Marco Warth

Musiktherapie – ein komplementäres Angebot

Musiktherapie kann Entspannung bringen und positive Erinnerungen wecken
Musiktherapie kann Entspannung bringen und positive Erinnerungen wecken, Foto: © SRH Hochschule Heidelberg

Marco Warth

Die meisten Menschen kennen den Einfluss von Musik auf Stimmungen und Gefühle aus dem Alltag. in der Musiktherapie wird dieser Effekt gezielt zum besseren Umgang mit seelischen und körperlichen Erkrankungen genutzt. Der Artikel gibt einen Überblick über die Einsatzmöglichkeiten und Wirkungen von Musiktherapie am Lebensende.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit, Fragen nach der Sinnhaftigkeit des Lebens, Angstgefühle und Hoffnungslosigkeit, ungeklärte Konflikte mit nahestehenden Personen all das sind Themen, die häufig eine professionelle psychosoziale Betreuung in palliativen Kontexten bedingen. Welches Therapieangebot am besten geeignet ist, mag von Patient zu Patient stark variieren. Dennoch zeigen die Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte, dass gerade die kreativtherapeutische Auseinandersetzung mithilfe von Kunst und Musik in existenziell belastenden Situationen vielversprechend sein kann.
Was ist Musiktherapie?
Von Musiktherapie spricht man, wenn ein professionell ausgebildeter Therapeut Musik einsetzt, um gemeinsam mit dem Patienten oder Bewohner gesundheitsfördernde oder -erhaltende Prozesse in Gang zu setzen (Körber, 2013). Dabei werden aktive Techniken, bei denen der Patient selbst durch Instrumentalspiel oder seine Stimme an der Musikproduktion mitwirkt, von rezeptiven Techniken abgegrenzt, bei denen der Fokus auf dem aktiven Hören von Musik und Klängen liegt (Moreau et al., 2013).
Der Einsatz von Musik zu Heilungszwecken reicht bis weit in die Antike zurück. Trotzdem ist Musiktherapie im modernen Gesundheitssystem eine vergleichsweise junge Disziplin. Nach ersten Initiativen im angloamerikanischen Raum, wo sie bis heute häufig in einem funktional ausgerichteten Wirkverständnis Einsatz findet, entwickelte sich die Musiktherapie in Europa ab den 1950er-Jahren als psychotherapeutisch ausgerichtetes akademisches Fach (Körber, 2013).
In Deutschland findet Musiktherapie vor allem als komplementäres Therapieangebot in der psychiatrischen, psychosomatischen, neurologischen, geriatrischen, pädiatrischen, intensiv- und palliativmedizinischen Versorgung Anwendung (Warth et al., 2015). Sie wird aber auch vereinzelt ambulant als eigenständiges Therapieverfahren angeboten.
Wie arbeiten Musiktherapeuten im palliativen Setting?
Bereits Balfour Mount, Mitbegründer und Namensgeber von Palliative Care, arbeitete auf der weltweit ersten Palliativstation in Montreal eng mit der Musiktherapeutin Susan Munro zusammen. Ende der 1970er-Jahre publizierten beide grundlegende Arbeiten, die einen noch heute gültigen Überblick über die möglichen Wirkmechanismen von Musiktherapie auf psychischer, physischer, sozialer und spiritueller Ebene geben (Munro & Mount, 1978).
In den folgenden Jahrzehnten erfuhr die Musiktherapie − ebenso wie andere nicht-medizinische Verfahren − eine steigende Anerkennung im sich entwickelnden Feld von Palliative Care. Dieser Bereich vertrat schneller als andere medizinische Disziplinen ein ganzheitliches, bio-psycho-soziales Verständnis von Krankheit und Gesundheit (Munro & Mount, 1978).
Heute wissen wir aus empirischen Studien, dass Musiktherapie in der Palliativversorgung eine hohe Akzeptanz durch andere Berufsgruppen erfährt (OKelly & Koffman, 2007) und häufig als komplementäres Therapieverfahren eingesetzt wird (Bercovitz et al., 2011).
Unterstützung von medizinisch-pflegerischer Behandlung
Musiktherapie hat zum Ziel, die medizinisch-pflegerische Behandlung von Symptomen wie Schmerzen, Atemnot oder Erschöpfung (Fatigue) zu unterstützen und die emotionale Auseinandersetzung mit schwierigen Gefühlenwie Angst, Hoffnungslosigkeit und Depressionzu erleichtern. Darüber hinaus können mit rezeptiven musiktherapeutischen Angeboten auch Patienten erreicht werden, die aufgrund kognitiver und neurologischer Einschränkungen nicht mehr ansprechbar sind. Nicht zuletzt bieten künstlerische Ausdrucksformen gerade zum Lebensende hin die Möglichkeit zur...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 38 / 2018

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Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Praxis