„Was, Sie arbeiten in der Pflege?“

© iStock.com/vm

Augen auf bei der Berufswahl

Ein einprägender Kommentar, einer Freundin von mir, zu meiner Berufswahl war: „Du arbeitest mit kranken Menschen? Warum? Also ich könnte das nicht. Die Frage nach dem Grund, warum ich eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin beginnen möchte, habe ich öfter gehört. Wenn ich dann noch erzähle, dass ich nach mehreren Jahren immer noch in diesem Beruf arbeite, in einem Drei-Schichtsystem mit Wochenend- und Feiertagsarbeit, erlebe ich häufig völliges Unverständnis.
Mein Unverständnis geht dagegen eher in eine andere Richtung. Ein Beispiel: Wieso sollte ich acht Stunden am Tag in einer Bankfiliale sitzen, Geld zählen, Versicherungsverträge verkaufen und die Träume anderer zerstören, weil ich ihnen mitteilen muss, dass ihr finanzielles Polster leider nicht für eine Eigentumswohnung ausreicht? Wieso wird man Bankkaufmann oder Bankkauffrau? Ich bin mir (fast) sicher, dass Bankangestellte diese Frage nicht so oft hören, wie Pflegekräfte.
An den Schreibtisch
Selbst meine Tante, und das ist mir noch ein viel größeres Rätsel, fand meine Entscheidung, Gesundheits- und Krankenpflegerin zu werden, nicht gut: „Kind, das ist doch viel zu schwere Arbeit. Die ganzen alten und kranken Menschen Willst du nicht lieber ins Büro? Nein, wollte ich nicht und bis heute empfinde ich den Beruf als Pflegekraft als einen der Schönsten.
Meine Motivation
Andere mit meiner Arbeit unterstützen und ihnen Lebensqualität schenken, das sind die beiden größten Faktoren, die mich motiviert haben, den Beruf der Gesundheits- und Krankenpflegerin zu wählen.
Natürlich gab und gibt es auch Dinge in diesem Job, die mich nachdenklich gestimmt haben. Dazu zählen die zum Teil schlechten Arbeits- und Rahmenbedingungen in Krankenhäusern; aber auch die geringe Wertschätzung der Pflege in der Gesellschaft. Wenn ich an die Kommentare meiner Freundin oder meiner Tante denke, dann ärgert mich daran am meisten, dass ich das Gefühl habe, mich für einen tollen und wichtigen Beruf rechtfertigen zu müssen. Wenn meine Freundin sagt, „() ich könnte das nicht, dann hat sie damit auch irgendwie Recht. Pflegen kann nicht jede oder jeder! Man braucht Empathie, Organisationstalent, Wissen und noch viel mehr.
Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass, wenn ich über meinen Beruf erzähle, die Reaktionen andere werden, zum Beispiel: „Das ist ein toller Beruf und so wichtig für uns! oder „Wie schön, wo arbeitest du denn genau? Vielleicht findet in unserer Leistungsgesellschaft ja irgendwann möglichst bald ein Umdenken in dieser Hinsicht statt und die Menschen verstehen, dass pflegerische bzw. soziale Berufe mindestens genauso wichtig sind wie kaufmännische. Mein Beruf als Gesundheits- und Krankenpflegerin hat mir jedenfalls immer das Gefühl gegeben, etwas Sinnvolles zu machen. Dieses Gefühl könnte mir der Beruf der Bankkauffrau vermutlich nicht geben. Da bin ich mir ziemlich sicher.
Licht und Schatten
Natürlich erlebt man im pflegerischen Alltag nicht nur schöne Dinge. Das ist sicher in jedem Job so. Nur würde ich behaupten, sind die Erlebnisse in der Pflege vor allem mit Menschen mit Demenz andere als in einem Bürojob oder im Handwerk. Zum einen erlebe ich Vertrauen, zum anderen kann ich „Opfer von aggressivem Verhalten werden. Oder eine Patientin, die ich schon sehr lange betreut habe, verstirbt, das lässt mich natürlich nicht kalt. Gespräche im Pflegeteam sind da wichtig und helfen mir, mit herausfordernden Situationen umzugehen. Kollegen und Kolleginnen können so auch schnell zu wirklich guten Freunden werden. Denn wir erleben Dinge gemeinsam, die andere nicht nachvollziehen können und die häufig, vor allem emotional, unbeschreiblich sind.
Ins kühle Nass
Neben den Gesprächen im Team ist mein Ausgleich im Privatleben meine Katze Lucy und der Sport. Ich würde mich als Wasserratte bezeichnen. Alles, was irgendwie mit Wasser zu tun hat, finde ich erstmal gut. Im Schichtdienst ist es schwierig...
pflegen Demenz
Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Weiterlesen im Heft

Ausgabe kaufen

pflegen Demenz abonnieren und digital lesen!
  • Exklusiver Online-Zugriff auf Ihre digitalen Ausgaben
  • Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
  • Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen

Zeitschrift abonnieren

Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 51 / 2019

Nacht

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: Demenz" Praxis