Beate Heiler-Thomas

Was virtuelle Selbsthilfegruppen leisten können

Können fachlich moderierte Gesprächskreise durch virtuelle Gruppetreffen ersetzt werden?
Können fachlich moderierte Gesprächskreise durch virtuelle Gruppetreffen ersetzt werden?, Foto ©: Michael Ebardt/stock.adobe.com

Beate Heiler-Thomas

Ein Brückenschlag zwischen Emotionalität und Rationalität

Ausgerechnet das Herzstück, die fachlich moderierten Gesprächskreise für Angehörige und andere Wegbegleiter von Menschen mit Demenz, kann die Selbsthilfeorganisation „Alzheimer Gesellschaft Rheingau-Taunus aufgrund der Corona-Pandemie derzeit nicht anbieten. Ein Lösungsansatz scheint das Treffen in virtuellen Räumen zu sein. Aber ist das wirklich eine Alternative? Die Dipl.-Sozialpädagogin und erste Vorsitzende der „Alzheimer Gesellschaft Rheingau-Taunus, Beate Heiler-Thomas, berichtete von ihren Erfahrungen als Moderatorin einer Selbsthilfegruppe.

Eine Demenzerkrankung ist eine Herausforderung für die betroffene Person und für die Angehörigen. Aber nicht alles, was im Zusammenhang mit der Krankheit erlebt wird, ist eine Belastung. So werden die Gesprächskreise der „Alzheimer Gesellschaft Rheingau-Taunus von den Teilnehmenden nicht nur als informativ und emotional entlastend, sondern auch als „magisch beschrieben. Es sind Treffen, bei denen überwiegend über Gefühle und unerfüllte Bedürfnisse gesprochen wird.
Wenn etwas Leichtes im Schweren entsteht
Die Begleitung einer Person mit einer demenziellen Erkrankung stellt für viele Menschen eine große Herausforderung dar. Viele pflegende Angehörige erleben eine hohe emotionale Belastung und geraten früher oder später an ihre Grenzen. Das gilt häufig auch für die Begleitung eines erkrankten Menschen, der bereits in einem Pflegeheim lebt. Für pflegende Angehörige ist es wichtig, zu spüren, dass sie mit ihren Sorgen, Fragen und oftmals verwirrenden Gefühlen nicht allein sind. Es tut ihnen gut zu wissen, dass andere ähnliche Probleme und Fragen gegenüberstehen, aber auch schon Auswege gefunden haben. Es hilft, abseits des Alltags über seine Lebenssituation nachzudenken. Denn bei aller lieb gemeinten Sorge um den pflegebedürftigen Angehörigen lautet die zentrale Frage in den Gesprächskreisen: „Wie geht es Ihnen eigentlich? Die Erfahrung zeigt, dass der persönliche Austausch neue Kraft gibt und ungeahnte Perspektiven in einer vertrauensvollen Atmosphäre eröffnet.
Die Gesprächskreise werden an mehreren Standorten im Rheingau-Taunus-Kreis angeboten. Geleitet werden sie von Mitarbeiterinnen mit verschiedenen beruflichen Hintergründen, teilweise sind sie selbst Angehörige eines Menschen mit Demenz.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer begegnen einander persönlich. Sie verlassen ihr Zuhause und unternehmen damit vielleicht einen ersten wichtigen Schritt aus ihren häufig sehr belastenden Alltag. Sie begegnen anderen in ähnlichen Situationen sehr persönlich und mit allen Sinnen. Oft erleben sie durch die Treffen große Erleichterung, die wenig ursächlich zu fassen ist.
Ein Stück „Magie Fremde begegnen sich mit allen Sinnen
Auch virtuelle Treffen können informativ, wohltuend und positiv erlebt werden. Aber können sie, so wie die persönlichen Treffen, auch unerklärliche Erleichterung für die teilnehmenden Personen schaffen? Kann Videotelefonie das „magische Gefühl herstellen, dass sich etwas zum Besseren gewendet hat, geradezu wie von Zauberhand? Woher rührt es, dass in den Gesprächskreisen so ein „magisches Gefühl der Bewegtheit als eine tiefe Empfindung, eine Ergriffenheit entsteht? Eine Teilnehmerin erklärt dazu ihre Gefühle:
„Für mich ist es magisch, wie etwas Leichtes im Schweren entsteht. Wie aus Tränen ein Lächeln wird. Wie aus Hoffnungslosigkeit Zuversicht zu wachsen scheint. Wie Lichtblicke ins Dunkel kommen. Und all das manchmal innerhalb von 90 Minuten! Und dass Respekt, Vertrauen, Mitgefühl und Wertschätzung in der Gruppe zu spüren sind wo sich (fremde) Menschen als Menschen begegnen und nicht in einer Funktion.
Die Gestaltung des Gesprächskreises
Die Treffen der Selbsthilfeorganisation finden einmal im Monat in den Räumlichkeiten von Kooperationspartnern statt. Es gibt keine festen Gruppen. Anmelden braucht man sich nicht und es werden auch...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 55 / 2020

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