Alexandra von Bose

Herausforderungen und Stärken multikultureller Teams

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Alexandra von Bose

Vielfalt (Diversity) wird in vielen Unternehmen gefördert. Denn Teams sind oft besonders erfolgreich, wenn Menschen unterschiedlichen Alters, verschiedenen Geschlechts und aus verschiedenen Kulturen zusammenarbeiten. Warum multikulturelle Teams auch in der Palliative Care wichtig sind und wie der Umgang mit der kulturellen Vielfalt gelingen kann, zeigt der folgende Beitrag.

Schon seit über 20 Jahren setzt sich der bundesweite Arbeitskreis „Migration und öffentliche Gesundheit für eine verbesserte Gesamtsituation der Versorgung von Menschen mit Migrationshintergrund im Kontext Pflege und für mehr Interkulturalität ein. Damit das gelingt, müssen mehr Menschen mit Migrationshintergrund auf allen Ebenen des Gesundheitswesens arbeiten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lag der Anteil der Pflegekräfte mit Migrationshintergrund 2013 bei 12%und damit deutlich unter dem Anteil an der Bevölkerung. Die meisten Pflegekräfte (rund 20%) kamen aus Polen, 12% aus Bosnien-Herzegowina und etwa 8% aus Kasachstan. Die meisten Menschen mit Migrationshintergrund rund 15% haben dagegen ihre Wurzeln in der Türkei, 10,1% stammen aus Polen, 6,6% aus Russland.
Multikulti in der Pflege
Vor allem angesichts der stetig wachsenden Zahl von zu betreuenden und zu versorgenden Menschen mit Migrations- oder Zuwanderergeschichte werden multikulturelle Teams in der Palliativpflege immer wichtiger. Doch nicht immer funktioniert die Zusammenarbeit in diesen Teams reibungslos.
Praxisbeispiel Teil 1: Kommunikationsprobleme
Praxisbeispiel Teil 1: Kommunikationsprobleme
Der Palliativstation, auf der Sabine Schmidt* und Giovanni Vuono* als Pflegekräfte arbeiten, wird die Patientin Milena Iwanowa* zugewiesen. Sie stammt aus Bulgarien, ist allein, ohne Begleitung von Verwandten und spricht kein Wort Deutsch. Frau Schmidt möchte jetzt ihren inneren Punkteplan abarbeiten: Ruhe bewahren, sich einen kompetenten Überblick über die Situation der Patientin verschaffen, die Fakten sprechen lassen
Da sie Frau Iwanowa nicht versteht, will sie erst einmal die ärztlichen Berichte lesen. Doch die Patientin redet auf die Pflegerin ein und wird immer lauter, weil Frau Schmidt weiterliest. Schließlich fängt Frau Iwanowa an, laut loszuschreien.
Giovanni Vuono stammt aus Italien. Er ist in Deutschland aufgewachsen und spricht perfekt Deutsch. Im Umgang mit Patienten setzt er immer wieder ganz andere Prioritäten als seine Kollegin. Für ihn ist ein gutes Verhältnis die Basis zum Erfolg und steht an erster Stelle. Außerdem versucht er, Probleme flexibel zu lösen.
Dies geht Sabine Schmidt gerade in angespannten Situationen extrem auf die Nerven: Sie empfindet sein Verhalten als leger und lax und glaubt, dass das in einer Notfallsituation nicht hilft, weil da schnell und zielgerichtet agiert werden muss. Sie will sich einen Überblick über die Berichte verschaffen, bevor sie überhaupt aktiv wird.
*Der Namex wurde von der Redaktion geändert.
Im Praxisbeispiel lässt sich auf den ersten Blick erkennen, dass Menschen mit derart diametral entgegengesetzten persönlichen und kulturellen Überzeugungen nicht gut an einem Strang ziehen können. Die Frage, wer nun Recht hat und wer nicht, steht im Vordergrund, kann zu Kompetenzkonflikten zwischen den beiden Pflegekräften führen und eine sachgerechte Lösung verhindern.
Unterschiedliche Prioritäten erschweren Teamwork
Bei beiden Pflegekräften gibt es eine Fach- und eine Beziehungsebene in der kulturellen Prägung mit vertauschten Prioritäten. Dies öffnet einem spannungsgeladenen Konflikt Tür und Tor. Wird die Situation nicht kompetent durchleuchtet und entschärft, werfen sich beide genau die entgegengesetzten Polarisierungen in den Wertvorstellungen vor und haben es schwer, sich zu einigen.
Leidtragende in diesem Szenario sind alle Beteiligten:
  • die Patientin, an der sich der Konflikt entzündet und über deren Kopf hinweg er ausgetragen wird
  • Giovanni Vuono, der...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 40 / 2018

Kultur

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Praxis