Sylvia Schulze

Kommunikative Kompetenz −ein wichtiger Baustein

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Sylvia Schulze

„Man kann nicht nicht kommunizieren diese Grundregel gilt auch in der Palliative Care. Was gute Kommunikation kennzeichnet und warum kommunikative Kompetenz gerade in der Palliative Care so wichtig ist, erklärt der folgende Beitrag.

Menschliche Kommunikation ist ein unerschöpfliches Feld, auf dem man lebenslang lernen und üben kann und muss. Bei jeder Begegnung gilt es aufs Neue, sich auf den Gesprächspartner einzustellen. Denn jeder Mensch hat seinen eigenen sprachlichen Ausdruck, seine eigene Wahrnehmung, sein eigenes Temperament. Was der eine als forsch empfindet, hält der andere für lasch. Glaubt der eine, er habe sich klar ausgedrückt, können sich für den anderen hinter einer Aussage noch viele Fragezeichen verbergen. Hinzu kommt, dass die größte Wirkung nicht durch Worte, sondern durch nonverbale Elemente erzielt wird.
In der Palliative Care befinden sich die kranken Menschen und ihre Angehörigen in einer für sie noch nie da gewesenen Ausnahmesituation. Respektvolle und höfliche Umgangsformen sollten daher für Pflegekräfte ebenso selbstverständlich sein wie die Berücksichtigung der besonderen Belastung der Betroffenen.
Eine professionelle Gesprächskultur ist nicht nur in Vier-Augen-Gesprächen mit Angehörigen oder bei Pflegemaßnahmen beim Patienten erforderlich, sondern auch im inter- und transprofessionellen Team. Alle Teammitglieder sind immer wieder besonderen Belastungen ausgesetzt, müssen sich mit existenziellen Fragen und ethischen Dilemmata auseinandersetzen. Das Beherrschen von Gesprächstechniken sowie das Einhalten von Regeln in der Teamkommunikation sind daher unabdingbar.
Mit und ohne Worte
„Man kann nicht nicht kommunizieren. Dies ist die erste von fünf Grundregeln, die der Psychotherapeut und Philosoph Paul Watzlawick formuliert hat (Watzlawick, 1969: 53). Demnach ist jedes menschliche Verhalten eine Form der Kommunikation. Und so, wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man auch nicht nicht kommunizieren.
Praxisbeispiel 1| Keine Lust zu sprechen
Praxisbeispiel 1| Keine Lust zu sprechen
Herr König* liegt im Bett und schaut an die Decke. Die Pflegekraft spricht ihn freundlich an und fragt nach seinem Befinden. Doch er dreht sich schweigend zur Seite und schließt die Augen. Die Botschaft ist klar: Der Patient möchte im Moment keinen Kontakt.
*Der Name wurde von der Redaktion geändert.
Nur ein kleiner Teil der menschlichen Kommunikation (sieben Prozent) findet mit Worten statt. Deutlich mehr Wirkung erzielt der sprachliche (paraverbale) Ausdruck der Stimme: Tonfall, Tonlage, Sprechtempo oder Lautstärke (38 Prozent). Wie eine Botschaft beim Empfänger ankommt, bestimmen vor allem nonverbale Elemente wie Mimik, Gestik oder Körperhaltung (55 Prozent) (Mehrabian, 1967).
Reden ist also nur eine Form der Kommunikation, aber in der Palliative Care vielleicht die anspruchsvollste: beim Überbringen von schlechten Nachrichten, beim Erklären von Diagnosen und Maßnahmen oder beim Begleiten auf der Gratwanderung zwischen Hoffnung und Verzweiflung.
Schweigen aushalten
Schwerstkranke und sterbende Menschen sind in besonderem Maß auf kompetente, professionelle Gesprächspartner angewiesen. Deshalb sollten sich Pflegende bewusst sein, dass ihr Kommunikationsverhalten das Wohlbefinden ihres Gegenübers entscheidend beeinflusst, es stärken oder schwächen kann.
Doch Gespräche mit Sterbenden und ihren Angehörigen lösen häufig Unsicherheiten aus:
  • Angst, etwas Falsches zu sagen
  • Sorge, keine passende Erklärung zu finden
  • das Dilemma, das Unfassbare in Worte zu fassen.
Dabei geht es meist gar nicht um die eine, die richtige Antwort. Die betroffenen Menschen wünschen sich in der Regel jemanden, der zuhört, der Fragen und Aussagen stehen lassen kann und auch Verzweiflung, Wut oder Schweigen mit ihnen aushält.
Damit Kommunikation in diesen Grenzsituationen gelingen kann, sollten sich gerade die „Profis zunächst einmal ehrlich mit ihrer eigenen Haltung gegenüber...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 39 / 2018

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Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Grundlagen