Pädagogische Führungsmentalität = wollen, können, dürfen

© iStock.com/vm

So funktioniert systemisch gedachte Team- und Personalentwicklung

Neben einer beziehungsgestaltenden, gerontopsychiatrischen Versorgung braucht es auch eine angemessene pädagogische Führungsmentalität, um Pflegende zu befähigen, sich ihrer eigenen Fachlichkeit anzunehmen. Tobias Münzenhofer, gerontopsychiatrische Fachkraft- und Fachdozent, gibt Anregungen für einen motivierenden Führungsstil.

Eine gute Leistung erbringt eine Pflegefachkraft dann, wenn die drei Komponenten Wollen, Können und Dürfen im Gleichgewicht sind. Ist dem nicht so, werden Ziele nicht oder nur teilweise erreicht, die Motivation sinkt und das fach- und firmenspezifische Wissen geht verloren. Die Konsequenz daraus sind schlechte Ergebnisse und Frustration.
Die Folgen von Funktions- und Verrichtungspflege
Seitens des Managements und der Führungsebene wird den Pflegefachkräften nicht immer die Pflegefachlichkeit zugetraut, die tatsächlich abrufbar und vorhanden ist. Die Führungskraft nimmt so die Pflegefachkraft im Lichte tiefgreifender Hilflosigkeit und Unfähigkeit wahr und verfestigt so ihren Defizit-Blickwinkel auf diese.
Der defizitäre Blick
Für die Pflegefachkraft bedeutet der defizitäre Blick eine Entwertung der eigenen Wirklichkeitsdefinition. Die eigene Problemwahrnehmung oder Situationsinterpretation wird so der Pflegefachkraft aus der Hand genommen und in eine Problem-ansicht, Problemschublade gepackt, mit der die Pflegekraft sich nicht identifizieren kann.
Übernahme von Deutungsmustern
Die Abhängigkeit der Pflegefachkraft von der Führungskraft wird dadurch verstärkt, dass der Wunsch der Pflegefachkraft vorhanden ist, aus der Problemlage zu entfliehen. Damit begibt sie sich in die Definitionsansicht der Problemlage der Führungskraft und übernimmt deren Deutungs- und Lösungsmuster.
Die Entstehung von Listen
Wird den Pflegefachkräften seitens des Managements vorhandenes Wissen und Erfahrung abgesprochen, führt dies zumeist zu einer „zu kurz gedachten operativen Ausrichtung der Ziele. Es entstehen Listen zum Abarbeiten von Aufgaben ohne Berücksichtigung der ganzen Komplexität des Pflegeprozesses. Die Identifizierung mit der Rolle als Pflegefachkraft wird erschwert. Teamrollenkonflikte bis hin zum Mobbing werden befördert. Bedingt der vorhandenen Ressourcen, täglicher Herausforderung und Erwartungshaltungen wird seitens der Führungskräfte meist vorschnell nach Lösungen vor allem für die Dokumentation gesucht, die Führungskräfte, Prüfbehörden, Träger und Management zufriedenstellen sollen.
Das Pflegeniveau
Dieses künstlich herabgesetzte Pflegeniveau funktioniert immer dann nicht, wenn die nächste Qualitätsprüfung ansteht, in der Pflegefachgespräche vorausgesetzt werden. Spätestens dann werden wieder angepasste Listen erstellt, die erneut unter hohem Zeitdruck, ohne jegliche strategische Sinnhaftigkeit und Berücksichtigung vorhandener Pflegekompetenzen, abgearbeitet werden müssen. Dazu kommt das Gefühl, man arbeite immer nur „hinterher, nie aber „voraus und nachhaltig. Das Pflege- und Betreuungsteam reagiert frustriert. Das Team wird in ein funktionelles Pflegeverständnis gedrängt, in ihrer Fachlichkeit nicht ernst genommen, wie auch nicht gefordert und gefördert. Eine beziehungsgestaltende Pflege wird somit erschwert. Ein solches, unter dem eigentlich vorhandenen Pflegeniveau ausgerichtetes Pflegemanagement sorgt bei den Pflegenden für Unruhe, Unzufriedenheit, Frustration und verhindert, dass sie ihr Handeln und Tun als sinnvoll und erfreulich erleben können.
Ein auf Funktions- und Verrichtungspflege ausgerichtetes Arbeits- und Demenzmilieu, welches sich nur nach Methoden, Modellen, Regeln und Anweisungen orientiert, erschwert die Entwicklung einer gemeinsamen Sorgehaltung und Verantwortung. Ein auf Funktionalität, Risikomanagement und Haftungsvermeidung ausgerichtetes Pflegemanagement gefährdet nicht nur die Personalentwicklung, sondern auch das Person-Sein der erkrankten Menschen und reduziert sie zu...
pflegen Demenz
Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Weiterlesen im Heft

Ausgabe kaufen

pflegen Demenz abonnieren und digital lesen!
  • Exklusiver Online-Zugriff auf Ihre digitalen Ausgaben
  • Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
  • Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen

Zeitschrift abonnieren

Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 53 / 2019

Team

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: Demenz" Wissenschaft