Emotionen aushalten

Henrikje Stanze im Gespräch mit einer Klientin, die selbst bestimmen möchte, wie sie behandelt wird, wenn sie sich mal nicht mehr selbst äußern kann
Henrikje Stanze im Gespräch mit einer Klientin, die selbst bestimmen möchte, wie sie behandelt wird, wenn sie sich mal nicht mehr selbst äußern kann, Foto © Henrikje Stanze

BVP informieren, zuhören, nachfragen und auf Ratschläge verzichten

Über das zu sprechen, wie Menschen medizinisch und pflegerisch behandelt werden möchten,falls sie dies mal nicht selbst sagen können, ist kein leichtes Unterfangen. Pflegefachpersonenkönnen von Erfahrungen der darin geübten Kolleginnen und Kollegen profitieren. Im Gespräch mitElke Steudter, Herausgeberin pflegen: palliativ, berichtet Henrikje Stanze, DiV-BVP-zertifizierte BVP-Gesprächsbegleiterin und -Trainerin, über Begegnungen mit Menschen und den Prozessdes vorausschauenden Planens aus Sicht der Gesprächsbegleiterin.

Elke Steudter: Frau Stanze, welche Menschen wenden sich mit dem Anliegen der vorausschauenden Planung an Sie und wie finden diese den Weg zu Ihnen?
Henrikje Stanze: Bislang ist dies noch sehr unterschiedlich. Einige haben es von der Heimleitung ihrer stationären Einrichtung erfahren und bekunden Interesse an einem vorausschauenden Gespräch über die Gesundheitsplanung bzw. einem Gespräch, die Behandlung im Voraus zu planen (BVP). Andere haben vielleicht mitbekommen, dass ich ein Gespräch mit einer Dame aus dem Zimmer nebenan geführt habe. Beim Frühstück wurde dann nachgefragt, was denn in diesem Gespräch besprochen wurde. Das führte mitunter dazu, dass Menschen mich ansprachen, die auch mal über ihre mögliche Behandlung in zukünftigen Lebenslagen sprechen wollten.
Viele finden den Weg über die jeweilige Einrichtung oder das Internet zu mir. Die Kontakte zu den Einrichtungen konnte ich durch meine Anwesenheit bei regionalen Qualitätszirkeln oder nach Vorträgen von mir herstellen.
Wie erleben Sie den ersten Kontakt mit den ratsuchenden Menschen? Und was ist dabei aus Ihrer Sicht für Fachpersonen wichtig?
Ich erlebe die ersten Kontakte überwiegend gut. Die Menschen wollen im Voraus ihren Willen zu künftigen medizinischen und pflegerischen Behandlungen festlegen und dazu suchen sie den Kontakt zu mir. Sie sind dankbar, dass ihnen in den Gesprächen eine Begleitung geboten wird, um solch schwierige Entscheidungen für sich selbst treffen zu können, für den Fall, dass sie mal nicht gefragt werden können.
Das Wort „Patientenverfügung ist sehr geläufig, doch die Vorstellungen dazu sind sehr unterschiedlich. Es sind häufig plakative Vorstellungen, z.B. aus Film und Fernsehen. Hier ist es wichtig, das Wesentliche herauszubekommen und jeden in seinen individuellen Vorstellungen und Wünschen zu unterstützen. Vielen Menschen mit dem Bestreben, den Willen zu lebensverlängernden Maßnahmen im Voraus zu planen, werden die Ausmaße einer Patientenverfügung erst dann wirklich klar, wenn nachgefragt wird, was denn hinter einer möglicherweise schnell gewählten Pauschalaussage steht. „Keine Geräte und keine Schläuche kann alles und auch nichts bedeuten.
Meint es bereits einen einfachen Infusionsschlauch, über den Flüssigkeit und Antibiotika gegeben werden, oder eine über einen zentralen Venenkatheter gegebene hochdosierte medikamentöse Therapie, die einer engmaschigen Monitorüberwachung auf der Intensivstation bedarf?
Dieses Beispiel verdeutlicht, dass das Fachpersonal neben medizinischem und pflegerischem Wissen in den unterschiedlichen Behandlungssettings wie Notfall oder Intensivstation auch kommunikatives Geschick mitbringen muss  – und das Talent, eine wertneutrale Haltung einzunehmen. Das Konzept der Basalen Stimulation® oder der Kinästhetik (Lehre von der Bewegungsempfindung) oder auch das Konzept des personenzentrierten Ansatzes nach Rogers müssen schließlich auch erlernt werden. Und so muss auch ein auf empirischen Daten beruhendes BVP-Konzept erlernt werden. Dazu ist es wichtig, dass die angewendeten Formulare sowohl rechtlich einwandfreie Formulierungen als auch in der medizinischen und pflegerischen Handhabe umsetzbare Aussagen haben.
Wie lange dauert in der Regel ein erstes Gespräch und welche Themen sind dann nach Ihrer Erfahrung wichtig?
Das erste Gespräch ist mindestens mit 60 Minuten anzusetzen....
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 42 / 2019

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