Boris Knopf

Qualität im Leben und Sterben

Lebensqualität als Wegweiser – auch im Übergang zum Tod
Lebensqualität als Wegweiser – auch im Übergang zum Tod, Foto © : Thomas Reimer | stock.adobe.com

Boris Knopf

Pflegende als letztverlässliche Begleiterinnen und Begleiter

Im Kontext von Palliative Care ist Lebensqualität ein zentrales Element und Zeichen von Qualität in der Versorgung. Hierbei hat das Pflege- und Behandlungsteam eine wichtige Rolle und eine große (Mit-)Verantwortung. Aber wofür stehen Lebens- und Sterbequalität? Wie hängen sie zusammen oder wie unterscheiden sie sich?

Aspekte von Qualitätssicherung nehmen in unserer heutigen Gesellschaft einen immer höheren Stellenwert ein. Es geht also nicht immer nur um die Frage, ob jemand etwas durchführt, sondern vielmehr um die Frage, wie etwas durchgeführt wird. In Zeiten von Messbarkeit und Transparenz treibt dies im Gesundheitswesen immer „buntere Blüten. Wir verbringen oftmals mehr Zeit mit der Dokumentation von Dingen, als mit deren Durchführung.
Doch lassen sich die unterschiedlichen Aspekte von Qualität überhaupt auf das Sterben übertragen? Ein Umstand, der auch davon getrieben ist, mit dem Gesundheitswesen Geld zu verdienen. Ist in Zeiten der Marktorientierung im Gesundheitswesen der Umgang mit dem Sterben und dem Tod überhaupt in normale Kriterien, Messparameter von Qualitätssicherung übertragbar? Sollte nicht vielmehr die Frage von Letztverlässlichkeit (Fleßa, 2014) im Mittelpunkt unseres Handelns stehen und als zentraler gesellschaftlicher Wert definiert und festgeschrieben werden?
Im Kontext von hospizlichem und palliativem Denken ist Lebensqualität das zentrale Element. Mitarbeitende in diesen Bereichen möchten mit ihrem Handeln dafür sorgen, dass Menschen die Möglichkeit haben, die Reise aus dem Diesseits ins Jenseits möglichst ohne Symptomlast und Beschwerden anzutreten. Letztverlässlich ist aber nicht zu klären, wie gut dieses Umsorgen dazu beiträgt, dass ein Mensch mit bester Qualität verstirbt, denn sie oder er kann dazu nicht mehr befragt werden.
Daher gilt es, den Fragen nachzugehen:
  • Was ist gute Qualität bei der Versorgung von sterbenden Menschen?
  • Wie sind die Bedürfnisse in den unterschiedlichen Lebenssituationen?
  • Was bedeutet eigentlich Lebensqualität?
  • Gibt es überhaupt eine Sterbequalität?
Lebensqualität als Kernelement von Palliative Care
Lebensqualität als Begriff wurde das erste Mal in den 1960er-Jahren in den USA geprägt. Hierbei ging es in der Betrachtung von Wohlfahrtsforschung und -messung nicht um ein mehr, sondern um ein besser also nicht mehr nur um die Quantität an sich sondern um die Qualität des Handelns (Noll, 1989). Dieser wichtige Paradigmenwechsel wurde dann erstmals auch in den 1970er-Jahren in Deutschland beschrieben.
Umso spannender, wie selbstverständlich wir heute von der Lebensqualität sprechen. Es verhält sich fast ein bisschen wie mit dem Begriff der Würde: Alle nutzen ihn im täglichen Umgang, jedoch bedeutet er für jeden etwas anderes. Ähnlich wie die Begriffe Empathie, Sympathie und Mit-Gefühl (Sinclaire, 2016). Wir sprechen diese mit gleicher Intention aus, ohne zu wissen, dass es feine, aber sehr wichtige Unterschiede gibt. Dies hat Einfluss auf unser Tun.
Lebensqualität ist individuell und veränderbar
Die Qualität des Lebens ist subjektiv und für jeden Menschen unterschiedlich. Was für den einen gute Lebensqualität bedeutet, muss es für den anderen noch lange nicht sein. Wie z.B. in der Musik: Bedeutet es für den einen Menschen, sich Zeit zu nehmen, um ein klassisches Konzert zu genießen, so besteht für einen anderen Lebensqualität darin, ein Rockkonzert zu besuchen. Ähnlich verhält es sich mit den Bedürfnissen, denn sie sind Teil der Lebensqualität.
Gerade am Ende des Lebens ist dessen Qualität aber sehr wichtig, denn eine langjährige Behandlung hat einem Menschen oftmals viel abverlangt. Wenn klar wird, dass der Fokus der Behandlung hin zu einer palliativen Versorgung geht, verändern sich die Prioritäten. Hierin liegt auch der Nutzen einer möglichst frühen palliativen Mitbehandlung im Sinne einer Early Integration (Gerhard et al., 2018) von Palliative Care. Diese...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 46 / 2020

Qualität

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Praxis