Matthias Hoffmann

Das Für und Wider von Ergänzungsnahrung

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Matthias Hoffmann

Mangelernährung beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität von Palliativpatienten, sondern auch den Behandlungserfolg. Nahrungsergänzung ist daher oft ein wichtiger Bestandteil der Therapie − insbesondere auch bei Personen mit einer gastrointestinalen Symptomatik. Doch die Konzepte müssen individuell auf den betroffenen Menschen abgestimmt sein, denn der Ernährungssupport birgt auch Risiken.

Menschen in palliativen Situationen sind eine sehr heterogene Gruppe. Die Grunderkrankungen und/oder medizinischen Maßnahmen wie Operationen oder Medikationen können zu vielfältigen Störungen des Ernährungszustands beitragen und zu einem Ungleichgewicht zwischen Nährstoffbedarf und -aufnahme führen. Die Ernährungsprobleme sind dabei so unterschiedlich wie die betroffenen Personen. Daher sind individuell angepasste Konzepte unabdingbar.
Ursachen und Folgen von Mangelernährung
„Eure Nahrung soll Eure Medizin sein und Eure Medizin Eure Nahrung, befand schon Hippokrates im Jahr 377 v.Chr. (Otten et al., 2016). Dies zeigt, dass das Thema Ernährung für Pflege und Medizin seit jeher von zentraler Bedeutung ist.
So wurde z.B. beobachtet, dass mehr als 50 Prozent der Patienten mit einer onkologischen Erkrankung bereits vor der Diagnose unter Gewichtsverlust infolge zunehmender Inappetenz und verringerter Nahrungsaufnahme leiden. Mangelernährung führt aber zu einer deutlichen Verschlechterung der Lebenserwartung und Lebensqualität, zu geringerer Toleranz gegenüber den Therapien mit häufigeren Komplikations- und Abbruchraten sowie Krankenhausaufenthalten (Correia & Waitzberg, 2003; Löser et al., 2014; Lordick & Hacker, 2016).
In einer onkologischen Situation kann durch eine veränderte Stoffwechsellage die Entwicklung einer Mangelernährung begünstigt werden. Es kommt häufig zu erhöhtem Muskelabbau und Ganzkörper-Eiweißumsatz, wodurch sich der Proteinbedarf erhöht (Löser et al., 2014; Arends et al., 2015).
Im Zuge einer eingeschränkten Insulinresistenz zeigt sich eine verminderte Glukoseverwertung bei gleichzeitig normaler oder gesteigerter Fettverwertung; deshalb sollte die Energiezufuhr vorwiegend über Nahrungsfette gesteigert werden (Arends et al., 2015). Letzteres kann aber auch dann sinnvoll sein, wenn durch ausgeprägte Appetitlosigkeit normale Portionsgrößen kaum mehr gegessen werden können. Somit ist die Ernährung in diesem Fall sogar ein essenzieller Bestandteil der Therapie und damit weniger als Part der grundlegenden Bedürfnispflege anzusehen (Löser et al., 2014).
Pflegende, Therapeuten, erkrankte Menschen und deren Angehörige müssen beim Wechsel von einer kurativen in eine palliative Situation die Zielparameter einer Ernährungstherapie im Verlauf einer schweren Erkrankung stets überdenken Sinn und Machbarkeit und unter Berücksichtigung des Patientenwillens fortlaufend anpassen (Joray et al., 2012; Oehmichen et al., 2013).
Varianten der Nahrungsergänzung
Der Ernährungssupport sieht zunächst vor, alle Möglichkeiten der oralen Nahrungsaufnahme auszuschöpfen, um damit den Nährstoffbedarf auf dem natürlichsten Weg durch die Nahrung zu decken (Valentini et al., 2013; Löser et al., 2014) (s.Grafik 1 ).
Wenn die Normalkost allein nicht mehr ausreicht, ist diese Lücke mittels Diätberatung und Speisenanreicherung zu schließen. Darauf aufbauend können im nächsten Schritt auch Wege der künstlichen Ernährung wie orale bilanzierte Diäten OBD; im Folgenden als Trinkzusatznahrung bezeichnet ergänzende oder totale enterale/parenterale Ernährungsregime eingesetzt werden (Valentini et al., 2013).
Ein Durcharbeiten der Stufen sollte zwar im Hinblick auf die bevorzugte Optimierung der oralen Nahrungsaufnahme in Betracht gezogen werden, ist aber möglicherweise im Einzelfall nicht zielführend. Es kann Sinn machen, Stufen auszulassen, wenn diese nicht erfolgversprechend oder gar unmöglich erscheinen (Löser et al., 2014).
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 37 / 2018

Gastrointestinale Symptome

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Praxis