Nino Chikhradze

Vater – Mutter – Kind

Kinder spüren, dass sich das Leben in der Familie durch eine Erkrankung der Mutter verändert
Kinder spüren, dass sich das Leben in der Familie durch eine Erkrankung der Mutter verändert, Foto ©: Photographee.eu / stock.adobe.com

Nino Chikhradze

Familiale Beziehungen in der letzten Lebensphase während einer Brustkrebserkrankung

Familie in allen denkbaren Konstellationen ist ein aufeinander eingespieltes, individuelles System von einzelnen Personen. Was geschieht, wenn ein Mitglied existenziell bedrohlich erkrankt? Eine Untersuchung von an Brustkrebs erkrankten Frauen in der Palliativphase verdeutlicht, wie sich dies auf die Familienmitglieder auswirkt und was das für das Pflege- und Behandlungsteam bedeutet.

In der letzten Lebensphase während einer Brustkrebserkrankung rechnen die Familien jeden Tag damit, dass es zu Ende gehen kann. Dies vermittelt ein Ungleichgewichtsgefühl in der Familie und jedes Mitglied ist auf unterschiedliche Art und Weise betroffen. Durch diese Betroffenheit verändern sich die Beziehungen innerhalb der Familie, die im Folgenden aus der Perspektive der unterschiedlichen Familienmitglieder dargestellt werden. Die Aussagen der Frauen, Männer und Kinder verdeutlichen das Befinden, wie aus de Untersuchung (siehe Kasten) hervorgeht.
Familien und Brustkrebs: Bedürfnisse und Bewältigung in der letzten Lebensphase eine qualitative Untersuchung
Familien und Brustkrebs: Bedürfnisse und Bewältigung in der letzten Lebensphase eine qualitative Untersuchung
Die Untersuchung wurde im Rahmen des durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungskollegs „FamiLe Familiengesundheit im Lebensverlauf an dem Standort Universität Witten/Herdecke durchgeführt.
Ausgangslage: Brustkrebs ist die häufigste bösartige Neuerkrankung bei Frauen in Deutschland (Robert Koch Institut, 2016). Im Jahr 2014 starben 18.000 Frauen an Brustkrebs. So ist Brustkrebs mit 69.220 Fällen jährlich die zweithäufigste Krebsart mit Todesfolge (Statistisches Bundesamt, 2014).
Das Ziel der Versorgung einer inkurablen Erkrankung besteht darin, die letzte Lebenszeit der betroffenen Person und deren Angehörigen möglichst bedarfsorientiert, beschwerde- und symptomfrei zu gestalten (Radbruch & Payne, 2009, 2010; Schnell & Schulz, 2012). Diese unabdingbare Anforderung, kann nur dann verwirklicht werden, wenn spezifisches Wissen über individuelle Bedürfnisse vorhanden ist (Mayer & Zellhofer, 2011).
In Deutschland fehlen bisher Studien für diese spezielle Gruppe (Chikhradze et al., 2015). Diese Untersuchung hatte deshalb das Ziel, das Leben der Familien in der palliativen Phase einer Brustkrebserkrankung zu rekonstruieren.
Methode
Wegen der bisher fehlenden Forschung in diesem Bereich, eignete sich eine qualitative Herangehensweise mit dem Ansatz der Grounded Theory (Strauss & Corbin, 1996).
Die Daten wurden anhand von problemzentrierten Einzelinterviews (n=29) mit den Familienmitgliedern erfasst (Mey & Mruck, 2007; Witzel, 2000) und analysiert.
(Ergebnisse siehe Beitrag)
Erlebenswelt der Frauen
Die Diagnose „Brustkrebs erfährt eine Frau sehr häufig „aus heiterem Himmel meistens im Rahmen einer Routineuntersuchung. Dies führt zu einer Schockstarre bei den Frauen, in der man sehr auf sich zurückgeworfen ist und das hat alles nichts mehr mit Haben und Tun zu tun, sondern nur noch mit Sein …“, so eine Betroffene. Die Frauen werden mit ihrer eigenen Existenz und dem nahen Lebensende konfrontiert. Viele ziehen sich in Folge zurück, obwohl in dieser Situation vertraute Personen, ihre Männer oder nahestehende Freunde, mit denen sie die Diagnose teilen können, von Bedeutung sind. Ihre Kinder schützen sie zumeist, indem sie es vermeiden, die existenzielle Bedrohung durch die Erkrankung mitzuteilen.
Ich-Bezogenheit in der mühevollen Gegenwart
Viele Frauen geben nach dem ersten Schock ihrem Leben Vorrang, indem sie die verbleibende Zeit für sich nutzen. Aber das Leben mit der Diagnose mit der lebensverkürzenden Erkrankung beeinflusst ihr Verhalten innerhalb der Familie.
Sie müssen die Krankheits- und Behandlungssymptome bewältigen. Dabei handeln sie nach ihren eigenen Bedürfnissen, die von ihren...
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aus: pflegen Palliativ Nr. 44 / 2019

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Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Wissenschaft