Dorotheé Becker | Martina Kern

Definieren, einordnen, sichern

Palliative-Care-Weiterbildung sollte in einer geschützten Atmosphäre stattfinden
Palliative-Care-Weiterbildung sollte in einer geschützten Atmosphäre stattfinden, Foto © : aerogondo | stock.adobe.com

Dorotheé Becker | Martina Kern

Qualität in der Palliative-Care-(Weiter-)Bildung

Der Begriff „Qualität ist heute in aller Munde und steht für die Güte eines Produktes. Aber woran ist diese erkennbar und was bedeutet dies für die vielfältigen Angebote im Weiterbildungssektor der Palliative Care? Die zunehmende Bedeutung der Palliativversorgung, die unterschiedlichen Settings und wachsenden Erkenntnisse sowie steigende Bedarfe erfordern eine Qualifizierung, die den unterschiedlichen Anforderungen von der allgemeinen Palliativversorgung bis hin zur Spezialisierung gerecht wird.

Die Betrachtung der Qualität in der Palliative-Care-(Weiter-)Bildung erfordert zunächst einen kurzen Blick auf das, was Palliative Care ausmacht.
Die Europäische Gesellschaft für Palliative Care (EAPC) definiert Palliative Care, in Anlehnung an die Weltgesundheitsorganisation (WHO), „ als eine aktive, umfassende Versorgung von Patienten, deren Erkrankung auf eine kurative Behandlung nicht anspricht. Dabei wird als oberstes Ziel die „Kontrolle von Schmerzen und anderen Symptomen sowie von sozialen, psychischen und spirituellen Problemen (WHO, 2002) betont. Wichtig hierbei sind
  • der interdisziplinäre Ansatz
  • die Einbindung der Familie und deren Umfeld sowie
  • die Orientierung an den Bedürfnissen der betroffenen Person,
und zwar überall dort, wo Menschen versorgt werden, sei es zu Hause, in der Pflegeeinrichtung oder im Krankenhaus. Angestrebt wird, „die bestmögliche Lebensqualität bis zum Tod zu erhalten (WHO, 2002).
In der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland steht ebenso, dass Menschen in dieser Lebenssituation ein Recht auf eine angemessene, qualifizierte und bei Bedarf multiprofessionelle Behandlung und Begleitung haben (Charta. 2016). Diese Entwicklungen bedeuten einen Paradigmenwechsel im Gesundheitssystem (Pleschberger, 2002). Ein System, welches auf Heilung und Krankheitsbekämpfung ausgelegt ist, nimmt den Blick nunmehr verstärkt auf eine Begleitung und Behandlung, die dem subjektiven Krankheitsempfinden gerecht wird.
Palliative Care ist Philosophie und Haltung
Die Integration von Palliative Care in die Gesundheitssysteme ist also nicht nur ein wichtiger Faktor, sondern auch eine ethische Verpflichtung, um betroffenen Menschen einen gerechten Zugang zu einer adäquaten Versorgung am Lebensende zu verschaffen. Dabei ist Palliative Care nicht allein an eine bestimmte Form einer besonderen Einrichtung geknüpft, sondern eine grundsätzliche Haltung und Philosophie. Die umfassende Versorgung und Begleitung von schwerkranken Menschen im Sinne von Palliative Care erfordert demnach Kompetenzen, die weit über eine reine Fachkompetenz hinausgehen. Hier ist ein umfassender Lern- und Reifeprozess erforderlich, der nicht dem Einzelnen überlassen sein kann (Kreutzer et al., 2019).
Qualität in der Palliative-Care-Bildung definieren
Bereits 1992 wurde durch eine Initiative der Landesberatungsstelle ALPHA und der Förderung des damaligen Gesundheitsministeriums in Nordrhein-Westfalen ein Curriculum für Pflegende (Kern et al., 2015) mit einem Umfang von 160 Stunden entwickelt. Die Lernziele wurden rubriziert in
  • Wissen
  • Fertigkeiten und
  • Haltung.
Dieses Curriculum wurde von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) und dem Deutschen Hospiz-und PalliativVerband (DHPV) anerkannt und in die Ausführungsbestimmungen der stationären und ambulanten Hospizleistungen (§ 39a SGBV) aufgenommen sowie teilweise als Anforderungen zur spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (§§  37b und 132d SGBV) beschrieben (Kern, 2017). Hier wurden bereits erste Qualitätsanforderungen an die Lehre und die Lehrenden formuliert, die in der Arbeitsgruppe Bildung der DGP kontinuierlich weiterentwickelt wurden.
Qualifizierung in geschützter Atmosphäre
Auf der Basis einer qualifizierten Berufsausbildung ist es im hospizlich-palliativen Weiterbildungsbereich maßgeblich, sich in geschützter...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 46 / 2020

Qualität

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Grundlagen