Elke Steudter

Die geriatrischen Riesen

Funktionseinschränkungen im Alter beeinträchtigen die Lebensqualität
Funktionseinschränkungen im Alter beeinträchtigen die Lebensqualität , Foto © : Angelika Kampfer

Elke Steudter

Wie Inkontinenz, Immobilität & Co. das Leben im Alter verändern

Die „geriatrischen Is machen vielen alten und kranken Menschen das Leben schwer. Angst,Depressionen, Scham und Einbußen der Lebensqualität sind mögliche Folgen. Deshalb muss die Palliative Care diese Syndrome stets im Blick haben.

Sehr alt zu werden ist kein Zuckerschlecken (Schäfer, 2007: 38). Dieses Zitat wird dem Berliner Altersforscher Paul Baltes zugesprochen. Obwohl er selbst weniger als sieben Jahrzehnte gelebt hat, kam er nach unzähligen Studien mit alten Menschen zu diesem Schluss.
Auch heute zählt das Alter und insbesondere das sehr hohe Alter zu den großen Herausforderungen des Menschen. In einer Zeit, die prognostiziert, der Mensch könne über 120 Jahre alt werden (Schosserer et al, 2015), wenn er denn wolle. Aber genau hier liegt die Krux: Viele möchten alt werden aber niemand möchte alt sein. Denn ohne Veränderungen, wie Funktionseinschränkungen, geht es nun einmal nicht. Diese beginnen im menschlichen Körper schon in jungen Jahren, in einer Lebensspanne, in der wohl niemand ans Alter denkt (Kressig, 2013).
Alter als Prozess der Veränderung nicht der Defizite
Die Veränderungen im Alter sind vielfältig und weisen meist in eine Richtung: Der Körper ist immer weniger in der Lage, seine Funktionen ohne Einschränkungen aufrechtzuerhalten (Alterung.eu, 2019). Dies führt leider auch heute noch dazu, dass das Alter bzw. der alte Mensch überwiegend durch die Brille der Defizite betrachtet wird. Überall ist von körperlichem und kognitivem Abbau zu lesen, in manchen Fällen auch von Verfall. Das ist keine schöne Um- und Beschreibung für das Menschlichste überhaupt.
Aber es soll auch nichts beschönigt werden vielfach begleiten Schlafstörungen, Veränderungen der Urinausscheidung, Schmerzen und andere Gesundheitsprobleme das Altwerden. In der Geriatrie hat sich für diese Art von Altersleiden der Begriff „geriatrische Riesen oder „geriatrische Is etabliert, weil die Beschwerden alle mit „I beginnen wie beispielsweise
  • Insomnie (Schlafstörungen)
  • Inkontinenz
  • Immobilität
  • Instabilität mit nachfolgend erhöhter Sturzgefahr
  • Veränderungen im Intellekt, also der kognitiven Fähigkeiten
  • Inappetenz (Zeyfang et al., 2018).
Werden alte und hochbetagte Menschen palliativ versorgt, müssen diese geriatrischen Syndrome stets in Verbindung mit dem Leiden, das die palliative Pflege nötig macht, gesehen werden. So verbindet die geriatrische Palliative Care die Sichtweisen beider Ansätze und vereint sie zu einem Ganzen (siehe Beitrag Steudter).
Inkontinenz und Förderung der Kontinenz
Genaue Angaben darüber, wie viele alte Menschen an einer Harninkontinenz leiden, sind kaum möglich, da die Zahlen in der Regel auf Befragungen beruhen. Deren Ergebnisse können aufgrund von Schamgefühlen oder weil Inkontinenz sozial nicht erwünscht ist, deutlich von der Realität abweichen. Es zeigt sich jedoch in den meisten Erhebungen, dass Frauen zwei- bis viermal häufiger von einer Harninkontinenz betroffen sind als Männer und dass es zu einem deutlichen Anstieg der Prävalenz jenseits des 60. Lebensjahrs kommt (Robert-Koch Institut, 2007). Man schätzt, dass ca. 23 Prozent der über 60-Jährigen an einer Harninkontinenz leiden (Beutel et al., 2005, in: Berberich, 2014).
Der Expertenstandard zur Förderung der Harnkontinenz (DNQP, 2014) teilt die Kontinenz bzw. die Inkontinenz in verschiedene Profile ein abhängig davon, ob Inkontinenzmaterialien eingesetzt werden und ob die Versorgung damit selbstständig von den Betroffenen erfolgen kann oder nicht. So kann sich beispielsweise die Inkontinenz als unabhängig kompensierte Inkontinenz oder als abhängig kompensierte Inkontinenz präsentieren.
Beeinträchtigung der Lebensqualität
Unabhängig davon, welche Form der Inkontinenz vorliegt, hat sie Folgen für die betroffenen Menschen. Dazu zählen beispielsweise Angst, Depression, Erschöpfung und Einbußen in der Lebensqualität (Berberich,...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 43 / 2019

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