Elke Steudter

Verständlich kommunizieren –Gesundheitskompetenz stärken

© iStock.com/Prostock-Studio

Elke Steudter

Pflegende sind wichtige Ansprechpartner für viele Fragen rund um die Gesundheit. Ob beim Eintritts- oder Informationsgespräch, bei der Austrittsplanung oder bei der Erklärung von pflegerischen Handlungen eine patientenorientierte, verständliche Kommunikation kann kranken Menschen helfen, sich besser und bewusster mit der eigenen Gesundheit auseinanderzusetzen. Der Nationale Aktionsplan Gesundheitskompetenz zeigt, worauf es dabei ankommt.

Gesundheit ist ein hohes Gut. Sie zu schützen und möglichst lange zu erhalten, ist ein wichtiges individuelles und gesamtgesellschaftliches Anliegen. Menschen sollen eigenverantwortlich mit ihrer Gesundheit umgehen, darauf bezogene Fragen bewusst wahrnehmen und entsprechend handeln können.
Das ist ein hoher Anspruch und es gelingt längst nicht allen Menschen. Genau hier liegt die politische, gesellschaftliche, aber auch wissenschaftliche und gesundheitspraktische Herausforderung. Denn der heutige Lebensstil ist nicht immer der Gesundheit förderlich. Das ist für viele Bereiche − z.  B. Ernährung, Bewegung oder Suchtsubstanzen −, hinlänglich bekannt und untersucht. Dennoch verzehren viele Menschen zu viel Zucker und Fett, bewegen sich zu wenig, rauchen und trinken mehr Alkohol, als empfohlen wird.
Gesundheit ist aber nicht nur ein Bereich, der das Private betrifft. Die Gesundheits- oder vielmehr die Krankheitskosten werden in vielen Ländern durch die Krankenkassenbeiträge finanziert und so auf alle Versicherten verteilt. Mehr kranke Menschen generieren höhere Krankheitskosten für die Gemeinschaft. Da liegt es nahe zu überlegen, wie die Gesundheit gefördert und Krankheiten verhindert werden können.
Noch konkreter stellt sich dabei die Frage: Wie sollen Menschen befähigt werden, besser mit ihrer Gesundheit umzugehen, sie zu schützen und zu erhalten? Auch für die Palliative Care ist dies ein wichtiger Aspekt, denn die Anzahl der chronisch erkrankten Menschen steigt. Damit sie möglichst lange gut und selbstbestimmt mit einer nicht heilbaren, aber behandelbaren Krankheit leben können, müssen die Betroffenen aktuelle gesundheitsbezogene Empfehlungen kennen und umsetzen. Hier setzt das Konzept der Gesundheitskompetenz an.
Gesundheitskompetenz was ist das?
Gesundheitskompetenz was ist das?
Der Begriff „Gesundheitskompetenz ist die deutsche Übersetzung von Health Literacy. Wörtlich übersetzt bedeuten die Wörter gesundheitsbezogene Literalität, also die Fähigkeit, sich seriöse Informationen über Gesundheit und Gesundheitsempfehlungen z.B. in Broschüren oder im Internet zu besorgen, zu finden, zu lesen, zu verstehen, zu beurteilen und auf die eigene Situation zu übertragen.
Gesundheitskompetenz zielt darauf ab, dass Menschen bewusst mit ihrer Gesundheit umgehen, sich das dazu nötige Wissen beispielsweise über gesunde Ernährung beschaffen und motiviert umsetzen können (Schaeffer et al., 2018).
Gesundheit geht alle an
Vor einigen Jahren wurde untersucht, wie gut die Gesundheitskompetenz in Deutschland entwickelt ist. Das Ergebnis war ernüchternd. Jede zweite Person in Deutschland verfügt demnach über keine ausreichende Gesundheitskompetenz (Schaeffer, 2016). Den richtigen Umgang mit der Gesundheit kann man nicht früh genug lernen. Daher müssen die Bereiche Erziehung und Bildung immer mit gedacht werden.
Es zeigt sich, dass Menschen mit geringem sozialem Status, mit wenig entwickelten Lese- und Schreibefähigkeiten, mit Migrationshintergrund und alte Menschen häufig eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz aufweisen. Verminderte Gesundheitskompetenz hängt wiederum mit dem subjektiv empfundenen Gesundheitszustand und mit dem allgemeinen Gesundheitsverhalten zusammen (Schaeffer, 2016).
Aber nicht nur das Individuum mit seinen Fähigkeiten hat Einfluss auf die Gesundheitskompetenz. Auch das Umfeld, die Strukturen und die Systeme, in denen sich der Mensch bewegt, spielen eine Rolle. Beides steht im Wechselspiel miteinander (Schaeffer...
pflegen Palliativ
Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Weiterlesen im Heft

Ausgabe kaufen

pflegen Palliativ abonnieren und digital lesen!
  • Exklusiver Online-Zugriff auf Ihre digitalen Ausgaben
  • Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
  • Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen

Zeitschrift abonnieren

Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 39 / 2018

Kommunizieren

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Praxis