Körperliche, seelische und soziale Spätfolgen

Cancer Survivor – Langzeitüberlebende begleiten

Dank moderner Behandlungsmethoden haben einige krebserkrankte Menschen eine hohe Lebenserwartung. Welche Herausforderungen durch Spätfolgen von Erkrankung und Behandlung ergeben sich damit für „Cancer Survivors“ und welche Aufgaben sollte eine Pflegefachperson in der Begleitung übernehmen?

pflegen: palliativ - Cancer Survivors
Qualifizierte Pflegefachpersonen sind zur langfristigen Begleitung von Langzeitüberlebenden geeignet REDPIXEL | stock.adobe.com

Cancer Survivor – Langzeitüberleben bei einer Krebserkrankung 

Je nachdem, wie frühzeitig ein Tumor entdeckt wird, können Menschen davon geheilt werden oder noch lange mit der Krebserkrankung leben. Dann betrachtet man eine Krebserkrankung auch als chronische Erkrankung. Nach Günster et al. (2011) spricht man dann von einer chronischen Erkrankung, wenn ein sich entwickelnder, mindestens über ein Jahr bestehender und ohne Behandlung mit schweren Störungen einhergehender Krankheitsverlauf, der eine auf die Bedürfnisse und Lebenssituation angepasste Versorgung erfordert, gegeben ist. Das Robert Koch-Institut (2017) schätzt, dass es etwa vier Millionen Langzeitüberlebende einer Krebserkrankung gibt. Infolge der längeren Überlebenszeiten berichten viele der betroffenen Personen von gesundheitlichen, aber auch von seelischen und sozialen Spätfolgen der Krebserkrankung und -behandlung (Deutsches Krebsforschungszentrum, 2011).

Begleitung der Krebs-Überlebenden

Je frühzeitiger und besser die Anleitung der Krebs-Überlebenden ist, desto länger ist ihre autonome Zeit. Im Sinne des Empowerments müssen die betroffenen Menschen unterstützt werden.

  • ihre Fähigkeiten zu stärken
  • ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen und
  • so die Kontrolle über ihr eigenes Leben wiederzuerlangen, bzw. bezuhalten (Kendall, 1998).

Viele Cancer Survivors wollen ihr Leben nach der Behandlung wieder selbst gestalten, arbeiten, zur Schule gehen oder eine Familie gründen. Sie leben unter Umständen mit Nebenwirkungen und Spätfolgen von Erkrankung und Therapie und brauchen dabei Unterstützung durch die behandelnden und begleitenden Personen – auch im Bereich der Palliative Care.


Zeitschrift
pflegen: palliativ Nr. 45/2020 Krebs

In pflegen: palliativ Heft 45 „Krebs“ erfahren Sie mehr über Möglichkeiten und Grenzen unterstützender Selbstversorgung, zwischen denen die krebserkrankten Menschen während und nach ihrer Erkrankung wechseln.

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Die Rolle der Pflege

Die internationalen Entwicklungen zeigen, dass das Ausweiten der Versorgung von Menschen mit einer Krebserkrankung – von der medizinischen Erstbehandlung hin zu einer langfristigen Behandlung und Begleitung mit Nebenwirkungs- und Spätfolgenmanagement sowie der Begleitung im Alltag nach einer Behandlung – die Lebensqualität der Krebs-Überlebenden erheblich verbessert. Sie fühlen sich ernst genommen und sinnvoll begleitet (NCAT, 2010).Eine wichtige Rolle könnte hier die onkologisch und/oder palliativ weitergebildete Pflegefachperson einnehmen: Sie kann die betroffenen Menschen aufgrund ihrer Professionalität über den Zeitraum der Erkrankung und darüber hinaus begleiten. Durch ihre Qualifikation ist sie in der Lage, jede Erkrankungsphase zu beurteilen und am Bedarf orientiert einen Versorgungs- und Pflegeplan aufzustellen. Sie gibt ggf. Anregungen zur Versorgung zu Hause, im Alltag oder auf der Arbeit und gewährleistet so eine Kontinuität in der Begleitung, die es so in Deutschland noch nicht gibt.

Aufgaben der Pflegefachpersonen im Cancer Survivorship 

  • Case Management: kontinuierliche, systematisch aufgebaute, Begleitung Unterstützung bei präventiven Maßnahmen: Information und Unterstützung bei Vorsorgemaßnahmen, z. B. frühzeitige Erkennung von Krebs
  • bei Diagnosestellung: Teilnahme am Aufklärungsgespräch, Angebot eines Diagnosenachgesprächs, einer Beratung
  • im Behandlungsprozess: z. B. Begleitung, Organisation des Pflegeprozesses, Teilnahme an Tumorkonferenzen
  • während und nach der Überleitung in den ambulanten Bereich: z. B. Symptomkontrolle, Nebenwirkungsmanagement, psychosoziale Koordination (inklusive Umfeldbetreuung), Notfalltelefon, Vernetzung aller an der Behandlung Beteiligten zur optimalen individuellen Betreuung des Patienten in seinem Lebensumfeld
  • nach Beendigung der Behandlung: weitere Begleitung nach Bedarf – im Rahmen von präventiven Hausbesuchen / Telefonaten, Unterstützung zur Wiederaufnahme des Alltags / des Berufs, Familiengesundheitspflege
  • Entwicklung und Aufnahme von Konzepten: zur Patientenedukation und zum Umgang mit Emotionen in die Regelversorgung, nicht nur als freiwilliges Angebot bei Rezidiven: Versorgung / Betreuung während der Behandlung, Anbahnung einer palliativen Begleitung
  • palliative Begleitung: Türöffner zur SAPV, flankiert die Behandlung ggf. weiter.

Literatur

Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg (2011): CAESAR Cancer Survivorship – a multi-regional populationbased study. Online unter https://www.dkfz.de/de/klinepi/Projekte/Caesar-Studie.html (eingesehen am 15.11.19)

Feuerstein, M. (2007): A Handbook of Cancer Survivorship. New York: Springer Science + Business Media

Günster, C.; Klose, J.; Schmacke, N. (Hrsg.) (2011): Versorgungsreport 2011. Stuttgart: Schattauer

Kendall, S. (Hrsg.) (1998): Health and Empowerment – Research and Practice. London: Arnold

Leitlinienprogramm Onkologie (2018): Interdisziplinäre S3 Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms der Frau. Online unter https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Mammakarzinom_4_0/Version_4.1/LL_Mammakarzinom_Kurzversion_4.1.pdf (eingesehen am 29.10.19)

National Cancer Action Team (2010): National Cancer & Palliative Care Rehabilitation Workforce Project. Online unter https://webarchive.nationalarchives.gov.uk/20110316105553/http://www.ncat.nhs.uk/ (eingesehen am 15.11.19)

National Cancer Action Team (2010): Living with and beyond cancer. Online unter https://webarchive.nationalarchives.gov.uk/20110930003815/http://ncat.nhs.uk/our-work/living-with-beyond-cancer/cancer-rehabilitation (eingesehen am 15.11.19)

Robert Koch Institut (RKI) (2017): Krebs in Deutschland 2013/2014. Online unter: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/kid_2017/krebs_in_deutschland_2017.pdf?__blob=publicationFile (eingesehen am 17.11.19)

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