Barbara Klee-Reiter

Fortbildungen, die ankommen

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Barbara Klee-Reiter

Bedürfnisse der Mitarbeitenden im Fokus

Power-Point-Präsentationen, Monologe der Vortragenden und nur theoretische Inhalte. So sollten Fortbildungen nicht mehr gestaltet sein. Barbara Klee-Reiter ist Beraterin von stationären Einrichtungen und Kliniken zu demenzspezifischen Fragen, sie meint, „die beste Fortbildung ist die, bei der niemand das Gefühl hat, fortgebildet worden zu sein. Wie dieses Gefühl entstehen kann, verrät sie im Beitrag. Guten Tag, Frau Klee-Reiter! Haben Sie in diesem Jahr noch Zeit für eine zweitägige Fortbildung für unsere Betreuungsassistentinnen? Welche Themen können Sie denn anbieten? Und bitte, vergessen Sie nicht, uns die Teilnahmebescheinigung auszustellen!

Hin und wieder bekomme ich solche Anfragen. Nach 20 Jahren Erfahrung in der Fortbildung und Beratung in der Altenhilfe weiß ich, dass diese Fortbildung nicht sehr effektiv sein wird. Nicht, weil ich keine guten und abwechslungsreichen Fortbildungen anbieten würde oder die Teilnehmenden nicht interessiert wären, sondern, weil die Fortbildung isoliert und ohne Bezug zu dem Alltag und den Hierarchien in der Einrichtung steht.
Fortbildung als Burn-out-Verstärker?
Ich möchte diesen Beitrag zum Anlass nehmen, die Auswirkungen von nicht eingebundenen Fortbildungen zu beleuchten. Und vor allem möchte ich mutig über Fortbildungsformate nachdenken, die nicht als Burn-out-Verstärker wirken, sondern zu einer wirklichen Erleichterung des beruflichen Handelns führen, eine positive Auswirkung auf das Team haben und die Fachlichkeit in den Einrichtungen erhöhen.
So sollte es nicht laufen
Als ein Beispiel, wie es nicht laufen sollte, wähle ich eine zweitägige Fortbildung zur Einführung des Expertenstandards „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz in einer stationären Altenhilfeeinrichtung. Es nehmen zwölf Mitarbeitende teil. Davon sind sechs Teilnehmende Betreuungsassistentinnen, zwei Pflegeassistentinnen sind dabei, zwei Schülerinnen, eine Dame aus der Hauswirtschaft sowie die Leiterin des Sozialen Dienstes. Während der zweitägigen Fortbildung wird gut gearbeitet, es geht um die Theorie des personzentrierten Ansatzes, es wird eine Selbsterfahrung zum Erleben von Menschen mit einer Demenzerkrankung gemacht, und die Teilnehmenden üben, langsame, beziehungsgestaltende Kontakte aufzubauen. Die Teilnehmenden sind mit der Fortbildung zufrieden und freuen sich darauf, ihre Ideen ausprobieren zu können.
Nach der Fortbildung kommt die Praxis
Die Pflegeassistentin kommt nach der Fortbildung zurück auf ihren Pflegebereich. Sie nimmt sich vor, dem Bewohner, Herrn Fechner*, längere Zeit beim Essen zu begleiten und ihm dabei ruhig und bestärkend zuzureden und über den Rücken zu streichen, damit er sich entspannt und sich seine Schluckbeschwerden verringern. Doch kaum hat sie sich umgezogen, muss sie erfahren, dass sich zwei Kolleginnen heute krank gemeldet haben. Wieder ist keine Zeit, etwas länger bei den einzelnen Bewohnern zu verweilen. Es ist sogar noch schwieriger, Ruhe gegenüber den Bewohnerinnen und Bewohnern auszustrahlen.
Die Pflegeassistentin, die nach der Fortbildung zurück auf ihren Wohnbereich kommt und keinen Raum für die Umsetzung ihrer Ideen findet, wird schnell frustriert sein. Durch die Fortbildung wurde sie sensibel dafür, wie bedeutsam nährende Beziehungen für das Wohlbefinden von Menschen mit einer Demenzerkrankung sind, und sie erlebt, dass die Diskrepanz zwischen dem, was sie gelernt hat und dem, was sie umsetzen kann, immer größer wird. Das Erleben, den eigenen und den fachlichen Ansprüchen nicht genügen zu können und trotz großer Anstrengung immer hinter dem erwünschten Ziel zu bleiben, wirkt wie ein Burn-out-Beschleuniger für die Pflegeassistentin.
Als wenn das noch nicht genug wäre, können durch Fortbildungen, die nach dem Gießkannenprinzip verabreicht werden, Konflikte geschaffen oder vertieft werden. Themen wie Beziehungsgestaltung, Umgang mit herausforderndem...
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aus: pflegen Demenz Nr. 57 / 2020

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