WHO-Empfehlungen für Europa

© pikselstock/stock.adobe.com

Palliative Care für ältere Menschen

Die WHO beleuchtet die Palliative Care auch mit besonderem Fokus auf ältere und alte Menschen und formuliert spezifische Empfehlungen für diese vulnerable Altersgruppe (Hall et al., 2011). Die Empfehlungen und die Beispiele, wie geriatrische Palliative Care in verschiedenen europäischen Ländern umgesetzt wird, liefern wichtige Anregungen für alle, die mit alten Menschen arbeiten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt die Gründe für eine geriatrische Palliative Care klar heraus:
  • demografische Veränderungen mit steigenden Zahlen alter Menschen (2050 wird voraussichtlich ein Viertel der europäischen Bevölkerung älter als 65 Jahre sein, mit einem starken Anstieg der über 85-Jährigen)
  • die durch bessere Behandlungsoptionen veränderten Verläufe chronischer Erkrankungen (längere Überlebenszeiten nach Krebs- und bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
  • komplexe Bedürfnisse alter Menschen (vor dem Hintergrund von Multimorbidität und Demenz).
Gleichzeitig zeigt sich, dass alte schwerkranke und sterbende Menschen unnötig leiden müssen, dass ihre mehrdimensionalen Bedürfnisse im holistischen Assessment zu selten und zu wenig umfangreich erfasst werden und dass sie insgesamt nur unzureichenden Zugang zu Palliative-Care-Leistungen erhalten. Dies variiert länderspezifisch allerdings erheblich.
Die oben beschriebenen Voraussetzungen machen es nötig, dass die Palliative Care bei alten Menschen intersektional unter Beteiligung verschiedener Fachdisziplinen − z.B. Geriatrie, Kardiologie, Nephrologie, Neurologie organisiert werden muss. Auch Veränderungen des Alters wie Inkontinenz, Stürze (siehe Beitrag Steudter, S. 12) sind in Pflege und Behandlung mit zu berücksichtigen.
Bildung der Health Professionals und vorausschauende Planung unerlässlich
Die Palliative Care bei alten Menschen stellt häufig eine Kombination von geriatrischer Pflege, dem Palliative-Care-Ansatz und dem personenzentrierten Umgang bei Menschen mit Demenz dar. Die WHO hebt in ihren Ausführungen die große Bedeutung der Bildung der Health Professionals hervor und nennt hier insbesondere die Pflegefachpersonen. Denn nur so lassen sich die drei genannten Bereiche sinnvoll zu einer ganzheitlichen Pflege verbinden und von allen Beteiligten in gemeinsame Ziele überführen. Dabei können die Kernkompetenzen für Palliative Care, die die Europäische Vereinigung Palliative Care (EAPC) (Gamondi et al., 2013a/2013b) formuliert hat, herangezogen werden.
Die Spezifika der palliativen Versorgung von alten Menschen macht nach Auffassung der WHO auch die vorausschauende Planung unerlässlich. Da alte Menschen häufig von chronisch verlaufenden Gesundheitsbeschwerden betroffen sind, erstreckt sich die Palliative Care meist über viele Jahre. Die Dokumentation der Bedürfnisse und Wünsche der alten Menschen ist auch im Hinblick auf die mögliche Demenz von besonderer Bedeutung und sollte von den Health Professionals aktiv gefördert werden.
Bedarf an geriatrischer Palliative Care erkennen
Noch immer sterben alte Menschen meist im Krankenhaus. Dies bedeutet, dass dort ein besonderes Augenmerk auf diese Zielgruppe gelegt werden muss. Damit dies gelingen kann, empfiehlt die WHO geschultes Fachpersonal, das alte Menschen, die der palliativen Versorgung bedürfen, rechtzeitig identifiziert, ihre Bedürfnisse strukturiert erhebt, entsprechende Versorgungspfade schafft und den Zugang zur spezialisierten Palliative Care unter Einbezug der nötigen Fachdisziplinen ermöglicht.
Weil immer mehr alte Menschen in Europa ihre letzten Lebensjahre im Pflegeheim verbringen, hat sich auch dort der Anteil der komplexen Gesundheits- und Pflegesituationen stark erhöht. Die Empfehlungen der WHO für den Langzeitpflegebereich lauten:
  • hochphasig weitergebildete, spezialisierte Pflegefachpersonen einsetzen
  • Plätze zur hospizlich-palliativen Versorgung einrichten
  • Pflegende weiterbilden und trainieren sowie
  • Leitlinien und Standards entwickeln, um...
pflegen Palliativ
Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Weiterlesen im Heft

Ausgabe kaufen

pflegen Palliativ abonnieren und digital lesen!
  • Exklusiver Online-Zugriff auf Ihre digitalen Ausgaben
  • Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
  • Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen

Zeitschrift abonnieren

Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 43 / 2019

Alter

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Grundlagen