Rainer Simader

Weniger müde durch mehr Bewegung

Bewegung kann Fatigue-Symptome mildern
Bewegung kann Fatigue-Symptome mildern, Foto © Robert Kneschke | Shutterstock.com

Rainer Simader

Physiotherapeutische Aktivierung und Bewegungsangebote

Menschen mit Fatigue meiden oft körperliche Aktivitäten. Und auch Pflegende versuchen häufig, ihre Patienten vor Aktivität zu schützen. Doch das ist der falsche Weg.Dass in vielen Sitautionen gerade Bewegung helfen kann, die Symptome zu mildern und die Lebensqualität zu verbessern, ist auch Fachleuten nicht immer bewusst.

Das Wohl der Patienten steht in der Palliative Care an erster Stelle.Dame Cicely Saunders hat prägnant geschrieben, dass die Hauptaufgabe eines Teams ist, dem Sterbenden [zu] ermöglich[en] zu leben, bevor der stirbt, sein persönliches Potenzial dabei bis zu den Grenzen seiner körperlichen Leistungsfähigkeit auszuschöpfen und, soweit irgend möglich, Eigenkontrolle und Unabhängigkeit zu bewahren (Saunders, 1998). Um aktiv zu sein und in einem sozialen Umfeld partizipieren zu können, brauchen erkrankte Menschen auch körperliche Voraussetzungen wie ein Grundmaß an Kraft und Ausdauer.
In der Palliative Care weiß man, dass Aktivitäten bis hin zum Training einen sehr hoher Stellenwert haben, wenn es darum geht, die Lebensqualität (QoL) von kranken Menschen zu erhalten und zu verbessern. Denn das Ausüben körperlicher Funktionen und Aktivitäten sowie eine gewisse Ausdauer Kraft und Kondition gehören zu den wichtigsten Determinanten der Lebensqualität (Nieland et al., 2013).
Was Sie über Fatigue wissen sollten
Gerade Menschen mit Fatigue werden oft als besonders beschützenswert und ruhebedürftig erlebt. Nicht selten bekommen sie den Rat, sich zu schonen, sich auszuschlafen. Für viele ist es kaum vorstellbar, dass sich die „armen, erschöpften Patienten körperlich betätigen oder sogar trainieren sollen. Stehen im Krankenhaus oder zu Hause beispielsweise physiotherapeutische Behandlungen an, werden sie mitunter verschoben mit dem Hinweis, dass Herr X oder Frau Y gerade sehr müde sind oder schlafen.
Untersuchungen zeigen aber, dass gerade Menschen mit Fatigue besonders von Aktivität profitieren. Deshalb ist Information der erste Schritt zum Management dieses Symptoms und zwar für die betroffenen Personen und ihre Zugehörigen. Auch innerhalb des (professionellen) Teams muss das Wissen in der Regel verbessert werden. Ebenso gilt es, die eigene Haltung diesem Symptom gegenüber zu reflektieren (Bornemann et al., 2011).
Ruhe hilft nicht immer
Wichtig ist: Fatigue ist nicht Müdigkeit  – und hat nichts mit einer vorangegangenen Aktivität oder Anstrengung zu tun. Das Symptom Fatigue wird daher oft durch Ruhe und Schlaf nicht verbessert, sondern auf Dauer eher verschlechtert. Denn Fatigue ist sehr häufig mit einer Reduzierung körperlicher Funktionen verbunden (siehe Abb. 1 ). Gerade Ruhe sowie die damit verbundene Reizarmut und soziale Isolation fördern wiederum Inaktivität, Müdigkeit, verringerte Aufmerksamkeit, Depression und auch andere Symptome.
Einzelne Symptome behandeln
Fatigue kommt oft gemeinsam mit anderen Symptomen vor (siehe Abb. 2 ). Diese beeinflussen sich gegenseitig, und zwar nicht nur negativ, sondern auch positiv (Cobbe, 2013). Und so liegt in jedem Problem glücklicherweise auch die Lösung. Dies gilt auch für andere Symptome wie Depression, Atemnot, Angst oder Schmerz.
Physiotherapeutische Ansätze, bzw. Aktivierung und Bewegungsangebote spielen auch bei diesen Symptomen eine wesentliche Rolle (Nieland et al., 2013). Eine Verbesserung − vor allem durch aktive Therapieansätze bis hin zu Training − ist möglich. Sinnvoll ist es, in der non-pharmakologischen Therapie bei Fatigue dort anzusetzen, wo sich Symptomkomplexe am effektivsten beeinflussen lassen. Wenn beispielsweise die Therapie der Atemnot einfacher und effektiver gestaltet werden kann als körperliche Interventionen zur Verbesserung von Fatigue, ist das ein guter Ansatz, auch das Cluster zu durchbrechen. Nur wenn alle Symptome so gut wie möglich behandelt werden, ist auch die Fatigue gut behandelbar. Die interdisziplinäre...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 41 / 2019

Fatigue

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Praxis