Anja Gerlach

Praktiker rezensieren

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Anja Gerlach

Maggie Ellis|Arlene Astell
Nonverbale Kommunikation mit demenzkranken Menschen
Wie man ohne Sprache kommunizieren kann
Hogrefe (2019)
184 Seiten
Buch ISBN: 9783456859354
Euro 28,95 (D)
eBook ISBN: 9783456959351
Euro 25,99 (D)
Das Fachbuch „Nonverbale Kommunikation mit demenzkranken Menschen. Wie man ohne Sprache kommunizieren kann wurde von den beiden Psychologinnen Dr. Maggie Ellis und Prof. Arlene Astell verfasst und ist in sieben Kapitel eingeteilt. Das beschriebene Ziel der Autorinnen ist,
Kommunikationsprobleme von Menschen mit Demenz aufzuklären und ihre Empfindungen zu vermitteln sowie über Möglichkeiten bei der Gestaltung der Kommunikation mit Menschen mit Demenz zu informieren und die „Adaptive Interaktion (AI), ein Konzept zur nonverbalen Interaktion, vorzustellen und die ihr zugrundeliegenden theoretischen und wissenschaftlichen Aspekte darzustellen.
Langsamer Einstieg
Die ersten drei Kapitel umfassen wissenschaftliche Aspekte über das Thema Demenz und Kommunikation. In ihnen wird ausschließlich theoretisches Wissen vermittelt, dadurch lesen sie sich eher „zäh.
Ein Konzept mir Praxisbezug
In Kapitel vier wird das Thema der „AI vorgestellt, hier auch in Form anschaulicher Tabellen. Für mich interessanter, weil es deutlich praxisorientierter ist als die ersten Kapitel. Die „AI wird in Kapitel fünf bis sieben anhand von drei demenzerkrankten Menschen, die nicht mehr verbal kommunizieren können, näher beleuchtet. Die Lebensgeschichte der erkrankten Menschen und die Kommunikationsumgebung wird betrachtet sowie das Kommunikationsrepertoire ermittelt. Anschließend wird die „AI mehrfach, in Form einer Sitzung mit der Betreuungsperson und dem erkrankten Menschen angewendet, wodurch die Beziehung zwischen Pflege- oder Betreuungskraft vertieft werden soll. Es folgt ein Fazit in einer Gruppensitzung, in der alle Betreuungspersonen ihre Erfahrungen in der Anwendung der „AI austauschen können.
Ob sich das Prinzip der „AI in der Praxis umsetzen lässt, ist meiner Meinung nach fraglich und vor allem in Pflegeheimen eher zu bezweifeln, da die zeitlichen und personellen Ressourcen dort knapp sind. Im häuslichen Umfeld scheint eine Umsetzung aber möglich.
Für Fachpflegende und Angehörige
Zu Beginn gleicht das Buch eher einer wissenschaftlichen Abhandlung als einem praktischen Ratgeber. Die unzähligen Quellenverweise in den ersten Kapiteln stören den Lesefluss und machen das Nachvollziehen für die Leserin und den Leser schwer. Für Fachpersonal dürfte der vordere Buchabschnitt jedoch interessant sein.
Den letzten Teil mit seinen praxisbezogenen Kapiteln habe ich als sehr lesenswert empfunden. Diese Kapitel sind durchaus allen Betreuungspersonen, auch Angehörigen von Menschen mit Demenz die ihr Sprachvermögen verloren haben, zu empfehlen.
Fazit
Es handelt sich um ein informatives Fachbuch, das ein interessantes Thema umfasst, in seiner Übersichtlichkeit jedoch Wünsche offen lässt. Betreuungspersonen, die etwas Zeit in die beschriebene Anwendung der „AI investieren können, werden voraussichtlich die Beziehung zu den demenzerkrankten Menschen vertiefen und der nonverbalen Kommunikation mehr Gewicht geben können.
Anja Gerlach
Examinierte Krankenschwester
pflegen Demenz
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 55 / 2020

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