Claudia Witt

Mind Body Medicinein der Onkologie

Die Teilnehmenden erarbeiten aktiv die MBM-Aspekte „Tempel der Gesundheit“ (Pinnwand im Hintergrund)
Die Teilnehmenden erarbeiten aktiv die MBM-Aspekte „Tempel der Gesundheit“ (Pinnwand im Hintergrund), Foto © MBM: IKI

Claudia Witt

Innovatives, integratives Konzept verbindet den Körper mit der Psyche

Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse werden Mind Body Medicine-Konzept mit langjähriger therapeutischer Expertise kombiniert. Das Konzept kann auch bei Fatigue hilfreich sein.

Mind Body Medicine (MBM) stammt aus den USA und wurde in Deutschland und in der Schweiz weiterentwickelt. Sie versteht sich nicht als eine Art eigene Medizin, sondern eher als Hybridkonzept.
„MBM ist ein innovatives, integratives Konzept, das den Körper mit der Psyche verbindet und Self Care vermittelt. Durch multimodale Therapiekonzepte sollen Symptome reduziert und Selbstwirksamkeit gestärkt werden. Hierzu werden moderne wissenschaftliche Erkenntnisse und bewährte Methoden aus Komplementärmedizin, Psychologie, Ernährungs- und Sportwissenschaften kombiniert (UniversitätsSpital Zürich, 2018). Die Werte und Wünsche der Patientinnen und Patienten werden ebenfalls berücksichtigt. In der Schweiz werden die Grundlagen der MBM in einer Weiterbildung (CAS) an der Universität Zürich, in Deutschland an den Universität Duisburg-Essen vermittelt.
Die Maßnahmen der MBM sind kein starres Angebot. Die Individualisierung spielt in den Konzepten eine wichtige Rolle, dabei werden auch indikationsbezogene Aspekte berücksichtigt. Die konzeptionellen Elemente und Inhalte müssen demzufolge regelmäßig überarbeitet und an die aktuellen wissenschaftlichen Entwicklungen und an die Umsetzungserfahrung angepasst werden.
Die MBM kann in Einzel- oder Gruppenbehandlungen angeboten werden. Neben Symptomreduktion zielen diese auch auf eine Stärkung der Selbstwirksamkeit ab. In Fokusgruppen nach Beendigung einer MBM-Gruppenbehandlung bei Krebs erhobene Äußerungen zeigen, dass die Teilnehmer das Gruppenformat positiv bewerten. Sie schätzen unter anderem die Tipps der anderen Teilnehmer für stressende Alltagssituationen und das Gefühl, nicht allein zu sein.
Tempel der Gesundheit
Der Tempel der Gesundheit ist ein wichtiges didaktisches Element in der Mind Body Medicine. Er geht auf Anna Paul zurück und wurde am Institut für komplementäre und integrative Medizin des Universitätsspitals Zürich adaptiert.
Der Tempel erlaubt eine visuelle Darstellung der Aspekte der MBM. Die psychologischen Aspekt, z.B. Gefühle und Gedanken, sowie die sozialen Aspekte  – soziale Kontakte, Familie, Arbeit und Leistung bilden zusammen das Dach des Tempels. Die Säulen unter dem Dach repräsentieren Aspekte des Lebensstils wie Bewegung, Entspannung, Atmung, Ernährung und komplementärmedizinische Selbsthilfemaßnahmen, die sich direkt in unserem körperlichen Handeln widerspiegeln. Sie werden als Ressourcen betrachtet.
Ziel ist eine Ausbalancierung der unterschiedlichen Aspekte und nicht eine extreme Ausbildung einzelner Aspekte des Tempels. Der Tempel ruht auf der Achtsamkeit, sie bildet das Fundament. Dies verdeutlicht, dass dieser Aspekt vielseitig in das Gesamtkonzept der MBM integriert wurde.
Um sie sinnvoll anwenden zu können, müssen Kenntnisse in allen relevanten Aspekten des Tempels sowie in den zugrundeliegenden theoretischen Grundlagen, z.B. Gesundheitsmodelle, Techniken zur Änderung des Lebensstils und Selbstwirksamkeit, vorliegen. Zudem sollte Mind Body Medicine nur dort eingesetzt werden, wo auch klinische Expertise besteht. Auch wenn Kenntnisse in jedem Aspekt des Tempels relevant sind, wird der Fokus insbesondere in den Einzelkonsultationen je nach Berufsgruppe unterschiedlich gelegt. Die bisherige Erfahrung zeigt, dass der Fokus z.B. bei Ärztinnen und Ärzten stärker auf den Säulen, bei Psychologinnen und Psychologen stärker im pschologisch ausgerichteten Dach des Tempels liegt.
Mind Body Medicine bei Fatigue
Die MBM lässt sich auch bei Fatigue während oder nach der antitumoralen Therapie gut einsetzen. In einer systematischen Konsensprozedur wurde unter Einbindung der relevanten Stakeholder am UniversitätsSpital Zürich ein integratives Behandlungskonzept, das...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 41 / 2019

Fatigue

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Praxis