Heller leuchten

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Licht in der Pflege von Menschen mit Demenz längst kein Mythos mehr

Kontraste, Helligkeit, Schatten und Spiegelungen all das kann die Wahrnehmung und das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz beeinflussen. Das ist längst kein Mythos mehr, sondern wissenschaftliche Erkenntnis. Barbara Benk und Dr. Beate Radzey bringen Licht ins Dunkel, informieren über die aktuellen Forschungsergebnisse und geben Empfehlungen für eine lichtdurchflutete Pflegeeinrichtung.

Seit einem Forschungsprojekt in den 1990er-Jahren ist das Vorhalten hoher Beleuchtungsstärken (500 Lux) ein zentrales Thema bei der Gestaltung von Wohn- und Lebenswelten für Menschen mit Demenz (Damowski et al., 1994). Was einst eher als etwas willkürliche normative Setzung bzw. Empfehlung begann und auch immer wieder infrage gestellt wurde, hat mittlerweile eine solide empirische Grundlage. Es ist unter Experten unbestritten, dass Licht eine wichtige Rolle im Hinblick auf das Wohlbefinden und die Unterstützung von Kompetenzen bei Menschen mit Demenz haben kann. Gutes Licht und ein gutes Beleuchtungskonzept sind damit zentrale Qualitätsmerkmale von Wohnumgebungen für alte und kognitiv eingeschränkte Menschen.
Ausgangspunkt aller Überlegungen ist die Tatsache, dass Menschen mit Demenz in ihrem Alltag neben den alterstypischen Einschränkungen auch noch mit zunehmenden Wahrnehmungs- und Interpretationsschwierigkeiten zurechtkommen müssen. Sie haben es schwer, „den Durchblick zu behalten, und brauchen deshalb ein Mehr an gutem Licht, das sie in drei wesentlichen Wirkungsbereichen unterstützen und damit wesentlich zum Wohlbefinden beitragen kann:
Wo viel Licht ist, ist viel Schatten: Visuelle Lichtwirkung Sehen im Alter braucht gutes Licht
Jeden Morgen können wir erleben, wie sehr unsere Sehfähigkeit vom Licht abhängt. Was in der Natur in der beginnenden Dämmerung noch kaum Farben zeigt, wird unter hellem Sonnenlicht bunt und kontrastreich. Wir sehen mehr Details, wesentlich deutlicher und in einem weiteren Sehwinkel. Das gibt eine Sicherheit, die wir im Dämmerungslicht nicht spüren. Ähnlich ergeht es Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen, denn im Alter braucht gutes Sehen und Erkennen bis zu viermal höhere Beleuchtungsstärken als in jungen Jahren.
Wo die Sonne nicht hinkommt, ist der Doktor nicht fern: Biologische Lichtwirkung der Biorhythmus
Wer kennt nicht die Sehnsucht nach einem hellblauen Himmel mit Sonnenschein, wenn er sich an einem dunklen Wintermorgen aus dem Bett quält und über den Tag häufig auch noch unter gleichförmigem Kunstlicht gegen die getrübte Stimmung und lastende Müdigkeit ankämpft. „Das Wetter mit seinen vielfältigen Licht-, Luft-, Temperatur- und Wasserszenarien ist nicht nur beliebtes Gesprächsthema, sondern die Ursache für vielerlei menschliche Befindlichkeiten.
Seit es Menschen gibt, formt der Wechsel der Jahreszeiten und das modulierende Tageslicht ihren Biorhythmus: Licht- und Klimareize steuern die innere Uhr durch die Tages- und Jahreszeiten. Dieser circadiane Rhythmus des Menschen, der den Schlaf-Wach-Zyklus, den Stoffwechsel und die Leistungsphasen reguliert, muss täglich aufs Neue durch Tageslicht synchronisiert werden. Fehlt diese Synchronisierung, kommt der Biorhythmus, die innere Uhr, aus dem Takt, was zu Müdigkeit bis zur Umkehr des Schlaf-Wach-Verhaltens führen kann.
Auch für die Synthese des für den Knochenaufbau und das Immunsystem so notwendigen Vitamin D brauchen Menschen täglich für mindestens 15 bis 30 Minuten das direkte Sonnenlicht auf der unbedeckten Haut von mindestens Gesicht und Händen.
Wenn die Sonne aus allen Knopflöchern scheint Emotionale Lichtwirkungen
Auch das Wohlbefinden und die Stimmung des Menschen hängen vom Tageslicht ab, dem wir in jedem Frühjahr, wenn die Tage wieder sonniger und länger werden, eine der schönsten kollektiven Gute-Laune-Phasen verdanken. Vor allem in zahlreichen arbeitswissenschaftlichen Studien wurde untersucht, wie die...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 53 / 2019

Team

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: Demenz" Wissenschaft