Wenn das Schlucken schwerfällt

Pflege bei Dysphagie: Symptome im Pflegealltag erkennen

Schluckstörungen (Dysphagien) können unentdeckt und unbehandelt gefährlich werden. Hier sind vor allem Pflegefachpersonen gefragt, um durch Beobachtung entsprechende Symptome frühzeitig zu erkennen. Welche Symptome auf unentdeckte Dysphagien hinweisen können und wie die Pflege bei Dysphagie gewährleistet werden kann, lesen Sie im Beitrag.

Dysphagie. Herausforderung im pflegerischen Berufsalltag
Pflege bei Dysphagie: Auf diese Symptome sollten Sie als Pflegefachperson achten © Kristo-Gothard Hunor/shutterstock.com

Schluckstörungen können erhebliche Folgen nach sich ziehen. Die Pflege bei Dysphagie fordert daher einen sensiblen Umgang mit den betroffenen Menschen.

Jeder Mensch schluckt täglich etwa 1.000 Mal, was meistens automatisch und unbewusst abläuft. Gesteuert wird dieser komplexe Vorgang über die Großhirnrinde und den Hirnstamm sowie durch fünf Hirnnerven. 50 Muskelpaare sind am Schluckvorgang beteiligt und koordinieren das Zusammenspiel von Lippen, Unterkiefer, Zunge, Gaumen, Rachen, Kehlkopf und Speiseröhre.

Beispiele für Funktionsstörungen beim Schluckvorgang:

  • Der Speisebrei entgleitet unkontrolliert nach vorn aus dem Mund (Anteriores leaking)
  • Der Speisebrei entgleitet unkontrolliert nach hinten in den Rachenraum (Posteriores leaking)
  • Es sammelt sich vor Auslösung des Schluckreflexes Speisebrei im Rachen an (Pooling)
  • Es verbleiben nach dem Schlucken Speisereste im Mundraum, Rachen oder Kehlkopf (Residuen)
  • Der Speisebrei dringt in die Nase oder in den Kehlkopfeingang ein, was Penetration genannt wird.
  • Der Speisebrei dringt in die Luftwege ein (Aspiration)

Beobachtungen zu Dysphagien im Pflegealltag 

Verschiedene direkte und indirekte Symptome können auf eine noch unentdeckte Schluckstörung hinweisen.

Direkte Symptome 

  • Auffällig langsames Essen und nur geringe Mengen (oder Nahrungsverweigerung) aus Furcht, sich zu verschlucken
  • häufiges Verschlucken
  • häufiges Räuspern oder Husten
  • rasselnde Atemgeräusche
  • gurgelnde Stimme beim Sprechen
  • Speichel beziehungsweise Nahrung tritt ungewollt aus dem Mund aus
  • Niesen beim Essen, Austritt von Speichel, Nahrung oder Flüssigkeit aus der Nase
  • Nahrungsansammlungen und –reste im Mund und Rachen

Indirekte Symptome 

  • Gewichts- und Flüssigkeitsverlust
  • Zeichen einer Mangelernährung
  • Fieber unklarer Ursache
  • Lungenentzündung sowie Bronchitis

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Bei einem Verdacht auf eine Dysphagie können Screeningverfahren eine schnelle Therapieentscheidung ermöglichen, wie der Aspirationsschnelltest und die klinische Schluckuntersuchung.

Aspirationsschnelltest beim Verdacht auf Dysphagien

Beim Aspirationsschnelltest werden Schluckversuche mit 1, 3, 5, 10 und 90 Milliliter Wasser durchgeführt. Geprüft wird, ob die Patientin/der Patient oder die Bewohnerin/ der Bewohner diese Menge austrinken kann, hustet oder eine feucht-gurgelnde Stimmqualität aufweist.

Klinische Schluckuntersuchungen

Bei der klinischen Schluckuntersuchung werden nach einer Anamnese und der Überprüfung schluckrelevanter Funktionen Schluckproben mit Wasser, Götterspeise und fester Nahrung durchgeführt.

Negative Auswirkungen von Nahrungseigenschaften bei Dysphagien

Die Konsistenz ist der zentrale Parameter bei der Gestaltung der Verpflegung für Menschen mit Kau- und Schluckstörungen. Eine besondere Aspirationsgefahr besteht beim Verzehr von Speisen mit gemischten Konsistenzen, zum Beispiel Brühe mit Einlage oder Joghurt mit Fruchtstücken. Während der feste Nahrungsanteil noch zerkaut wird, kann der flüssige Anteil vorzeitig in den Rachen übertreten und ungewollt in die Lunge gelangen. Daneben haben Geschmack, Geruch, Temperatur und Volumen der Speisen Einfluss auf die Speichelproduktion sowie die Schluckauslösung.

Bei der Behandlung von Dysphagien arbeiten idealerweise Pflegefachpersonen, Ärztinnen und Ärzte  verschiedener Fachrichtungen sowie Ernährungsfachkräfte und Physiotherapeutinnen und -therapeuten zusammen in einem interdisziplinären Team.


Literatur

Bartolome G., Schröter-Morasch H. (2014): Schluckstörungen: Diagnostik und Rehabilitation. Urban & Fischer, München
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.) (2015): Essen und Trinken bei Kau- und Schluckstörungen im Alter. DGE, Bonn
Gebert, C. (2012): Dysphagie: Schluckstörungen rechtzeitig erkennen und behandeln. Online-
Veröffentlichung: https://docplayer.org/25314050-Heilberufe-pflege-dossier-dysphagie-schluckstoerungen-rechtzeitig-erkennen-und-behandeln-fortbildung-mit-zertifizierung.html (eingesehen am 24. Januar 2019)
Herbst, W. (2006): Dysphagie Schluckstörungen nach Schlaganfall und Schädel-Hirn-Trauma. Schulz-Kirchner- Verlage, Idstein
Ledochowski, M. (2010): Klinische Ernährungsmedizin. Springer-Verlag, Wien
Wendler, J.; Seidner, W.; Eysholdt, U. (2015): Lehrbuch der Phoniatrie und Pädaudiologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart

* Für Angaben und Dosierungsanweisungen und Applikationsformen kann vom Verlag keine Gewähr übernommen werden. Entsprechende Angaben sind vom jeweiligen Anwender im Einzelfall zu überprüfen. 

Fakten zum Artikel
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