Peter Hensen

Qualität messen

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Peter Hensen

Verfahren und Methoden differenziert betrachten

Qualität in der Pflege und unter Mitwirkung der Pflegenden zu messen, ist kein leichtes Unterfangen. Wie soll etwas gemessen werden, was begrifflich nur mühsam zu fassen ist und nicht eindeutig in Erscheinung tritt? Andererseits muss Qualität sichtbar und fassbar werden, damit man über sie sprechen kann. Hierzu einige Überlegungen und methodische Grundlagen.

Mit Qualität wird gemeinhin ein Verständnis von „guter Praxis beruflichen bzw. professionellen Handelns verbunden (siehe Beitrag Dudel). Um zu beurteilen, ob eine Praxis wirklich gut war, wird eine Vorstellung davon benötigt, was diese im Kern ausmacht. Vorstellungen dazu sind eng gekoppelt an das berufsfachliche Selbstverständnis und die eigene Profession. Sie werden aber auch von außen, beispielsweise durch den Gesetzgeber, an uns herangetragen und nicht zuletzt von den Menschen bestimmt, denen von Berufs wegen unsere Aufmerksamkeit gilt. Dies sind in der Pflege Patientinnen und Patienten, Bewohnerinnen und Bewohner aber auch Angehörige.
Qualität selbst ist also keine absolute Größe, die auszumessen ist, als vielmehr eine Aussage, die ein Verhältnis bestimmt: Wie verhalten sich die Vorstellungen von „guter Praxis zur beobachtbaren Wirklichkeit? Qualität zu messen heißt daher, wichtige Elemente der pflegerischen Praxis sichtbar zu machen, d.h. ihre Eigenschaften (Merkmale) zu ermitteln, und sie in Beziehung zu der Vielzahl der dazu existierenden Vorstellungen (Anforderungen) zu setzen. In diesem Sinn wird Qualitätsmessung zu einer Qualitätsbestimmung.
Zweck der Qualitätsmessung
Jede Auseinandersetzung mit einem Gegenstand setzt voraus, dass man ihn in einer Weise benennen und beschreiben kann. Hieraus lässt sich ableiten: Was nicht erkennbar ist, kann absichtsvoll auch nicht verändert werden. Die Bestimmung der Qualität von pflegerischen Handlungen und Leistungen bzw. die Ermittlung ihrer Eigenschaften und Anforderungen wird gewissermaßen zur Vorbedingung ihrer gezielten Beeinflussung. Dies gilt für die personengebundene Handlungspraxis im Rahmen des Pflegeprozesses wie für das Qualitätsmanagement einer gesamten Einrichtung (vgl. Hensen, 2018).
Eine Pflege- oder Qualitätsplanung benötigt Informationen über die Ausgangssituation, um Ziele, d.h. konkrete Soll-Vorstellungen, zu formulieren. Ein pflegerischer Handlungsvollzug oder die Verwirklichung von Prozessen ist in der Folge auf Daten und Informationen angewiesen, um entlang der vorgenommenen Planung verlaufsabhängig reagieren zu können und Veränderungen vorzunehmen (Überwachungs- und Eingreiffunktion). Ebenso können Wertaussagen über die Qualität der fallbezogenen Pflege oder einer bereichs- und standortbezogenen Pflege nur auf Basis belastbarer Informationen getroffen werden (Bewertungsfunktion). Konzepte wie Qualitätssicherung und -management, die Beurteilung von Pflegequalität ganz allgemein oder die vergleichende und öffentliche Qualitätsdarstellung in der Langzeitpflege wären ohne entsprechende Messungen undenkbar (siehe Kasten 1 ).
Verfahren und Tätigkeiten
Qualität zu messen heißt, Daten zu sammeln und diese zu verwertbaren Informationen zu verdichten. Um welche Daten es sich dabei handelt, wird bestimmt durch die Anforderungen, d.h. von der Vorabklärung dessen, was Qualität ausmacht. Es geht also nicht darum, jede beliebige Eigenschaft einer Pflegehandlung oder eines Leistungsprozesses zu messen, sondern lediglich Merkmale, die für die Bildung einer Qualitätsaussage oder zur Vorhersage von Qualitätsproblemen als relevant eingestuft werden.
Qualitätsrelevant für die pflegerische Versorgung könnte beispielsweise sein, dass bei bettlägerigen Menschen bestimmte Lagerungsmaßnahmen regelmäßig durchgeführt werden (Prozessqualität) oder ob und inwieweit bestimmte Funktionseinschränkungen bzw. Beeinträchtigungen vorliegen, die hätten verhindert werden können (Ergebnisqualität). Derartige Informationen werden der...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 46 / 2020

Qualität

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Praxis