Dominik Schneider

Symptome des Verdauungstraktes richtig managen

Viele Patientinnen und Patienten in der Palliative Care leiden unter gastrointestinalen Symptomen
Viele Patientinnen und Patienten in der Palliative Care leiden unter gastrointestinalen Symptomen, Foto: © ag visuell | stock.adobe.com

Dominik Schneider

Gastrointestinale Symptome beeinflussen die Lebensqualität und das Befinden von Menschen in palliativen Situationen oft sehr stark. Symptommanagement hilft, die Anzeichen und Beschwerden frühzeitig zu erkennen, sie richtig einzuschätzen und gezielt zu behandeln. Der Beitrag zeigt auch an einem Praxisbeispiel, wie das gelingen kann.

Spricht man mit Patientinnen und Patienten vorausschauend über eine Palliativsituation, nennen sie meist Schmerzen und Atemnot (Dyspnoe) als die Symptome, die unbedingt vermieden werden sollten. Diese werden von allen häufig auftretenden Symptomen am meisten gefürchtet. Denn Schmerz- und Atemnotattacken verlaufen häufig dramatisch und sind mit Ängsten verbunden, im Fall der Dyspnoe nicht selten mit Sterbensängsten.
Dagegen werden Symptome, die den Verdauungstrakt betreffen (gastrointestinale Symptome) wegen der weniger bedrohlichen Ausstrahlung im Vorfeld häufig unterschätzt. Ihr teilweise massiver Einfluss auf die Lebensqualität sowie ihre Gefahren werden mitunter erst wahrgenommen, wenn sie eingetreten sind und sich die Auswirkungen gezeigt haben.
Dabei sind gastrointestinale Symptome bei Palliativpatienten nicht selten. Vier der zehn häufigsten Symptome bei Patienten und Patientinnen auf Palliativstationen betreffen den Gastrointestinaltrakt (Radbruch et al., 2002) (➝ Tabelle 1) und werden nachfolgend vorgestellt.
Gastrointestinale Symptome
Übelkeit (Nausea)
Übelkeit tritt bei jedem dritten, Erbrechen (Vomitus) je nach Studie bei jedem fünften Tumorpatienten auf. Dies kann zu metabolischen Störungen, Elektrolytentgleisungen und Mangelernährung (Malnutrition) führen, was über Abfall der Leistungsfähigkeit und über eingeschränkte Funktionalität eine Abnahme der Lebensqualität zur Folge haben kann (Stephenson & Davies, 2006).
Durchfall (Diarrhö)
Dieses Symptom tritt bei insgesamt 14 Prozent der Tumor-patienten auf und ist je nach Wirkstoff bei jedem Zweiten während der Chemotherapie (NCI, 2008) ein relevantes Problem. Diarrhö kann über Dehydratation zu
  • akuter Niereninsuffizienz
  • Elektrolytentgleisungen
  • Schwäche
führen und sogar lebensbedrohliche Zustände verursachen. Zumindest beeinträchtigt es jedoch stark die Lebensqualität des schwerkranken Menschen.
Praxisbeispiel: Vom kurativen zum palliativen Verlauf
Praxisbeispiel: Vom kurativen zum palliativen Verlauf
Bei Hildegard Berger*, einer 69-jährigen Patientin, wird die Diagnose eines Adenokarzinoms vom kolorektalen Typ gestellt. Die initiale Entfernung des Colons (Hemikolektomie) rechts erfolgt aufgrund der Tumorklassifikation in kurativer Absicht, gefolgt von einer unterstützenden (adjuvanten) Chemotherapie.
Schon rasch zeigte sich allerdings eine palliative Situation mit einem Frührezidiv sowie einer ausgedehnten Metastasierung. Die Chemotherapie löste eine schwere Schleimhautentzündung (Mukositis) und Enteritis des terminalen Ileums aus. Klinisch präsentierte sich dies als starke Diarrhö, verbunden mit abdominellen konstanten und krampfartigen Schmerzen bei der fiebernden Patientin.
Differenzierte Diagnostik im Verlauf
Zur Diagnose der Enteritis führte einerseits die Anamnese mit der Diarrhö und den suggestiven zeitlichen Zusammenhängen. Die klinische Untersuchung zeigte ein diffus druckempfindliches Abdomen, teilweise mit Loslasschmerz, weswegen bei deutlich erhöhten Entzündungsparametern eine Computertomographie des Abdomens durchgeführt wurde. Dieses zeigte eine langstreckige Entzündung der Dünndarmwand als Korrelat der Enteritis. Neben der Gabe von Antibiotika erfolgten unterstützende Maßnahmen durch ausreichende intravenöse Flüssigkeitszufuhr sowie Ausgleich der Elektrolytverschiebungen (Hypokaliämie, Hypophosphatämie), die während der Diarrhö auftraten.
Durch die Schmerztherapie mit Opiaten entwickelte sich das klinische Bild eines paralytischen Subileus mit erneuten abdominellen Schmerzen, rezidivierendem Erbrechen, Inappetenz, fehlendem Stuhlgang bei noch teilweise...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 37 / 2018

Gastrointestinale Symptome

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Grundlagen