Zusammen kochen und backen – viel mehr als Nahrungszubereitung

Das Kochen und Backen macht vielen Bewohnerinnen und Bewohnern Spaß und sollte gefördert werden – trotz Hygienevorschriften
Das Kochen und Backen macht vielen Bewohnerinnen und Bewohnern Spaß und sollte gefördert werden – trotz Hygienevorschriften, Foto: © Halfpoint/istockphoto.com

Infektionsschutz und Lebensmittelhygiene müssen sinnvolle Aktivitäten im Pflegeheim nicht erschweren

Welche Maßnahmen sind erforderlich, um Infektionsschutz und Hygiene beim gemeinsamen Kochen und Backen in einer Senioreneinrichtung zu gewährleisten? Die Pflegewissenschaftlerin Donate Degenhardt, die Einrichtungsleiterin Christina Gebhardt und die Diplom-Oecotrophologin Gabriele Gottsmann liefern einen Überblick.

Kochen, Backen und auch Essen und Trinken sind zweifelsohne wichtig im Leben eines Menschen. Die Wichtigkeit verschwindet nicht mit dem Einzug in ein Pflegeheim. Man braucht kein Wissenschaftler zu sein, um das Sprichwort „Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen nachvollziehen zu können. Doch was ist mit der Hygiene, wenn die Bewohner eines Pflegeheimes einbezogen werden sollen in die Nahrungszubereitung? Wenn in gemeinschaftlichen Aktivitäten in kleineren Gruppen ergänzend zur regelhaften Verpflegung gekocht oder gebacken wird? Kann man das überhaupt, angesichts einer anfangs recht unüberschaubar wirkenden Vielzahl von Hygienevorschriften? Und können solche Aktivitäten angeboten werden, ohne dadurch ihre Orientierung an der Normalität und am „häuslichenCharakter zu verlieren?
Kochen und backen
Gleich zu Beginn soll kurz die Frage beantwortet werden, warum Koch- und Backaktivitäten überhaupt angeboten werden sollten, welche Bedeutung das gemeinsame Zubereiten von Nahrung und auch das gemeinsame Essen haben. Im zweiten Schritt beschäftigen wir uns mit Vorschriften, denn wenn Lebensmittel im Spiel sind, werden auch eine Vielzahl von Ge- und Verboten auf den Plan gerufen. Bei Koch- und Backaktivitäten in der Gemeinschaft eines Pflegeheimes muss man sich vor allem mit dem Infektionsschutzgesetz und der Lebensmittelhygieneverordnung auseinandersetzen. Gelingt diese Auseinandersetzung gut und werden klare Regelungen im Pflegeheim festgelegt, erhalten die Mitarbeitenden Handlungssicherheit. So erfüllen Hygienevorschriften ihren Sinn und Zweck: Sie schützen Bewohner und Mitarbeitende vor Schäden und müssen dabei keineswegs gemeinsame Aktivitäten erschweren oder den Spaß an einer sinnvollen Betätigung für die Bewohner trüben.
Warum kochen? Warum backen?
Es ist kein Geheimnis, dass es in Pflegeheimen immer wieder Kritik am Essen, an seiner Zubereitung, seinem Geschmack oder seinem Aussehen gibt. Ebenso werden oft Mahlzeitensituationen kritisiert, die einem genussvollen Essen und Trinken entgegenstehen. Und es ist längst bekannt, dass das Wohlbefinden von Menschen sowohl mit der Möglichkeit zur sinnvollen Beschäftigung und angenehmen Kontakten zusammenhängt als auch damit verknüpft ist, dass biografische Gewohnheiten beibehalten werden können (Kitwood, 2008). An allen diesen Punkten ansetzend können Koch- und Backgruppen vieles bieten.
Vorweg: Kochen und Backen ist wie alle Beschäftigungsaktivitäten nicht für jeden etwas. Allein die Tatsache, dass es sich um eine ältere Dame handelt, heißt nicht automatisch, dass diese Dame haushaltsaffin ist und Spaß an solchen Aktivitäten hat (auch wenn dies früher einmal so war). Biografische Ansatzpunkte können genutzt, aber sollten auch überdacht werden. Es muss immer ein sensibler Blick auf die Person gerichtet werden, um Aktivitäten sinnvoll vorschlagen zu können. Und keine Angst vor Experimenten! Biografie hin oder her: Auch Aktivitäten, die im Leben einer Person bisher keine Rolle spielten, können neu entdeckt werden und Spaß, Freude und Herausforderung bieten. Denn Biografie ist Entwicklung und dauert fortlaufend an. Auch im Pflegeheim.
Ein genderübergreifendes Gemeinschaftserlebnis
Trotz schleichender und unbemerkter Maskulinisierung im Pflegeheim (de Vries, 2015), sind es meistens noch Frauen, die dort wohnen. Und selbst, wenn sich auch bei den Frauen langsam ein Generationenwechsel vollzieht, verfügen die meisten von ihnen noch über langjährige Haushaltspraxis, an die angeknüpft werden könnte. Kochen und Backen: Frauensache? In vielen...
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aus: pflegen Demenz Nr. 48 / 2018

Hygiene

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: Demenz" Praxis