Umsetzung des HPGs in ambulanten Versorgungssettings

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Das Hospiz- und Palliativgesetz (HPG) soll die medizinische, pflegerische, psychologische und seelsorgerische Versorgung von Menschen in der letzten Lebensphase verbessern. pflegen: palliativ sprach mit der Betriebswirtin für Management im Gesundheitswesen, Cora Schulze, über den aktuellen Stand der Umsetzung der Richtlinien hinsichtlich der ambulanten Palliativversorgung und den sich daraus ergebenden Anforderungen in der täglichen Arbeit.

Häusliche Krankenpflege (HKP)
pflegen: palliativ: Frau Schulze, welche Veränderungen hat das HPG in der häuslichen Krankenpflege vorgesehen?
Cora Schulze: Ziel waren Verbesserungen für Palliativpatienten, die im eigenen Haushalt versorgt werden und keine − oder nur teilweise − Versorgung durch Teams der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV-Team) benötigen. Für diese Patienten sollte eine Leistung geschaffen werden, die sich nicht an den reinen behandlungspflegerischen Tätigkeiten, wie z.B. dem Verabreichen der Medikamente, sondern sich am benötigten palliativpflegerischen Zeitaufwand orientiert. So sollte dem unterschiedlichen Zeitbedarf einzelner Tätigkeiten Rechnung getragen werden, der bei der Versorgung von Palliativpatienten bei inhaltlich gleichen Tätigkeiten anfallen kann. Denn die Rahmenbedingungen bei der Patientenversorgung können sehr unterschiedlich sein.
Was wurde wie bis dato umgesetzt?
Die Abgrenzung zwischen der neuen palliativpflegerischen Leistung und der bereits seit Jahren etablierten SAPV gestaltete sich bei den neuen pflegerischen Leistungsziffern als äußerst schwierig. Der Beschluss für die neue Leistungsziffer hat sich daher verzögert. Im Dezember 2017 trat die Erweiterung der Häuslichen Krankenpflege Richtlinie (HKP)-Richtlinie für Palliativpatienten in Kraft, sodass jetzt die Vergütungsverhandlungen auf Landesebene begonnen haben. Ein Vertragsabschluss wird voraussichtlich frühestens in der zweiten Hälfte 2018 erfolgen.
Wie können die jeweiligen Entwicklungen gewertet werden?
Grundsätzlich ist eine Verbesserung der palliativpflegerischen Versorgung in den eigenen vier Wänden sehr zu begrüßen. Besonders kritisch ist jedoch, dass in der Leistungsbeschreibung weder die Koordination noch die Fahr- und Rufbereitschaft aufgeführt ist. Daher werden diese voraussichtlich bei der Refinanzierung nicht berücksichtigt. Vom Ergebnis der Vergütungsverhandlungen wird maßgeblich abhängen, ob die neue palliativpflegerische Versorgung in der Realität eine Rolle spielt. Denn es gibt einen vollständigen Leistungsausschluss zwischen der neuen Leistungsziffer und anderen abrechenbaren Leistungen aus der Behandlungspflege.
Was steht für diesen Bereich noch aus?
Anders als in anderen Versorgungsbereichen, wurde für ambulant versorgte Patienten kein Rechtsanspruch auf eine Beratung hinsichtlich der Versorgungwünsche in der letzten Lebensphase geschaffen. Dies sollte zeitnah nachgeholt werden.
Welche Anforderungen ergeben sich in der täglichen Arbeit?
Da die neue Palliativleistung als Komplexleistung verordnet wird, sollte zwingend geklärt werden, wie delegationspflichtige Leistungen im Rahmen der Palliativpflege dokumentiert und nachgewiesen werden.
Stationäre Pflegeheime
Welche Veränderungen hat das HPG für Menschen gebracht, die in Pflegeheimen leben?
Die Versorgung von Heimbewohnern blieb bei der Refinanzierung im HPG unberücksichtigt. Es wurde lediglich festgestellt, dass Palliativpatienten seit jeher in Pflegeheimen versorgt werden.
Was wurde bis dato umgesetzt?
Zur Verbesserung der hospizlichen Begleitung von Menschen in Pflegeheimen wurde im Rahmen der Qualitätssicherung der schriftliche Nachweis einer Kooperation eines Hospiz- und Palliativnetzes mit Pflegeheimen verpflichtend eingeführt. Um die medizinische Versorgung in Pflegeheimen zu verbessern bzw. Kooperationsverträge zwischen niedergelassenen Ärzten und Pflegeheimen zu fördern, wurden neue Leistungsziffern für niedergelassene Ärzte und ihre nicht-ärztlichen...
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aus: pflegen Palliativ Nr. 38 / 2018

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