Wenn aus Arbeitsbeziehungen Liebesbeziehungen werden …

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Die meisten von uns verbringen mit Kolleginnen und Kollegen mehr Zeit als mit Freunden oder Familie. Häufig kommt es vor, dass aus einzelnen Teammitgliedern Paare werden. Wie damit umgehen, wenn Liebe ins Spiel kommt, fragt pflegen: Demenz-Herausgeber Detlef Rüsing die Diplom-Psychologin Sieglinde Stachelhaus.

DetleF Rüsing: Frau Stachelhaus, Sie sind Psychotherapeutin mit eigener Praxis. Hand aufs Herz: Es ist doch bestimmt nicht selten, dass Klientinnen und Klienten zu Ihnen kommen, die Probleme in ihrer Beziehung zu einer Arbeitskollegin oder einem Arbeitskollegen haben?
Sieglinde Stachelhaus: Das gibt es natürlich Beziehungsprobleme im Allgemeinen sind ein Thema meiner Klientel. Allerdings haben diese zwischen Kolleginnen und Kollegen häufig aufgrund der Verflechtung von Arbeit und Privatem eine besondere Qualität und ich rede nun von ernsthaften Beziehungen und nicht von zu vermeidenden Affären.
Rüsing: Wir verbringen viel Zeit auf der Arbeit und somit auch mit unseren Kolleginnen und Kollegen. Da wundert es nicht, dass sich Menschen auf der Arbeit finden und mehr als eine Arbeitsbeziehung daraus wird. Also: Alles gut, oder etwa nicht?
Stachelhaus: Zunächst einmal ist es sicher gut, wenn sich zwei Menschen treffen, die eine besondere Beziehung zueinander entwickeln und/oder haben. Die gemeinsame Arbeit ist dazu sicher hinsichtlich Menge an Zeit, die sie „notgedrungen gemeinsam verbringen, förderlich. Weitere Faktoren, die das Verlieben am Arbeitsplatz erleichtern, sind neben gemeinsamen Themen, über die sie sich austauschen können, unter anderem das Erleben des anderen in herausfordernden Situationen. Allerdings: Eine Liebe am Arbeitsplatz verändert dort alles.
Rüsing: Wie meinen Sie das?
Stachelhaus: Privates und Berufliches vermischt sich und natürlich kann sich das soziale Gefüge eines Teams durch eine Partnerschaft zweier Personen in hohem Maße verändern. Je nachdem, wie sich eine Beziehung entwickelt, kann es zu Beeinträchtigungen der Leistung der einzelnen Beziehungspartner, zu Störungen des Teamgeistes und zu Ausgrenzungen kommen. Auch Eifersucht kann eine Rolle spielen. Und ich rede noch nicht davon, was passieren kann, wenn eine solche Beziehung in die Brüche geht.
Rüsing: Verstehe ich das richtig? Sollten keine Beziehungen zu Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen eingegangen werden? Das wäre doch an der Realität vorbeigedacht.
Stachelhaus: Das habe ich nicht gemeint. Aber aus meiner Erfahrung wird es in der Regel auf Dauer schwierig, wenn sich Paare bilden und diese in einem mehrköpfigen Team weiterhin zusammenarbeiten. Ich rate dazu, dass die Beziehungspartner nicht weiterhin in einem Team eng zusammenarbeiten. Das kommt natürlich auf die Unternehmens- und Organisationsstruktur an. Besser ist es, nach einer Zeit des Findens und der notwendigen Prüfung der Ernsthaftigkeit der jungen Beziehung durch die Partner, offen mit der Partnerschaft umzugehen und gemeinsam mit dem Team und Vorgesetzten eine andere Stelle oder einen anderen Bereich/eine andere Abteilung für eine der beiden Personen in der Organisation zu suchen. Im Pflegeberuf könnte dies ein anderer Wohnbereich oder eine andere Station sein.
Rüsing: Das klingt nicht einfach
Stachelhaus: Das ist es auch nicht! Aber es kann sich natürlich lohnen. Man kann auf der Arbeit die Partnerin oder den Partner fürs Leben finden. Aber gerade das erfordert die von mir angesprochene Ernsthaftigkeit.
Eine besondere Qualität haben Partnerschaften zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden. Hier besteht natürlich immer die Gefahr des Machtmissbrauchs. Das muss nicht so sein, sollte aber bedacht werden. Kurz zusammengefasst: Eine für beide Partner angemessene Lösung auf der Arbeit, nach Prüfung der Ernsthaftigkeit der jungen Beziehung vielleicht auch mithilfe therapeutischer Fachkräfte, zu finden, erleichtert und festigt, in meinen Augen, die Chance einer gelingenden Partnerschaft.
Rüsing: Frau Stachelhaus, vielen...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 53 / 2019

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Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: Demenz" Praxis