Erste Studien deuten darauf hin, dass das Ablenkungspotenzial dieses digitalen Freizeitgeräts einen messbaren Einfluss auf die Konzentrationsleistung im Unterricht haben kann [2].
Das Projekt „smart for science an der Universität Münster vergleicht in einer empirischen Studie zwei aktuell diskutierte Ansätze, nämlich die Konzepte
  • „bring dein eigenes Gerät mit (Bring Your Own Device BYOD) und
  • „verwende ein fremdes Gerät (Corporate-Owned, Personally Enabled – COPE).
Wir stellen im Folgenden das Konzept BYOD vor. Dabei bezieht sich das D in BYOD in der Regel auf digitale Endgeräte, also auf Smartphones, Tablets, Net- und Notebooks sowie Laptops.
Während es durchaus öfter vorkommt, dass Lehrkräfte Lern- und Arbeitsmittel, die nicht in ausreichender Zahl vorhanden sind, selbst mit in den Unterricht bringen, erlebt man dagegen bei Schülerinnen und Schülern eher, dass notwendiges Material obwohl vorhanden nicht den Weg in den Rucksack findet, sondern im Kinderzimmer unentdeckt ein trostloses Dasein fristet. Allerdings trifft diese Beobachtung fast ausschließlich auf analoges Material wie Schulbücher, Hefte und Malkästen zu, aber nie auf das eigene Smartphone oder Tablet. Laut der aktuellen JIM-Studie [3] verfügen nahezu alle 12- bis 17-Jährigen über ein eigenes mobiles Endgerät. Das sozio-ökonomische Umfeld der Schülerinnen und Schüler spielt bei der Versorgung mit Smartphones somit eine untergeordnete Rolle.
Aber worum geht es bei BYOD im schulischen Umfeld? Während sich die einen darüber freuen, dass an einem Schulzentrum...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Physik Nr. 179 / 2020

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Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 8-10