Orale und intestinale Mukositis

Eine Vielzahl von Bakterien können können Schleimhautentzündungen verursachen
Eine Vielzahl von Bakterien können können Schleimhautentzündungen verursachen, Foto: © Creations | Shutterstock.com
Damit der Körper zugeführte Nahrung durch das als langer Muskelschlauch angelegte Verdauungssystem (Hartmann, 2012) richtig verwerten kann, müssen hochkomplexe Vorgänge in Gang gesetzt werden, bei denen jeder beteiligte Abschnitt seine eigenen Aufgaben hat. Nur wenn alles reibungslos zusammenspielt, wenn Verdauung, Resorption, Motilität und Sekretion (Smith & Morton, 2017) richtig funktionieren, fühlt sich der Mensch wohl.
Funktionen der Schleimhaut der Verdauungsorgane
Die Verdauungsorgane Mund, Speiseröhre, Magen und Darm sind an der Innenseite mit einer Schleimhaut (lat. Tunica mucosa) ausgekleidet, damit die Nahrung aufgespalten und aufgenommen werden kann. Diese Schleimhaut besteht aus nicht verhorntem Epithel- und Drüsengewebe. Je nach Verdauungsabschnitt, ist sie unterschiedlich aufgebaut, z.B. im Dünndarm mit Zotten, die die Oberfläche vergrößern, und hat schiedene Aufgaben:
  • erhöht die Gleitfähigkeit des Verdauungsschlauchs
  • schützt vor mechanischen (z.B. Verletzungen), thermischen (Hitze) und chemischen (z.B. Säure) Reizen
  • dient der Nährstoffaufnahme
  • sowie der Enzymabgabe (Andreae et al., 2006).
Mukositis und Stomatitis
Bei Patienten, die palliativ gepflegt und behandelt werden, kann sich die Schleimhaut des Verdauungstrakts entzünden. Diese Entzündung wird in der Fachsprache als Mukositis bezeichnet. Eine Sonderform der Mukositis liegt vor, wenn die Mundschleimhaut entzündet ist; hier spricht man von einer Stomatitis, auch orale Mukositis genannt. Circa 40 Prozent der Patienten, die eine Chemotherapie erhalten, entwickeln in der Folge eine Stomatitis, bei einer Stammzellentransplantation sind es nahezu 80 Prozent der Betroffenen (Oncology Nursing Society, 2016). Somit verwundert es nicht, dass das Thema vor allem in der onkologischen Pflege bzw. in der onkologischen Palliative Care hohe Relevanz hat. Neben der Chemotherapie können ausgeprägte Mundtrockenheit, Entzündungen durch Bakterien oder Pilze und Bestrahlungen im Mund-Rachen-Raum eine Mundschleimhautentzündung verursachen (DKG et al., 2017; Bausewein et al., 2012).
Symptome
Zu erkennen ist die Stomatitis an einer geröteten und geschwollenen Mundschleimhaut. Die Patienten berichten über Schmerzen und Brennen beim Essen und Kauen. Dies sind die Anzeichen des ersten Entzündungsstadiums. Im Verlauf können runde bis ovale Schleimhautschäden (Aphthen) und -wunden mit oder ohne Beläge hinzukommen. Um den Grad der Stomatitis zu bestimmen und die Behandlungserfolge zu evaluieren, können verschiedene Grade der Entzündung unterschieden werden (➝ Tabelle 1 ).
Die Stomatitis hat bereits ab Grad 3 weitreichende Auswirkungen, da es in der Folge zu Anorexie, Dehydration, Mangelernährung und Gewichtsabnahme kommen kann (Oncology Nursing Society, 2016).
Prävention und Behandlung
Lokal kann der Stomatitis mit regelmäßigen Mundspülung mit Wasser oder NaCl 0,9 Prozent vorgebeugt werden. Im Zusammenhang mit einer chemotherapeutischen Behandlung mit Bolus 5-Fluorouracil ist eine Prävention mittels Kryotherapie erfolgreich. Dazu werden 30 Minuten lang Eiswürfel gelutscht (DKG et al., 2017).
Wichtiges Element der pflegerischen Behandlung ist darüber hinaus die regelmäßige Inspektion der Mundhöhle ( Beitrag Steudter) mithilfe eines standardisierten Assessmentinstruments, wie beispielsweise von Eilers et al. (1988) entwickelt. Behandelt wird die Mundschleimhautentzündung mit lokalen (z.B. Lidocain-Gel) oder systemisch verabreichten Medikamenten (z.B. Opioiden).
Die Nahrung sollte entsprechend angepasst werden: weich, keine Brotrinde, keine scharfen Speisen. Darüber hinaus ist auf eine gute Mundpflege/-hygiene zu achten (DKG et al. 2017). Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr hält die Schleimhäute feucht, was den Heilungsverlauf positiv unterstützt (Heinerling et al., 2014).
Ähnlich wie im Mund, können sich Schleimhautveränderungen an anderen Stellen im Verdauungsapparat entwickeln. Häufig ist der Darm betroffen. Die Patienten leiden...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 37 / 2018

Gastrointestinale Symptome