Detlef Rüsing

„Tun Sie doch, was Sie wollen“

Detlef Rüsingexam. Altenpfleger, Pflegewissenschaftler, Mitbegründer des Dialogzentrums Lebenim Alter (DZLA)
Detlef Rüsingexam. Altenpfleger, Pflegewissenschaftler, Mitbegründer des Dialogzentrums Lebenim Alter (DZLA), Foto: © Detlef Rüsing

Detlef Rüsing

Als ich mich im Jahr 1996 dazu entschloss, als examinierter Altenpfleger und Wohnbereichsleitung in der stationären Altenpflege an der Universität Witten/Herdecke Pflegewissenschaft zu studieren, war mir überhaupt nicht klar, was diese neue akademische Disziplin überhaupt war. Die Uni Witten/Herdecke hatte für diesen ersten universitären Studiengang der Pflegewissenschaft in Deutschland mit dem Slogan geworben: „Tun Sie doch, was sie wollen! Und genau mit diesem Satz hatten sie mich! Ich wollte schließlich schon immer tun, was ich wollte. Und außerdem hieß es zugleich, dass es kaum Studienplätze in Witten gäbe und man wenig Chancen hätte, angenommen zu werden. Das wiederum reizte mich zudem getreu dem Motto: „Du hast keine Chance  – aber nutze sie! Letzteres wurde (nicht nur) in meinem Berufsleben ein bestimmendes Motto
Rückblickend betrachtet begann mein Weg ins Feld der Betreuung und Versorgung von Menschen mit einer Demenzerkrankung schon ziemlich früh. Mit 14 Jahren meldete ich mich als Gymnasiast in einem städtischen Altenheim, um sonntags mitzuhelfen und mit den alten Menschen spazieren zu gehen. Ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung mehr, warum ich das gemacht habe. Ich kannte niemanden, der in einem Altenheim arbeitete oder lebte. Aber offenbar hatte es etwas Verheißungsvolles für mich. Vor also etwa 40 Jahren hatte ich meinen ersten Kontakt zu Menschen mit einer Demenzerkrankung. Ich weiß nur, dass alte Menschen mich schon immer fasziniert haben, und so war es auch dort. Anders als viele professionell Pflegende und Aushilfen ging ich gern zu diesen „verwirrten Personen. Ich hörte ihnen gern zu, ging mit ihnen spazieren oder versuchte herauszufinden, was sie mir denn sagen wollten.
Erste Schritte
Nach etwa zwei Jahren hörte ich mit meinen Sonntagsdiensten auf. Denn noch mehr als das Zusammensein mit alten Menschen liebte ich Musik und ich war mir mit 16 Jahren ziemlich sicher, dass ich ein berühmter Rockmusiker oder Singer/Songwriter würde. Diese Leidenschaft war es letztlich paradoxerweise, die mich überhaupt dazu brachte, Altenpfleger zu werden. Klingt etwas komisch, ist aber so. Die meisten Personen aus meinem Umfeld rieten mir nach meinem Abitur davon ab, alles auf die Karte Musik zu setzen. Ich war Autodidakt hatte also keinerlei musikalische Ausbildung und es waren und sind, wie Sie sich vorstellen können, „Festanstellungen im Bereich Rockmusik spärlich gesät ..! Also dachte ich mir, ich erlerne neben der Musik einen Beruf, der Spaß macht und in den man jederzeit zurückkehren könnte, wenn wider Erwarten meine selbst geschriebene Musik nicht Millionen einbrächte. Nach dem Abitur absolvierte ich meinen Zivildienst im Krankenhaus. Danach wurde mir klar, dass ich lieber Altenpfleger als Krankenpfleger werden wollte. Und schon kam das nächste Problem. Altenpflege war Mitte der 1980er-Jahre in Nordrhein-Westfalen ein reiner Umschulungsberuf. Man riet mir also, lieber Krankenpfleger und nicht Altenpfleger zu werden. Schließlich hätte ich doch Abitur, da wäre Altenpflege nicht das Richtige. Wirklich, liebe Leserinnen und Leser, so wurde damals (und zum Teil noch heute) über die Altenpflege geredet. Aber Sie wissen ja: Getreu dem Motto „Du hast keine Chance − aber nutze sie! wollte ich mich nicht von meinem Wunsch, Altenpfleger zu werden, abbringen lassen.
Ich begann ein Studium der Geschichte, Philosophie und Germanistik und brach es nach drei Semestern ab. Damit hatte ich einen Anspruch auf eine Umschulung und konnte meine Ausbildung als Altenpfleger beginnen. Allerdings fiel mir der Abbruch des Studiums nicht leicht, denn ich spürte, dass ich auch gerne als Gymnasiallehrer gearbeitet hätte. Ich interessierte mich schon immer leidenschaftlich für Lyrik und hätte mir gut vorstellen können, anderen meine Begeisterung für Themen und Inhalte nahezubringen.
Mein größtes Lob
Ich erspare Ihnen viele der negativen Erfahrungen im Rahmen meiner damals noch...
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aus: pflegen Demenz Nr. 57 / 2020

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