Palliative Versorgung in der Akutgeriatrie

Immer mehr Menschen benötigen akutgeriatrische Versorgung
Immer mehr Menschen benötigen akutgeriatrische Versorgung, Foto © : Paricia Kühfuss

Immer mehr alte Menschen brauchen fachkompetente Begleitung

Im Rahmen von Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Palliative Care verfassen Pflegende auch praxisnahe Abschluss- und Facharbeiten, von denen viele spannend und inspirierend sind. Pflegen: palliativ möchte das Engagement der Autorinnen und Autoren mit der Veröffentlichung von Kurzversionen dieser Arbeiten unterstützen und sie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. Der Beitrag von Thorid Gehrmann Gesundheits- und Krankenpflegerin ist die Zusammenfassung ihrer Facharbeit im Rahmen der Weiterbildung „Geriatrische und Rehabilitative Pflege.

Der demografische Wandel ist in aller Munde. Auch die Patientinnen und Patienten in Akutkrankenhäusern werden immer älter und häufig sind diese multimorbid. Seit einigen Jahren entstehen an vielen Krankenhäusern geriatrischen Abteilungen; hier wird der alte Mensch ganzheitlich gesehen. Statistiken zeigen, dass Menschen häufiger an chronischen Erkrankungen als an Tumorerkrankungen sterben. Daher ist die palliative Versorgung auch ein Aspekt der Geriatrie.
Was bedeutet Akutgeriatrie?
Akutgeriatrie meint die stationären Behandlungen und die Begleitung älterer Menschen ab einem Alter von ca. 65 Jahren. Die Patienten müssen mindestens zwei der folgenden altersbedingten Merkmale, sogenannte geriatrische Merkmalkomplexe, mitbringen:
  • Multimorbidität
  • Funktionseinschränkungen, aus denen eine Pflegebedürftigkeit resultiert
  • zahlreiche Organdiagnosen, wie z.B. Niereninsuffizienz
  • beeinträchtigt durch chronische Schmerzen, Mobilitätseinschränkungen, Inkontinenz, soziale Probleme, Depressionen und/oder verschiedene Demenzformen.
In der Geriatrie wird die inter- und multiprofessionelle Beurteilung der ganzheitlichen Behandlung gefordert. Diese wird unter anderem durch geriatrische Assessments unterstützt, die von Angehörigen mehrerer Berufsgruppen ausgeführt werden.
Zum multi- und interprofessionellen Team gehören vor allem Ärztinnen, Pflegekräfte, Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden, Case Managerinnen, Sozialarbeiter und Psychotherapeutinnen. Die verschiedenen Berufsgruppen ermitteln die akut medizinischen Diagnosen, Fähigkeiten und Defizite der Patientinnen und Patienten sowie gemeinsame Ziele, die zu einem Behandlungsplan konzipiert werden. Dieser kurative Plan von 14 Behandlungstagen muss regelmäßig evaluiert werden. Ziel der Akutgeriatrie ist es, Fähigkeiten zu erhalten, zu erkennen, auszubauen und zu verbessern. Die Patienten erhalten somit bereits im Krankenhaus eine sogenannte „Frührehabilitation (siehe Praxisbeispiel).
PRAXISBEISPIEL
PRAXISBEISPIEL
Die Rehabilitation beginnt im Krankenhaus
Rosa Meier*, 87 Jahre, kommt nach einem Sturz mit diversen Hämatomen am Körper und damit einhergehender hypertensiver Entgleisung durch Dehydration aus ihrer Wohnung auf die Akutgeriatrie. Sie leidet außerdem unter einer chronischen Herzinsuffizienz, die im stationären Aufenthalt deutlich dekompensiert.
Vor dem Sturz ging Frau Meiers Tochter einmal die Woche mit ihrer Mutter einkaufen. Die alte Dame nutzte dabei einen Gehstock. Nach Aussagen ihrer Tochter ist sie seit mehreren Jahren zunehmend vergesslich.
Auf der Station im Krankenhaus zeigt Frau Meier immer wieder Hinlauftendenzen mit einer ausgeprägten Gangunsicherheit. Der Umgang mit dem Rollator wurde der Patientin zwar gezeigt, jedoch vergisst sie immer wieder, ihn zu nutzen, und ist bereits dreimal auf der Station gestürzt.
Daher sollen bei Rosa Meier auf der Akutgeriatrie die Ursachen der Probleme Gangunsicherheit und Vergesslichkeit abgeklärt und erste Maßnahmen eingeleitet werden.
*Name von der Redaktion geändert
Herausforderung Gangunsicherheit
Die Verletzungsgefahr aufgrund der Gangunsicherheit ist hoch. Ziel ist hier, das Sturzrisiko von Frau Meier zu minimieren und Folgeerkrankungen vorzubeugen. Durch präventive und gezielte Maßnahme können die Pflegenden das Sturzrisiko drastisch senken und mögliche Folgen vermeiden. Dazu...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 43 / 2019

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Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Grundlagen