Silke Wüstholz

Kommen und Gehen

Rituale unterstützen die Begrüßung neuer und das Verabschieden ausscheidender Teammitglieder
Rituale unterstützen die Begrüßung neuer und das Verabschieden ausscheidender Teammitglieder, Foto © stanciuc | stock.adobe.com

Silke Wüstholz

Rituelles Gestalten von Teambeziehungen

Rituale scheinen auf den ersten Blick ein Relikt aus einer anderen Zeit zu sein. Mehr oder weniger bewusst werden sie dennoch nach wie vor gepflegt und gelebt. Insbesondere für Abschiede und Neubeginn von Kolleginnen und Kollegen in Teams sind Rituale für alle Beteiligten hilfreich. Warum das so ist und worauf es dabei ankommt zeigt der nachfolgende Beitrag.

Bei Veränderungen und Übergängen in Teambeziehungen sind Rituale sehr hilfreich z.B. bei Verabschiedung und/oder Begrüßung neuer Teammitglieder. Sie unterstützen den Prozess des Abschieds wie des Neubeginns für alle Beteiligten. Dabei geht es um ein für alle Personen bewusstes und transparentes Gestalten des Gehens und des Kommens.
Um Neues beginnen zu können, ist es unerlässlich, sich zuvor vom Alten verabschiedet zu haben. Das gilt für die bestehenden Teammitglieder genauso wie für die kommende neue Kollegin. Je nach Typ reagieren Menschen unterschiedlich auf Veränderungen. So können diese Prozesse mit Unsicherheit und Ängsten oder auch mit Vorfreude verbunden sein.
Abschied und Neubeginn liegen eng beieinander. Der Begrüßung eines neuen Teammitgliedes geht in der Regel der Abschied einer „alten Kollegin voraus. Sowohl die Mitglieder des bestehenden Teams als auch das neue Teammitglied befinden sich somit in einer besonderen Situation. Das Team ist damit beschäftigt, sich neu zu sortieren. Die Aufgaben müssen neu verteilt werden die Lücke, die die Kollegin hinterlassen hat, muss geschlossen werden. Einerseits gibt es Vorfreude im Team auf „die Neue, andererseits bestehen Unsicherheiten, ob und wie sie ins Team passen wird.
In vielen Unternehmen gibt es eher Rituale und feststehende Prozesse für die Aufnahme neuer Teammitglieder. Der Abschied scheint weniger Beachtung zu finden. Ein Grund dafür könnte sein, dass Menschen sich mit Trennungen allgemein eher schwer tun. Daher liegt der Fokus zunächst auf dem Gehen, bzw. auf der gehenden Person.
Wenn eine Kollegin/ein Kollege geht
Eine Kollegin hat gekündigt oder tritt ihre Rente an und wird somit das Team verlassen. Obwohl ab einem bestimmten Zeitpunkt klar ist, dass es einen Abschied geben muss, werden die Gedanken daran von Seiten des Teams und der ausscheidenden Person häufig verdrängt.
Abschiede lösen verschiedene Gefühle aus; je nach Grund der Trennung können dies sein:
  • Trauer
  • Wut
  • Erleichterung.
Umso wichtiger ist es, den Abschied für alle beteiligten Personen gut und bewusst zu gestalten. Je wichtiger oder beliebter die scheidende Person im Team war, umso größer ist die befürchtete Lücke oder/und die Trauer im Team. Wenn die gemeinsame (Arbeits-)Zeit dagegen weniger gut war und steht eher die Erleichterung über den Weggang der Kollegin im Vordergrund, sollte dennoch für alle ein gutes Ende gefunden werden, um Frieden mit der Person, dem Team und/oder der Situation schließen zu können.
Gestaltung des Abschiedsprozesses
Der Abschiedsprozess sollte so gestaltet werden, dass klar geregelt wird, wer die persönlichen Aufgaben der scheidenden Kollegin zukünftig übernehmen wird. Fragen und Unklarheiten können so noch gemeinsam besprochen und gelöst werden. Die ausscheidende Kollegin weiß so die Aufgaben in guten Händen und die übernehmende Kollegin ist bestens auf ihre neuen Aufgaben vorbereitet und bekommt Sicherheit.
Für den eigentlichen Abschied ist es hilfreich, ein gemeinsames Abschiedsritual zu finden, das alle Teammitglieder mögen (Bender, 2009). In jedem Fall ist es wichtig, dass sich die Leitung und die Teammitglieder bewusst von der Kollegin/dem Kollegen, die/der das Team verlässt, verabschieden. Je nach Dauer der Zugehörigkeit variiert die Gestaltung des Abschieds.
Die Würdigung und der Dank an die gehende Person hat dabei eine wichtige Signalwirkung für alle Teammitglieder, denn jeder Mensch möchte gesehen und in seinem Tun beachtet und gewürdigt werden. Dafür sollten Raum, Rahmen und Zeit...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 48 / 2020

Rituale

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ"
  • Thema: Team
  • Autor/in: Silke Wüstholz