Leila Mehulić

Impulse für die Pflege muslimischer Patienten

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Leila Mehulić

Die Versorgung von Menschen mit einem anderen religiös-kulturellen Hintergrund bedeutet für Pflegende eine Konfrontation mit einer anderen Lebenswelt und kann mit verschiedensten Herausforderungen einhergehen (de Jong, 2003; Zielke-Nadkarni, 2003). Welche Besonderheiten und Herausforderungen gibt es im Umgang mit muslimischen Patienten? Was kann getan werden, um eine bestmögliche pflegerische Versorgung sicherzustellen und worauf sollte unbedingt geachtet werden?

Letzten Hochrechnungen zufolge, lebten zum Ende des Jahres 2015 rund fünf Millionen Muslime und Muslimas in Deutschland (BAMF, 2016).
Rückblickend auf die darauffolgenden Jahre ist im Hinblick auf die weitere Zunahme von geflüchteten Menschen, aus mehrheitlich islamisch geprägten Ländern, eine aktuell größere Zahl der muslimischen Bevölkerungsgruppe in Deutschland einzuschätzen (BAMF, 2018 [1]; BAMF, 2018[2]). Die meisten Muslime hierzulande stammen aus der Türkei, gefolgt von Ländern des Nahen Ostens und Südost-Europa (BAMF, 2016).
Kultur als komplexes Phänomen
Setzt man sich mit transkultureller Pflege auseinander, stößt man zunächst auf den Begriff der „Kultur. So selbstverständlich er im alltäglichen Sprachgebrauch verwendet wird, beschreibt dieses Wort ein hochgradig komplexes Phänomen (de Jong, 2003; Zielke-Nadkarni, 2003).Ein Mensch ist demnach grundsätzlich ein Teil verschiedenster (Sub-)Gruppen und bildet somit auf Grundlage etlicher Einflüsse seine individuellen Grundvorstellungen aus (de Jong, 2003).
Kultur ist dynamisch
Kontinuitäten und Veränderungen können in einer Kultur gleichermaßen wirken (Zielke-Nadkarni, 2003). Ein Mensch mit Migrationshintergrund durchläuft gewisse Anpassungsprozesse, da auch die Kultur des „neuen Landes auf seine Norm- und Wertvorstellungen wirkt. Hier sollte bedacht werden, dass es neben verschiedenen Herkunftsregionen, auch Zuwanderer mehrere Generationen gibt. Begriffe wie „eine Kultur oder „den Migranten sind aufgrund der Heterogenität folglich zu unspezifisch.
Reflexion der eigenen Haltung
Kulturspezifisches Wissen kann dennoch hilfreich dabei sein, ein grundlegendes Verständnis und eine gewisse Sensibilität für die Thematik aufzubauen.
Vorsicht ist aber vor Stigmatisierungen geboten. So werden in der Praxis z.B. Bezeichnungen wie „Morbus Bosporus oder „anatolischer Ganzkörperschmerz im Hinblick auf das Schmerzerleben von Menschen mit Migrationshintergrund genutzt.
Eine stereotypisierte Betrachtung kann der individuellen Lebenswirklichkeit eines Menschen nicht gerecht werden. Daher ist auch die Reflexion der eigenen Haltung für Pflegende ein wichtiger Bestandteil für den Aufbau einer wertschätzenden Pflege-Patient-Beziehung (Kayser, 2013).
Bedeutsamkeit der Religion
Die jeweilige Religion kann für kranke und sterbende Menschen im Hinblick auf das Erleben dieser existenzbedrohenden Lebenssituation einen wichtigen Stellenwert einnehmen. Grundsätzlich ist ein ausführliches Assessment zu Beginn der pflegerischen Versorgung empfehlenswert, um nähere Informationen über die Lebenswelt des Menschen zu erfahren und damit eine personzentrierte und kulturspezifische Pflege anbieten zu können. Ein Instrument dafür kann die „transkulturelle Pflegeanamnese sein, welche ausführlich bei Domening „Transkulturelle Komptenzen (2007), behandelt wird.
Auf den folgenden Seiten des Beitrags werden die Grundzüge des Islams mit einigen Impulsen und Ideen für den pflegerischen Alltag beschrieben.
Die Religionsausübung
Die Grundzüge des Islam
Der Kern des Islam:
  • Glaubensbekenntnis
  • Fünf Pflichtgebete am Tag
  • Fasten im Monat Ramadan
  • Soziale Pflichtabgabe
  • Wallfahrt nach Mekkah
Durch die Schriften des Koran (Quran) und der Überlieferungen (Hadith) werden Gebote und Regeln für das Leben eines gläubigen Muslims festgelegt. Viele Verpflichtungen sind für erkrankte und sterbende Menschen modifiziert. Im Hinblick auf die Bereitstellung solcher Informationen und als Angebot...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 40 / 2018

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