Blogreihe: gastrointestinale Symptomen in palliativen Situationen

Aszites: Die typischen Anzeichen

Beschwerden des Magen-Darm-Trakts können viele Ursachen haben und führen bei Menschen in palliativen Situationen zu einer zusätzlichen Belastung. Umso wichtiger ist es, auf die ersten Anzeichen zu achten! Welche Symptome lassen sich bei einer Aszites beobachten? Warum entsteht sie und welche pflegerischen Handlungen können die Beschwerden lindern?

Aszites: Was ist das?

Unter Aszites versteht man eine sogenannte Bauchwassersucht, eine Flüssigkeitsansammlung in der freien Bauchhöhle (Peritonealraum). Bei 80 Prozent der Betroffenen entwickelt sich ein Aszites infolge von Lebererkrankungen, meist Leberzirrhose. Etwa zehn Prozent leiden unter einem malignen Aszites, d.h., die Bauchwassersucht wird durch eine Tumorerkrankung verursacht.

Ursachen und Entstehung

Pfortaderstau

Bei Lebererkrankungen kommt es zu einem Rückstau von venöser Flüssigkeit, die aus der Pfortader nicht mehr durch die Leber abfließen kann. Bei der sogenannten portalen Hypertonie staut sich die Flüssigkeit vor der Leber und wird durch Diffusion/Osmose in den freien Bauchraum abgesondert. Rückstauungen sind auch bei einer Rechtsherz- und/oder Niereninsuffizienz möglich.

Maligner Aszites

Ovarial-, Kolon- Magen-, Galle-, Leber- und Pankreaskarzinome können zu venös oder lymphatisch bedingten Abflussbehinderungen innerhalb des Bauchraums (intraabdominell) führen und dadurch die Wasseransammlung auslösen. Metastasen in der Leber können ebenfalls diese Rückstauung bedingen. Eine sogenannte Peritonealkarzinose liegt vor, wenn Metastasen ins Bauchfell (Peritoneum) gewandert sind. Diese können zu einer Reizung des Bauchfells führen und in der Folge eine Flüssigkeitsansammlung (Exsudat) bewirken. Besteht gleichzeitig noch eine Mangelernährung speziell mit Eiweißmangel, kann das fehlende Eiweiß im Blut dazu führen, dass durch Osmose noch mehr Flüssigkeit aus den Venen in den freien Bauchraum austritt (extravasal); denn venöse Flüssigkeit bindet sich in der Regel an das Eiweiß im Blut (intravasal). Symptome Typische Anzeichen der Bauchwassersucht sind: deutlich vergrößerter Bauchumfang Druckgefühl/Völlegefühle im Bauch (intraabdominell) frühes Sättigungsgefühl Atemnot Schmerzen eingeschränkte Mobilität Übelkeit, Erbrechen, Appetitstörungen, Sodbrennen z. T. Ödeme in den unteren Extremitäten bzw. Genitalien.


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Typische Anzeichen der Bauchwassersucht

  • deutlich vergrößerter Bauchumfang
  • Druckgefühl / Völlegefühle im Bauch (intraabdominell)
  • frühes Sättigungsgefühl
  • Atemnot
  • Schmerzen
  • eingeschränkte Mobilität
  • Übelkeit, Erbrechen, Appetitstörungen, Sodbrennen
  • z. T. Ödeme in den unteren Extremitäten bzw. Genitalien

Pflegerische Interventionen und Beratung

Patienten mit Aszites brauchen

  • Unterstützung und Anleitung zur Mobilisation, z.B. durch kinästhetische Bewegungsschulung oder Hilfsmittel wie Rollator
  • Lagerungshinweise und Hilfsmittel für eine atemunterstützte oder schmerzarme Lagerung
  • eine fürsorgliche Hautpflege der gespannten und gestressten Bauchhaut
  • individuelle Lösungen für eine angepasste bequeme Kleidung

Die Körperbildveränderung belastet darüber hinaus viele schwerkranke Menschen auch psychisch; sie neigen zu Rückzug und Isolation. Baden in Meersalz kann die Schwere des Bauchs kurzfristig erleichtern. Liegt zusätzlich ein Leberkapselschmerz vor, können Ölauflagen mit Schafgarbe, Tonka und Melisse angeboten werden, vorzugsweise in der Mittagszeit, da dann die Leberaktivität am stärksten ist.


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Literatur

Bausewein, C.; Roller, S.; Voltz, R. (2015): Leitfaden Palliative Care. 5. Auflage. München: Urban & Fischer
Becker, G.; Jaroslawski, K.; Momm, F. et al (2009): Maligner Aszites: Pathogenese, Diagnose und Möglichkeiten der Symptomkontrolle. Z Palliativmed 10:141–153
Ferrell, B.; Coyle, N.; Paice, J. A. (2015): Oxford textbook of palliative nursing. Oxford: Oxford University Press 
Jaroslawski, K.; Siemens, W.; Becker, G. (2014): Maligner Aszites. Pathogenese – Diagnostik – Behandlungsmöglichkeiten. Onkologe; 20:1003-1009
Rémi, C. (Hrsg.) (2015): Arzneimitteltherapie in der Palliativmedizin. 2. Auflage. München: Urban & Fischer
Ständer, S.; Zeidle, C.; Augustin, M.; , Gudrun Bayer, G. et al. (2016): S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des chronischen Pruritus Leitlinie chronischer Pruritus, AWMF-Reg.Nr.: 013-048; Version 3.0/2016, Stand: 08.05.2016

*Für Angaben und Dosierungsanweisungen und Applikationsformen kann vom Verlag keine Gewähr übernommen werden. Entsprechende Angaben sind vom jeweiligen Anwender im Einzelfall zu überprüfen.

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